mica-Interview mit Werner Schröttner

Werner Schröttner ist 1997 aus der Steiermark nach Wien gezogen, um Politikwissenschaften zu studieren und hat bereits während des Studiums begonnen, für das Gap zu schreiben. Mittlerweile ist er Chef vom Dienst in der News Networld Redaktion und Kurator der Ausstellung “Da könnte ja jeder kommen – 10 Jahre D.I.Y.-Kultur in Wien”, die er mit Freunden aus der damaligen Punk/Hardcore-Szene zusammengetragen und Anfang Mai in der Galerie Quelle präsentiert hat. Im mica-Interview spricht er über diese Ausstellung und die Beweggründe, die zu deren Entstehung geführt haben.

Wie hast du zur D.I.Y.-Szene gefunden, wie sieht deine musikalische Sozialisation aus?

Ursprünglich komme ich aus der Steiermark, vom Land, da ist Metal ziemlich weit verbreitet und auch an mir nicht spurlos vorüber gegangen. Ich war 1994, da war ich 17 Jahre alt, beim Pantera-Konzert in Wels und das war für mich damals ein ganz großes Ereignis, weil Metal zu dieser Zeit sehr wichtig für mich war. Ich  bin dann aber immer tiefer in den Hardcore hinein gerutscht. Lost and Found, ich weiß nicht, ob du das kennst, das war ein Vertrieb, der einen ganz schlechten Ruf hatte, weil er alle Bands abgezockt hat, weil er viele Bootlegs raus gebracht hat.. Jedenfalls hatten die einen ganz fetten Versandkatalog raus gebracht, über den ich zu Band-Shirts gekommen bin und durch die Bandbeschreibungen auch viele neue Bands kennen gelernt habe. So bin dich dann zu Converge und ähnlichem gekommen.

Irgendwann bin ich dann auch auf Greenhell gestoßen, einem Vertrieb aus Münster, die auch wirklich einen sehr tollen Versandkatalog haben. Anfangs gab es nur so kleine, faltbare Flyer, die immer fetter geworden sind und dann irgendwann war das ein dicker Katalog, der zweimal im Jahr erscheint und wirklich zu jeder Platte eine Rezension enthält. Das war vor allem damals, wo noch nicht jeder Internet hatte, sehr hilfreich. Wenn man dann noch irgendwo am Land wohnt, kann man auch nicht in irgendein Plattengeschäft spazieren und sich dort informieren. Über die Schiene bin ich dann auch an Magazine gekommen und eben immer tiefer in die Hardcore-Sache reingerutscht und auf diverse Konzerte gegangen. Anfangs waren das noch Madball und so eine Scheiße halt, aber ich habe schon gemerkt, dass es da auch noch was anderes gibt.

Später bin ich dann nach Wien gezogen.und kurz vorher habe ich gelesen, dass Grace of God spielen, eine Band, die aus Falling Forward hervor gegangen ist und die ich eigentlich ganz gern mochte und da ich an diesem Tag zufällig in Wien war, bin ich dann, im TU-Club haben die damals gespielt, dort hingefahren. Als Vorband haben Falltime gespielt, eine Wiener Band, die erst sehr spät, so gegen halb elf, angefangen haben und da ist es schon extrem zugegangen, so was habe ich vorher noch nicht erlebt, dass halt nur 50, 60 oder 70 Leute auf einem Konzert sind und die Band nicht auf irgendeiner Bühne spielt, sondern sozusagen mitten unter den Leuten, auf einer vielleicht 10 oder 20 Zentimeter hohen “Bühne”. Und ich habe mich dann wirklich schon so gefreut, nach Wien zu ziehen, weil ich mir dachte “da gibt es was, da werde ich gleich gesinnte Leute treffen”. Ich war halt damals schon Vegetarier und dann gab es diese Straight Edge-Szene, wo ich mir gedacht habe, dass ich da vielleicht anschließen könnte.

Zwei Monate später bin ich dann schließlich nach Wien gezogen, zwei Tage danach war das Stalingrad-Konzert, autonome Punks, die eher so crustigen Hardcore gemacht haben und das war dann eigentlich bis heute eines der coolsten Konzerte, die ich je gesehen habe. Der Sänger hat das begründet, was ganz viele Hardcore-Bands dann übernommen haben, vielleicht gab es das ja auch schon davor, aber bei ihm habe ich das halt zum ersten Mal gesehen, und zwar hat der ein extrem langes Mikro-Kabel genommen und ist immer durchs Publikum gelaufen, hat sich vor die Leute hingestellt und sie angeschrieen, gesungen halt, hat Leute mit dem Mikro-Kabel eingewickelt und irgendwie miteinbezogen und irgendwann einmal hat er am Boden einen Überschlag gemacht und hat sich ein Cut zugezogen und obwohl ihm das Blut runter gelaufen ist, hat er die Show ganz normal fertig gespielt, zwischendurch immer mal wieder mit dem T-Shirt drüber gewischt und zum Schluss hat er sich dann irgendwann das Shirt rauf gezogen und hatte irgendwie ein verkehrtes Kreuz aufgemalt gehabt.

Das war für mich irgendwie so ein starker Eindruck, ein Initiationserlebnis. Unter den Leuten habe ich mich einfach wohl gefühlt, da hat auch ein jeder auf den anderen aufgepasst, nicht so eine dumpfe Madball-Hardcore-Szene, wo man sich halt gegenseitig nieder mosht, sondern wenn jemand hingefallen ist, haben alle sofort aufgehört und ihm aufgeholfen, richtig respektvoll eben.

Auf dem Konzert habe ich auch den Jan Gallhuber kennen gelernt, mit dem ich dann später auch Konzerte veranstaltet habe und von da weg habe ich dann immer mehr Leute kennen gelernt, bin auch dreimal in der Woche auf irgendein Konzert gegangen, da war halt extrem viel im EKH und so, ich bin aber auch auf die ganzen großen Konzerte gegangen, auch Bands, die mir eigentlich musikalisch nicht so gefallen haben, aber wenn halt irgendetwas war, dann ist man auch hingegangen.

Und so habe ich dann eben kontinuierlich Leute kennen gelernt und bin Teil der Szene geworden. Die Szene war ja nicht sehr groß, 50 bis 70 Leute, aber die waren dafür alle aktiv, was schon sehr toll war, weil wirklich jeder dieser Leute was gemacht hat. Die haben Platten raus gebracht oder Fanzines gemacht, in Bands gespielt, usw. 70 Leute klingt nicht nach wirklich viel, aber wenn jeder von denen mitmacht, dann entwickelt sich schon was Ordentliches. Ich habe von 1998 bis 2000 bei Programm C gespielt und jedes dieser Konzerte war extrem gut besucht, weil es einfach Teil der Szene war und immer alle Leute hin gekommen sind, zum einen, um die Bands zu sehen, da gab es auch nicht wirklich einen Unterschied zwischen “Hauptband” und “Vorband”, zum anderen, um in dem Umfeld Kontakte zu pflegen. Das war halt in groben Zügen mein Weg von der Steiermark in die Wiener D.I.Y.-Szene.

 

 

Wenn du so darüber sprichst, kommt doch schon etwas ein gewisser nostalgischer Einschlag durch. War das einer der Antriebsfaktoren, oder vielleicht der Haupt-Antriebsfaktor, überhaupt diese Ausstellung zu machen?

Primär nicht. Die Nostalgie hat sich eigentlich hauptsächlich im Rahmen der Vorbereitungen eingestellt, wo man dann schon drüber nachgedacht hat, was sich da eigentlich alles getan hat damals. Aber die Ausstellung selbst ist dadurch entstanden, dass die Leute von der Quelle, diesem Kulturraum im Zehnten Bezirk, Quellenstraße 149, die haben dort eigentlich ein Atelier und einen Proberaum drinnen, in dem proben beispielsweise Thalia, und die haben eine Ausschreibung gemacht, nach irgendwelchen Projekten, egal was, die dann, wenn möglich, auch präsentiert werden sollten.

Die eingereichten Projektideen selbst sollten auch präsentiert werden und ich wurde gefragt, ob ich nicht einen Tag das Rahmenprogramm machen möchte, wo dann auch diese Projektideen vorgestellt werden. Und aus dem einen Tag, den ich gestalten hätte sollen, sind dann schließlich vier Tage geworden und die Leute waren auch alle total toll und hilfsbereit, die ganze Ausstellung war schon so eine Art D.I.Y.-Ding. Wir haben für die Bands gekocht, die dort mitgespielt haben, am nächsten Tag gemeinsam geputzt, das ganze Geschirr abgewaschen und halt einfach zusammen gearbeitet. Das ist auch nicht gerade selbstverständlich, wenn zwei verschiedene Gruppen von Leuten, die sich nicht kennen, also die Leute, die ich mitgebracht habe und die vom Atelier, so zusammenarbeiten und harmonieren. Aber irgendwo da ist dann auch die Idee zur Ausstellung entstanden.

Während dem Vorbereiten der Ausstellung ist dann aber schon so eine Art Wehmut aufgekommen, dass wir alle einfach älter geworden sind, im Berufsleben drin stecken und nicht mehr studieren und dann ist es halt schon so, dass man für das ganze Szene-Ding nicht mehr so viel Zeit hat. Das heißt, der Jan (www.capeet.com) macht schon immer noch Konzerte und der Andi von Fettkakao (www.fettkakao.com) und Ilias von Seeyou (www.seayourecords.com), Vortex Rex, machen auch noch immer was, aber die meisten anderen haben sich halt ein wenig zurückgezogen.

In der einstigen Intensität geht es halt nicht mehr. Heutzutage machen das andere Leute. Dimitrij zum Beispiel, die eh auch bei der Ausstellung aufgetreten sind, die führen das genau so weiter. Aber Wehmut ist natürlich schon dabei, ich bin zwei Wochen vor der Ausstellung 30 geworden. Also, 30 ist jetzt noch kein Alter, aber man denkt sich schon, dass das jetzt in gewisser Weise ein neuer Lebensabschnitt ist. Ich habe fertig studiert, habe seit fünf Jahren denselben Job.da erinnert man sich schon gerne zurück, an das, was man früher gemacht hat. Neben meinem Job, würde sich das heute ganz einfach nicht mehr ausgehen, Konzerte zu veranstalten, die Bands bei mir schlafen lassen, am nächsten Tag dann wieder putzen und kochen, das ist zeitmäßig ganz einfach nicht mehr drin.

D.I.Y. heute. Was hat sich deiner Ansicht nach im Vergleich zu vor zehn Jahren verändert? Hat sich überhaupt etwas verändert?

Die Szene funktioniert nach wie vor. Seeyou Records oder Fettkakao Records zum Beispiel, die funktionieren noch genauso, wie früher, nur dass sie heute eben andere Musik raus bringen und die vielleicht verstärkt auf CDs und nicht mehr auf Platten. Aber prinzipiell, obwohl es eine andere Szene ist, funktionieren diese Indie/Rock/Elektronik-Szenen ähnlich, weil D.I.Y. ja nicht automatisch auf Hardcore beschränkt ist. Wir haben das alles mit Punk/Hardcore erlebt, aber die Elektronik-Künstler müssen ihre Sachen zum Auflegen ja auch irgendwie wegbekommen, die haben genauso wenig einen Major-Vertrieb, wie die Punk/Hardcore-Leute. Es ist vielleicht heute nicht mehr so eine einheitliche Szene mit 60 oder 70 Leuten, die alle aktiv sind, weil junge Leute heute schon mehr zu Konsumenten geworden und nicht mehr ganz so aktiv sind. Vielleicht ein Unterschied zu früher, damals waren alle von so 18 bis 22 aktiv und jetzt ist es schon so, dass du auf eine Hardcore- oder Metalcore-Show gehst, dir Converge oder was auch immer anschaust, wieder nach Hause gehst und die CDs dazu im Saturn kaufst.

So was hat im Gegensatz zu früher jetzt schon einen kommerziellen Erfolg. Ich habe die Get Up Kids damals, 1997, noch im EKH gesehen, das wäre heute nicht mehr möglich und vorstellbar, auch weil die heute viel zu groß sind und auch Geld mit ihrer Musik verdienen können. Diese ganze Szene ist halt einfach erwachsen und auch erfolgreich geworden.

Die ganzen Metalcore-Shows sind heute genauso groß, wie Metal-Shows. Da gibt es nicht mehr so viele Kids, die alles selbst machen. Die gehen heute dort hin, konsumieren das und dann gehen sie wieder nach Hause. Früher hat bei dieser Punk/Hardcore/Metelcore-Geschichte das Umfeld viel mehr eine Rolle gespielt. In der Hinsicht ist schon alles viel konsumorientierter geworden. Das heißt aber nicht, dass heute niemand wer was macht.

Damals bist du halt rum gelaufen und hast Schreibereien verteilt, heute machst du vielleicht deinen Myspace Blog. Durch die technischen Möglichkeiten haben sich auch einfach die Möglichkeiten, aktiv mitzumachen, verändert. Früher, als die Konzerte gebucht wurden, gab es kein Internet. Da musste man die Bands per Brief anschreiben, oder übers Festnetz antelefonieren. Wenn die Band früher um acht Uhr noch nicht bei der Location war, bist du als Veranstalter schon nervös im Kreis gelaufen, weil du nicht wusstest, was los ist. Heute schicken sie dir halt ein Sms und teilen dir mit, dass sie an der Grenze aufgehalten wurden und es aber noch rechtzeitig schaffen.

Auf jeden Fall ist es heute einfacher geworden, zu Bands oder Agenturen Kontakt aufzubauen, aufgrund des kommerziellen Erfolgs dann aber gleichzeitig auch wieder schwieriger. Damals gab es keine Verträge. Ich weiß noch, das erste Konzert, das der Jan und ich gemeinsam gemacht haben, da sind die zu neunt aus Schweden gekommen und haben gemeint, sie würden ungefähr 150 Mark brauchen. 150 Mark für neun Leute! Wir konnten denen dann 2300 Schilling geben und die waren superglücklich damit. Wenn keine Leute zum Konzert gekommen wären und wir hätten ihnen nur 700 Schilling geben können, wären sie auch zufrieden gewesen.

So was geht heute überhaupt nicht mehr. Wenn das über eine Booking-Agentur läuft, müssen deren Kosten ja auch irgendwie gedeckt werden. Und auch viele Veranstalter von früher machen den Job jetzt hauptberuflich und da muss man ja dann auch schauen, dass man irgendwie über die Runden kommt, dh. Bands zu holen, die auch viele Leute anziehen. Das sind aber die großen Bands, die mehr verlangen, schon alleine aufgrund der vielen Beteiligten.usw. Für kleine Bands also insgesamt keine gute Situation.

Es gibt zwar heute wahrscheinlich mehr Bands die touren als früher, aber gleichzeitig ist es schwieriger geworden. Schon alleine aufgrund der Club-Situation. Es hat schon immer das Problem gegeben, dass immer wieder Clubs zugesperrt haben. Der TU-Club ist zwei Jahre leer gestanden, im Tüwi ist es schwierig, was zu machen, das Movimento gibt es leider nicht mehr und beim Shelter sieht es auch so aus, als ob es zusperren würde, also es ist extrem schwierig, derzeit in Wien was zu machen.

 

 

Aber auch wenn ausreichend Locations zur Verfügung stehen würden, müssten noch immer die Leute, die dort arbeiten, bezahlt werden, sofern das niemand freiwillig macht und jemand für ein ständiges Programm sorgen, usw., das schraubt wiederum die Kosten extrem nach oben.

Von der Idee her finde ich das Fluc sehr super, weil dort die Konzerte gratis sind. Da kann man hingehen, Leute treffen und es fühlt sich keiner ausgeschlossen, weil er sich jetzt beispielsweise die 6 Euro für den Eintritt nicht leisten kann. Daher hat das Fluc durchaus das Potential ein zentraler Treffpunkt für Gleichgesinnte werden zu können.

Bei mir ist es allerdings einfach so, dass, wenn man älter wird, man auch nicht mehr so viel Zeit hat, irgendwo hinzugehen und dann verläuft sich das alles etwas. Eine große Szenerie, wo man sich sagt, da geht man jetzt hin und trifft immer viele Leute, würde mir jetzt keine einzige einfallen.

Kann man sagen, dass auch die heutige mediale Übersättigung ihren Teil dazu beiträgt, dass einfach die Bereitschaft und das Interesse, sich aktiv an irgendeiner Szene zu beteiligen, abgenommen haben? Zukunftsprognosen?

Also, ich sehe international immer wieder irgendwelche Beispiele, wo sich super funktionierende Szenen, auch heute noch, entwickeln. Diese Omaha/Nebraska-Szene, rund um das Saddle Creek Label zum Beispiel. Da waren halt auch ein paar Leute aktiv und das hat sich dann immer weiter gesponnen. Es braucht glaube ich auch einen gewissen Grundstock an Leuten, die so was tragen, auf denen eine Szene-Entwicklung aufbauen kann.

In Göteborg in Schweden das Gleiche. Da geht alles musikalisch total auseinander, aber es gibt einen Kreativpool, einen Grundstock an Musikern, die andere Leute, auch Nicht-Musiker, anziehen und zum Mitmachen bewegen können. Aber auch in Wien z.B. das Seeyou Label. Wenn man sich Bands anschaut, die aus dem Seeyou- Umfeld kommen, Vortex Rex, Paper Bird, dann hat das das Potential, was Größeres zu werden. Das ist einfach ein Grundstock von Leuten, die alle Freunde haben, die alle wieder irgendwie Aktiv sind und in diesem Kreativpool schaukelt sich derzeit alles gegenseitig hoch. Ich glaube, so etwas kann in jeder Szene jederzeit und immer wieder passieren.

Deshalb würde ich die derzeitige Situation auch gar nicht so negativ sehen. Da ist vielleicht einmal eine Trocken- oder Dürrephase, aber es genügen schon vielleicht 20 oder 30 Leute, um alles wieder ins Rollen zu bringen. Da mache ich mir gar keine Sorgen.

Hinsichtlich der Fanzine-Kultur, als Printmagazin, fallen Zukunfts-Prognosen dann aber doch eher negativ aus, oder?

Ja, das befürchte ich auch. Es ist ganz einfach ein Unterschied, ob man etwas zu Papier bringt oder im Internet schreibt. Im Internet wird die ganze Sache etwas schludriger, schon alleine, weil die Verantwortung geringer ist, als wenn man ein Print-Magazin macht. Außerdem ist das Print-Magazin einfach viel aufwändiger in der Herstellung als jetzt irgendein Internet-Blog, das ist dann auch viel gemeinschaftsfördernder, weil schon alleine mehr Leute notwendig sind, das zu machen.

Dann ist natürlich auch die Verbindung zu den Lesern beim Print-Magazin viel stärker, weil man ja auch ungefähr weiß, wer die Leute sind, die das lesen. Beim Internet-Blog ist das alles viel unpersönlicher bzw. weiß ich gar nicht, ob das irgendjemand liest und dann stelle ich mir auch die Frage, ob das überhaupt für mich Sinn macht, dafür Zeit zu investieren.

Noch mal zurück zur Ausstellung. Bist du mit dem Publikumsinteresse zufrieden und wie hat sich das Publikum zusammengesetzt? Waren da hauptsächlich Leute, die sich früher in der Szene bewegt haben?

Ich war vor allem sehr positiv überrascht, dass das Presse-Echo zu der Ausstellung so gut war. Wir hatten eine halbe Seite im Falter, in der Presse eine viertel Seite, FM4 ist auch total auf die Sache angesprungen, die haben einen Radio-Beitrag gemacht und dann noch ein Interview mit dem Daniel (Eberharter), der die Ausstellung mitorganisiert hat. FM5 hat auch eine wirklich lange Geschichte über uns gebracht, usw.

Insgesamt sind wir wirklich sehr zufrieden, weil wir auch überhaupt nicht einschätzen konnten, wie viele Leute kommen und es war dann am Donnerstag gesteckt voll, Freitag auch sehr voll, Samstag ebenfalls gut gefüllt und Sonntag zu Kaffee, Kuchen und zur Lesung sind dann auch noch einmal ungefähr 40 Leute gekommen. Manche Leute waren auch alle drei Tage dort. Es war wirklich eine gute Mischung und ich habe auch Leute von früher aus der Szene wieder getroffen, die ich jetzt auch schon fünf oder sechs Jahre nicht gesehen habe. Also, ein nostalgisches Gefühl ist dann schon auch aufgekommen.

Können wir uns, auch aufgrund der positiven Resonanz von allen Seiten, auf eine Neuauflage in der einen oder anderen Form freuen?

Ich weiß nicht. Der Daniel hat erzählt, dass auf sein Interview bei FM4 hin nachgefragt wurde, ob wir das nicht auch in Klagenfurt machen wollen, also die Ausstellung dort hin transportieren. Ich weiß nicht, ob das möglich ist, aber wir werden wahrscheinlich eine Website machen und dort auch was präsentieren. Wenn wir das jetzt schon alles gesammelt haben, können wir auch gleich ein paar Platten katalogisieren, die damals raus gekommen sind, so wie die Datenbank beim mica, nur eben in einem kleineren Rahmen für die ganzen Hardcore-Geschichten. Und auch ein paar Konzertfotos online stellen oder auch neue Sachen dokumentieren.

Dann hat die Ausstellung noch uns, die Organisatoren, wieder einander näher gebracht. Wir haben uns zwar auch immer mal wieder gesehen, aber durch die intensive Zusammenarbeit haben wir dann wieder gemerkt, wie gute Freunde wir sind und eigentlich ziemlich viel voneinander wissen. Und wir haben schon vor, dass wir uns jetzt wieder öfter treffen werden, nicht nur, um alte Geschichten aufzuwärmen, sondern auch, um neue Sachen anzugehen.

Und es war wirklich toll, mal die letzten zehn Jahre zurückzuschauen und zu sehen, was man schon alles selbst gemacht und erreicht hat. Andere Leute würden das vielleicht lächerlich finden, aber für mich war das sehr wichtig, in einer Band zu spielen und auch zwei Mal nach Deutschland auf Tour gehen zu können. Dabei dann noch viele Leute kennen zu lernen und eine andere Sichtweise aufs Leben zu bekommen. Da hängt man ziemlich oft mit autonomen Leuten ab und unterhält sich mit denen und für mich als typisches Mittelklasse-Kind war das damals eine wichtige Horizont erweiternde Erfahrung.

Was abschließend noch zu sagen wäre ist, dass diese ganze Ausstellung ein rein subjektives Ding war. Das war wirklich rein aus unserer Sichtweise, wie wir alles erlebt haben und auch nicht irgendein Ego-Ding von einer einzelnen Person. Wie wir auch immer wieder erwähnt haben, hatten wir nie den Anspruch, dass die Ausstellung irgendwie vollständig oder repräsentativ ist, so was wäre auch gar nicht möglich gewesen.

Organisatoren von “Da könnte ja jeder kommen – 10 Jahre D.I.Y. in Wien”:

Ilias Dahimene
Andi Dvorak
Daniel Eberharter
Melanie Friedl
Jan Gallhuber
Werner Schröttner

Michael Masen

 

 

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