
Der Versuch, „Puzzle Works“ in irgendeine stilistische Schublade zu zwängen, ist eigentlich schon im Vorhinein zum Scheitern verurteilt. Waren Martin Philadelphys bisherigen Veröffentlichungen schon allen Kategorisierungsfragen enthoben, so ist es beim neuen Werk erst recht der Fall. Seine Musik ist genauso Jazz, Klangkunst, Rock und Blues, wie sie es eben auch nicht ist. Denn wieder einmal schlüpft der Gitarrist in die Rolle eines musikalischen Akrobaten, der mit all den verschiedenen Elementen auf unvergleichliche Art und Weise zu jonglieren weiß. Seine Virtuosität ist eine zurückhaltende, ja fast versteckte. Anstatt sich in großen, ausufernden und selbstverliebten Gesten zu üben, setzt der Tiroler auf die Kraft seiner von langen Spannungsbögen getragenen Klangmalerein, welche irgendwo zwischen atmosphärischen und sehr stimmungsgeladenen Passagen und locker verspielten Momenten angesiedelt sind.
Martin Philadelphy – Just a Question by mica
Auf eine Begleitband verzichtet der experimentierfreudige Freigeist dieses Mal vollkommen. Er überlässt alleine seiner Gitarre die Hauptrolle. Diese erklingt einmal akustisch, an anderer Stelle verzerrt, mal werden die Saiten nur sanft angezupft, mal reißt der Tiroler diese so richtig durch. Die Kunst, welche Martin Philadelphy wie kaum ein anderer beherrscht, ist, alles immer lebendig erscheinen zu lassen, die Musik im Fluss zu halten. Sich niemals im allzu Abstrakten verlierend, holt er die Hörer immer wieder mit wunderschönen und gefühlvollen kurzen Andeutungen von Melodien gekonnt zurück ins Geschehen. Es ist fast unmöglich, nicht von den Stücken gepackt zu werden.
Martin Philadelphy zelebriert auf „Puzzle Works“ die meditative Macht der Monotonie, die vermutlich nur selten zuvor so abwechslungsreich und faszinierend geklungen hat. Ein Muss für Liebhaber unkonventioneller, avantgardistischer und experimenteller Klangwelten. (mt)
http://www.philadelphy.at/