mica-Porträt: Shaun Berkovits

Shaun Berkovits produzieren Kopfbilder. Assoziationen prasseln nieder und perlen ab. Die markante Eigenständigkeit ihres Sounds legt sich wie ein schützender Film um dieses Album. Musikalische Erlebnisse sind immer subjektiv, musikalischer Geschmack Fluch und Segen. Wie distanzieren von einer Musik, die sich so unglaublich tief hineingräbt? Wie beschreiben, was sich doch erst im Klang erklärt?

Auf ihrem Album “Lights Spill Like Ocean” lassen Shaun Berkovits sanfte Progressionen walten. So scheinen einige Nummern ihres Albums trotz sagenhafter Geschwindigkeit in Zeitlupe vorbei zu ziehen. Einzelne Songs hervorzuheben würde den Charakter dieses Gesamtwerks „Album“ verfehlen, dessen Beginn an die Plötzlichkeit eines überraschenden Sommergewitters erinnert. Ehe es vorbei ist, wünscht man sich an den Anfang zurück. Ohne erzwungenes Konzept oder hippe Angepasstheit und frei von gekünstelter Individualität überzeugt die Band-Symbiose aus Wiener und Grazer Musikern mit nahezu schmeichelhaft verständlichen, aber keinesfalls platten Kompositionen. Der Text darf interpretiert, bewusst aufgenommen oder unverstanden bleiben. Eindringlicher jedoch erscheint der Gesang, der sich reibungslos in den Gesamtklang einfügt und Geschichten individueller Handlung und Emotion zu erzählen vermag. Der musikalische Code hat viele Bedeutungen. Die Interpretation obliegt dem Zuhörenden.

In einer Zeit, da nahezu jeder Musik produzieren, rezipieren, stehlen und wiederherstellen kann, vermag sich ihre Außergewöhnlichkeit in der Tiefe der Emotion, der Hingabe der Protagonisten und deren Perfektionismus, Haltung und Professionalität wiederzuspiegeln. Shaun Berkovis haben ein herausragendes Album geschaffen, das vom ersten Schlag bis zum letzten Mixdown eben diesem Anspruch gerecht wird. Ein Album, das nicht von wenigen Nummern getragen werden muss, sondern die Tragfähigkeit als inhärente Substanz besitzt. Man darf gespannt sein, auf ein nächstes Werk dieser Formation, die ganz offensichtlich ausreichend Kraft und Hingabe besitzt, um derartig markante und zugleich synergetische Nummern hervorzubringen.

Shaun Berkovits ist Alter Ego vierer Musiker: Mike Karre, Alex Hackl, Stephan Paulitsch und Julian Pieber. Ihr Album “Lights Spill Like Ocean” haben sie von Andreas Fennes im “What’s That Noise” Studio aufnehmen, von Florian Parzer mischen und von Harald Pairits mastern lassen.

Der Einladung nachzukommen, sich dieses Werk vom Klang erklären zu lassen, gilt jedem und jeder. Und gestaltet sich einfach. Press play.

 

Foto Credits: Sonja Spitzer

Text: Lucia Laggner

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