Wien, September 2026 – Am 2. Oktober eröffnet MEZEKƎRƎ im ehemaligen Sophienspital in Wien-Neubau offiziell seinen neuen Kunst- und Kulturraum. Auf rund 300 m² entsteht ein Ort für globale und diasporische künstlerische Praktiken, Perspektiven der Global Majority und von Migrant*innen. Ausstellungen und Residencies treffen hier auf Performance, Musik, Literatur, Workshops und gemeinschaftliches Lernen.
Den Auftakt macht die brasilianische Künstlerin Gê Viana mit Annunciation of Ardencies, ihrer ersten Einzelausstellung in Europa. Elf Collagen, eine Skulptur, eine Installation aus Raffia, zwei Altäre, eine Klangarbeit und eine Radiola – ein Soundsystem aus der Reggae-Kultur des brasilianischen Bundesstaates Maranhão – verwandeln den neuen Space in eine Umgebung zwischen Archiv, Ritual und Versammlung.
„Mit MEZEKƎRƎ eröffnen wir nicht einfach einen weiteren Ausstellungsraum. Wir schaffen einen Ort, an dem Künstler*innen und Communities nicht eingeladen werden, um in bestehende Strukturen zu passen, sondern diese Strukturen mitgestalten. Uns interessiert ein Kunstort, an dem unterschiedliche Formen von Wissen, Erinnerung und künstlerischer Praxis gleichberechtigt Raum bekommen“, so Marissa Lôbo, Faris Cuchi Gezahegn und Marisel Bongola.
Kuratiert von Marissa Lôbo, Faris Cuchi Gezahegn und Marisel Bongola, entstand Annunciation of Ardencies aus einer Residency von Gê Viana bei MEZEKƎRƎ im Frühjahr 2026. Die Ausstellung knüpft an Vianas viel beachtete Präsentation bei der 36. Biennale von São Paulo 2025 an. Dort war ihre monumentale Radiola-Installation A colheita de Dan zu sehen, die ArtReview zu den „most compelling works“ der Biennale zählte. Zeitgleich mit ihrer ersten europäischen Einzelausstellung bei MEZEKƎRƎ zeigt das Hammer Museum in Los Angeles ihre erste Einzelausstellung in den USA.
Wem ist es erlaubt, laut zu sein?
Im Zentrum von Annunciation of Ardencies steht die Radiola: Klangkörper, Treffpunkt und Träger kollektiver Erinnerung. In Maranhão prägen Radiolas seit Jahrzehnten eine eigenständige Reggae-Kultur. Bei Gê Viana wird das Soundsystem zur Behauptung von Präsenz und Öffentlichkeit: Wessen Musik gilt als Kultur – und wessen als Störung? Wer darf sich versammeln, Raum beanspruchen und gehört werden?
Viana verbindet historische Fotografien und Dokumente mit mündlichen Überlieferungen, Spiritualität und gemeinschaftlichen Praktiken. Ihre Collagen fragmentieren und kombinieren Bilder neu und eröffnen andere Lesarten kolonialer Archive. Für die Wiener Ausstellung führt ihre Recherche von der Quilombola-Gemeinschaft Santa Rosa dos Pretos in Maranhão bis zum Dantokpa-Markt in Benin und macht historische und kulturelle Verbindungen zwischen Westafrika und Brasilien sichtbar.
„Die Wahl von Gê Viana für unsere Eröffnung ist bewusst. Ihre Arbeit setzt das koloniale Archiv neu zusammen, bis es eine andere Geschichte erzählt – eine, in der die Präsenz indigener und schwarzer Menschen keine Fußnote, sondern der Rahmen ist. Genau das ist die Aufgabe, für die MEZEKƎRƎ hier ist“, so das kuratorische Team von MEZEKƎRƎ.
Über Gê Viana
Gê Viana (*1986 in Santa Luzia, Maranhão) lebt und arbeitet in São Luís im Nordosten Brasiliens. In Collage, Fotomontage, Malerei, Video und Installation beschäftigt sie sich mit kolonialen Archiven, Erinnerung, afro-pindorâmischen Identitäten und Spiritualität. 2020 erhielt sie den PIPA-Preis, 2025 nahm sie an der 36. Biennale von São Paulo teil. Mit Annunciation of Ardencies bei MEZEKƎRƎ präsentiert sie ihre erste Einzelausstellung in Europa.
MEZEKƎRƎ: Ein Raum in Bewegung
MEZEKƎRƎ ist ein rund 300 m² großer Kunst- und Kulturraum im Kenyon-Pavillon auf dem Areal SOPHIE 7, dem ehemaligen Sophienspital in Wien-Neubau. Im Zentrum stehen globale und diasporische künstlerische Praktiken sowie Perspektiven der Global Majority und von Migrant*innen.
MEZEKƎRƎ wird gemeinsam mit Künstlerinnen, Kollektiven und Communities gestaltet. Der Space ist aus mehr als einem Jahrzehnt künstlerischer und kulturpolitischer Arbeit hervorgegangen – vom 2009 gegründeten Lima. Institut über oca: migrations, minorities, arts bis zu kültür gemma!, das seit 2012 mehr als 110 Künstlerinnen gefördert und begleitet hat.
Der Name MEZEKƎRƎ leitet sich vom amharischen መዘክር / mäzäkr ab und verweist auf gemeinsames Sammeln, Bewahren und Heilen. Lokal im 7. Bezirk verankert und zugleich transnational ausgerichtet, versteht sich MEZEKƎRƎ als Raum für künstlerische Zusammenarbeit, geteilte Autor*innenschaft und radikale Gastfreundschaft.
GÊ VIANA × MEZEKƎRƎ
Annunciation of Ardencies
Eröffnung MEZEKƎRƎ & Ausstellungseröffnung
Freitag, 2. Oktober 2026, 18 Uhr
Kuratiert von
Marissa Lôbo, Faris Cuchi Gezahegn und Marisel Bongola
Ausstellungsdauer
2. Oktober 2026 bis 28. Februar 2027
Öffnungszeiten
Mo–Mi 10 bis 16 Uhr
Do 10 bis 20 Uhr
Fr 10 bis 14 Uhr
Eintritt
frei
MEZEKƎRƎ SPACE
Kenyon-Pavillon, SOPHIE 7 / ehemaliges Sophienspital
Apollogasse 21/5, 1070 Wien
Link:
mezekere.com
