“Wir lieben den Sound, den wir spielen” – JULIAN NACHBAUER (SECOND RELATION) im mica-Interview

Dem Prog-Rock zu neuer Blüte zu verhelfen, genau das ist der Plan der jungen fünfköpfigen Vorarlberger Band SECOND RELATION. Und sie verwirklicht ihr Vorhaben – wie man es auf „Eno“, dem soeben erschienenen dritten Album, sehr schön hören kann – auf eine wirklich beeindruckend starke Art und Weise. Der Gitarrist der Band, JULIAN NACHBAUER, sprach mit Michael Ternai über die Suche nach einem eigenständigen Sound, die musikalische Entwicklung und die Hoffnung, bald mehr Konzerte spielen zu können.

Ihr neues Album ist als ein Konzeptalbum gedacht. Welche Geschichte steckt hinter dem Protagonisten Eno? Wer ist Eno?

Julian Nachbauer: Eno ist tatsächlich eine reale Person, die wir alle kennen. Wir haben zwar nicht direkt über sie geschrieben, aber sie war dennoch Inspiration für diese CD. Die Protagonistin ist eine Architektin und lebt in einer Stadt, bis sie merkt, dass in ihrem Leben irgendetwas nicht stimmt, dass sie eigentlich nicht zufrieden ist. Sie beginnt, mehr und mehr in eine Art Parallelwelt abzugleiten, in der sich Realität und Fantasie vermischen. So in etwa entwickelt sich die Geschichte. Ja, und diesen Prozess haben wir versucht, musikalisch darzustellen.

Musikalisch geht es auf „Eno“ in eine Prog-Rock-Richtung, die mich an Bands wie Opeth, Porcupine Tree und King Crimson erinnert. Dienten Ihnen diese Bands als Inspirationsquelle?

Julian Nachbauer: Uns gibt es mittlerweile seit zehn Jahren. Wir haben mit ungefähr fünfzehn begonnen, gemeinsam Musik zu machen. Und ja, damals waren wir große Fans von Opeth, Porcupine Tree, Pink Floyd und King Crimson. Und es stimmt, diese Vorliebe hört man, glaube ich, auf „Lynette“, unserem ersten Album, noch sehr stark durch. Besonders mit Opeth wurden wir oft verglichen. Auf „Abiona“, unserem zweiten Album, versuchten wir dann, einen Schritt weiter zu gehen und eine eigene Sprache zu entwickeln. Was uns zum Teil auch gelang, nur waren wir musikalisch immer noch sehr stark im Metal verhaftet. Unser neues Album ist diesbezüglich aber schon deutlich anders ausgefallen. Zum einen wollten wir einfach einmal etwas anderes ausprobieren und zum anderen haben wir im Laufe der Zeit immer wieder neue Inspirationsquellen entdeckt, die wiederum neue Facetten in die ganze Geschichte hineingebracht haben.

„Es passiert in unseren Songs immer noch sehr viel, nur glaube ich, dass wir mit unserer musikalischen Vielfalt diesmal niemanden überfordern.“

Das Schöne an „Eno“ ist, dass die Songs trotz aller Vielfalt und Komplexität sehr rund und zugänglich klingen. Wie bekommt man diese Gegensätze unter einen Hut?

Julian Nachbauer: Am Komplexen, am Herumtüfteln an schwierigeren Sachen, am unkonventionellen Songwriting hatten wir immer schon großen Spaß. Aber es war schon so, dass wir auf „Eno“ auf kürzere Songs und einfachere Arrangements zurückkommen wollten. Als Prog-Band kann es schon schnell auch einmal passieren, dass man zu sehr ausufert und die Kompaktheit verliert. Dadurch wird die Sache für die Leute oftmals unzugänglich. Und das wollten wir vermeiden. Es passiert in unseren Songs immer noch sehr viel, nur glaube ich, dass wir mit unserer musikalischen Vielfalt diesmal niemanden überfordern.
Ein weiterer Grund, warum es dieses Mal vielleicht etwas „runder“ klingt, dürfte auch sein, dass die Songs für das neue Album komplett ohne Proben entstanden sind. An den ersten beiden Alben hatten wir ja noch ganz klassisch im Proberaum gearbeitet. Wir haben die neuen Nummern vorwiegend am Computer mit Audioprogrammen komponiert, wodurch die Arrangements im Ergebnis viel ausgefeilter geworden sind. Wir hatten einfach mehr Zeit, in die Tiefe zu gehen und am Sound so lange herumzufeilen, bis wir mit ihm zufrieden waren.

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Wie Sie vorher erwähnt haben, war auf dem Vorgängeralbum der Metal-Anteil noch höher. Auf „Eno“ ist er sehr stark zurückgeschraubt, sodass nun auch andere Einflüsse hörbar werden. Eine bewusste Entwicklung?

Julian Nachbauer: Ich glaube, unsere Entwicklung maßgeblich beeinflusst hat der Umstand, dass für uns alle kurz nach der Veröffentlichung von „Abiona“ die Studienzeit begonnen hat. Unter anderem haben unser Sänger Bastian [Berchtold; Anm.] und unser Keyboarder Daniel [Fleps; Anm.] ein Musikstudium angefangen, was einen großen Einfluss auf unseren aktuellen Sound hatte. Sie brachten Ideen ein, die früher nicht in dieser Form Platz gefunden hätten. Es war spannend zu beobachten, was plötzlich möglich war und in welche Richtungen es gehen konnte.

Wie lange haben Sie eigentlich am Album gearbeitet?

Julian Nachbauer: Für das Album haben wir jetzt gute drei Jahre gebraucht, wobei allein der Aufnahmeprozess im Studio fast ein Jahr in Anspruch genommen hat.

„Unsere Musik entsteht, glaube ich, sehr natürlich.“

Kann man aus dieser Dauer schließen, dass die Band doch einen gewissen Hang zum Perfektionismus hat?

Bild Second Relation
Bild (c) Second Relation

Julian Nachbauer: Also, ich fühle mich jetzt nicht so, als wäre ich vom Perfektionismus getrieben. Unsere Musik entsteht, glaube ich, sehr natürlich. Wir lieben den Sound, den wir spielen. Es ist die Musik, deren Fans wir sind, und daher wollen sie auch so gut hinbekommen wie möglich. Aber da spreche ich jetzt nur für mich. Ich weiß nicht, wie es bei den anderen ist.

Sie sind nun auch bei einem deutschen Label untergekommen.

Julian Nachbauer: Ja, wir sind etwa eineinhalb Jahre nach unserem zweiten Album mit den Label Long Branch Records/SPV“ aus Hannover ins Gespräch gekommen. Und natürlich es freut uns sehr, dass es mit einer Zusammenarbeit letztlich auch geklappt hat.

In den letzten Jahren scheint Prog-Rock oder das, was im weitesten Sinne mit diesem Stil assoziiert wird, wieder beliebter geworden zu sein. Lange Zeit fand er ja unter jeder öffentlichen Wahrnehmungsgrenze statt. Auch hierzulande. Man denke nur an den Erfolg einer Band wie Mother‘s Cake. Spüren Sie etwas von diesem kleinen Hype, der da entstanden ist?

Julian Nachbauer: Als Fan dieser Musikrichtung bekomme ich schon mit, dass viel passiert und in den letzten Jahren sehr viele neue Bands auf der Bildfläche erschienen sind. Und ich finde das wirklich super. Als Band selbst haben wir diese Welle noch nicht so richtig gespürt. Aber ich denke, mit unserem neuen Album könnte sich daran schon etwas ändern.

Woran, denken Sie, hat es gelegen, dass sie bislang noch nicht wirklich wahrgenommen worden sind?

Julian Nachbauer: Ich glaube, das hat viel damit zu tun, dass wir damals noch bei keinem Label waren. Wir haben unsere ersten beiden Alben in Eigenregie veröffentlicht. Bei einem Label sind wir, wie vorher schon einmal erwähnt, erst seit Kurzem. Aber es scheint nun doch etwas in Bewegung geraten sein. Wir spüren, dass uns jetzt doch mehr Interesse entgegengebracht wird. Unser Ziel für die nächsten Monate ist, mit unserem neuen Album live so präsent wie möglich zu sein. Wir wollen viele Konzerte spielen und wenn möglich auch eine Tour aufstellen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Michael Ternai

Links:
Second Relation (Facebook)
LONG BRANCH RECORDS