mica-Serie: Parlamentarische Enquete Musik die Teilnehmer: Österreichisches VolksLiedWerk

Auf Antrag aller im Parlament vertretenden Parteien findet am 3. Juni 2008 im Nationlrats-Sitzungssaal des Parlamentsgebäudes eine parlamentarische Enquete mit dem Thema “ZukunftsMusik. Aktuelle Herausforderungen und musikalische Entwicklungsperspektiven in Österreich” statt. Für die Präsidentenkonferenz, eine auf Initiative von mica-music austria gegründete regelmäßige Zusammenkunft von Organisationen des österreichischen Musiklebens, ist damit ein lange vorbereiteter Wunsch in Erfüllung gegangen. Durch die im Vorfeld von mica – music austria koordinierten Vorbereitungen ist ein historisch einmaliger Themenkatalog im Konsens mit allen am österreichischen Musikleben beteiligten Organisationen von KomponistInnen, MusikerInnen und VertreterInnen der Wirtschaft entstanden. Ein Themenkatalog der auch über die Enquete hinaus ein Arbeitsprogramm darstellt. mica – music austria präsentiert im Rahmen dieser Artikelserie die teilnehmenden Organisationen.

Institution
Das Österreichische VolksLiedWerk ist der Dachverband der Volksliedwerke der Bundesländer mit Standort in Wien. Die finanzielle Basis ist durch das bm:bwk gesichert. Die Volksliedwerke in den Bundesländern sind seit 1974 eigenständige Vereine. Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Durch ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen in praktischer Kulturarbeit decken sie einen breiten Kompetenzbereich ab, der musikalische, wissenschaftliche und pädagogische Qualifizierung ebenso einschließt wie Kenntnisse im Management.

Aufgaben
Das Österreichische VolksLiedWerk befasst sich mit Volksmusik in all ihren Erscheinungsformen. Seine Funktion als Verband der Bundesländer liegt in der Schaffung von Rahmenbedingungen und Koordination gemeinsamer Anliegen und Projekte auf regionaler und internationaler Ebene. Diese beinhalten Veranstaltungen, Ausstellungen, Fortbildungen und Publikationen. Die Hauptaufgabengebiete sind Sammlung, Archivierung, Dokumentation und Vermittlung im komplexen Bereich der musikalischen Volkskultur. Basis der Arbeit stellen die Sammelbestände der Archive dar. Dabei ergeben sich für die Zentrale spezifische Aufgaben im Bereich der Öffent-lichkeitsarbeit, Vernetzung, wie auch in wissenschaftlich-konzeptionellen Belangen.

Ziele
Die aktive Auseinandersetzung mit Musik und dem Leben, in dem Musik integraler Bestandteil ist, steht in der Arbeit des Österreichischen VolksLiedWerkes im Vordergrund. Wir sehen uns in kritischer Distanz zur kommerziellen Unterhaltungsindustrie und zur “Event-Gesellschaft”. Unser Anliegen ist es, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen, das selber Tun und die Kreativität zu fördern, um nachhaltige Impulse für den “Wert Volkskultur” zu geben.

Das Österreichische Volksliedwerk im Verbund mit den zuständigen Organisationen in den Bundesländern versteht sich als kompetente Anlaufstelle zur regionalen Musikkultur in Österreich.

GESCHICHTE
1904 – 1946
1904 wurde im Auftrag des k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht unter Minister Wilhelm Ritter von Hartel eine Kommission von Philologen, Volkskundlern, Musikwissenschaftlern und Volksliedforschern unter dem Namen “Österreichisches Volksliedunternehmen” einberufen. Diese Kommission sollte in einer Gesamtausgabe die Volkslieder, Tänze, sowie die Volksdichtung aller ethnischen Gruppen des Kaiserstaates aufzeichnen und in einer Gesamtausgabe dokumentieren. Ziel dieser Aktion war es, neben der Sammlung auch die Pflege des nationalen Kulturgutes anzuregen, um damit zum besseren Völkerverständnis beizutragen. Ein Hauptausschuss gab grundlegende Richtlinien vor. In den einzelnen Ländern wurden nach nationalen und territorialen Kriterien Arbeitsausschüsse eingerichtet, welche die Sammlungen organisierten und in ihrer jeweiligen Landessprache herausgeben sollten. Zentrale Gestalten des Unternehmens waren der Gymnasialprofessor und Reichstagsabgeordnete Josef Pommer, der mährische Komponist Leos Janacek, der Prager Germanist Adolf Hauffen, der slowenische Liedforscher Karl Strekelj u.a..
Alle Bemühungen um ein einheitliches, auf einem Konsens aller Beteiligten beruhendes Werk herauszugeben, scheiterten letztendlich an nationalen Spannungen und den Ereignissen der Geschichte. 1920 wurde das Volksliedunternehmen auf einen Hauptausschuss und Arbeitsauschüsse in den Bundesländern der Republik Österreich reduziert.
Während der Zeit des Nationalsozialismus übernahm die NSDAP die Agenden der musikalsichen Volkskultur und instrumentierte sie für ihre Zwecke. Das vorerst entstandene Ostmärkische Volksliedunternehmen wurde 1940 liquidiert und die Zuständigkeit für Volksmusikwesen wurde an die Reichsstatthalter in die Reichsgaue der Ostmark übertragen.
 
1946 – 2004
Nach dem Krieg erfolgte 1946 die Neugründung und Umbenennung auf Österreichisches Volksliedwerk beim “Bundesministerium für Unterricht und Kunst”. Auch die Arbeitsausschüsse der Bundesländer nahmen wieder ihre Arbeit auf. In den Bundesländern konzentrierte man sich neben der Sammeltätigkeit vor allem auf praxisbezogene Tätigkeiten. Mit der Organisation von wissenschaftlichen Tagungen durch den Hauptausschuss bekam die Volksmusikforschung neue Impulse. Persönlichkeiten, wie Raimund Zoder, Leopold Schmidt, Hans Commenda, Otto Eberhard, Karl Horak, Josef Bitsche, Oskar Moser, Viktor Geramb und Karl Gradwohl waren maßgeblich an einer gedeihlichen Entwicklung beteiligt. Mit der Bestellung des ersten hauptamtlichen Archivars, Karl M. Klier für das neu gegründete Zentralarchiv und mit dem 1964 bestellten ersten Geschäftsleiter Eugen Hellberg wurde die reine ehrenamtliche Tätigkeit im Österreichischen Volksliedwerk aufgehoben.
Auf Grund von unterschiedlichen Auslegungen über die Arbeit im Österreichischen Volksliedwerk, kam es zu Differenzen mit den hauptsächlich in der Praxis arbeitenden Ausschüssen der Bundesländer. 1974 erhielten die Volksliedwerke der Bundesländer daher eine neue rechtliche Grundlage. Sie wurden zu selbstständigen Vereinen, das Österreichische Volksliedwerk zum Dachverband der Volksliedwerke der Bundesländer. Im Laufe der Jahre entstanden in den Bundesländern verschieden strukturierte und in unterschiedlicher Größe tätige Volksliedwerke. Die 100-Jahr Feier mit dem Symposium “Kulturelles Erbe bewahren vermitteln entdecken” sollte als Anregung gedacht sein, im Zeichen eines wieder vereinten Europa an die Gründungsidee einer überregionalen Kooperation anzuknüpfen.

 

 

 

Österreichisches VolksLiedWerk

http://www.volksliedwerk.at/oevlw/index.php