Marco Döttlinger erhält Jahresstipendium Musik des Landes Salzburg

“Der junge Komponist Marco Döttlinger zeichnet sich durch eine eigenwillige Haltung aus: Es ist ihm gelungen, auf der Basis der bisher erschlossenen Klangmöglichkeiten, im Bereich der Instrumentalmusik einen selbständigen Weg zu finden, der sich von den bis-herigen Versuchen – wie sie z.B. durch die Arbeiten Helmut Lachenmanns vorliegen – un-terscheidet und der gleichzeitig in keinem Moment einer Mode unterworfen ist […]”, begründete die Jury ihre Entscheidung. Die Verleihung findet am 11. Dezember 2014 statt.

Kurze Töne, die in immer kürzeren Abständen aufeinanderfolgen, verschleiern zunächst, welche Instrumente zu hören sind; selbst ob ein oder mehrere Instrumente im Einsatz sind, kann beim alleinigen Hören nur erahnt werden. Auch der später zu Violine und Akkordeon hinzutretende Alto lässt Fragen über die Entstehung des Klanges von „sans nuages“ offen, wenn Marco Döttlinger diverse Klangerzeuger zu einem einzigen verschmelzen lässt. Noch mehr greifen die Instrumente in „Jeux“ ineinander, indem die Frequenzen des Streichens auf dem Becken aus dem Rauschen der Blockflöte herausgefiltert werden – und so ein neues Instrument entsteht, das nur aus der Verbindung der beiden vorhandenen möglich wird.

Ob aber nun tatsächlich Elektronik im Spiel ist oder nicht, als Aufgabe stellt sich Döttlinger in jedem Fall, einen klanglichen Organismus zu schaffen, in dem man sich asemantisch bewegen kann. Die Hinwendung auf die klangliche Ebene, deren Entstehung vielleicht gar nicht erkennbar ist, fordert die Hörenden dazu auf, selbst Zusammenhänge herzustellen. Noch weiter gibt Döttlinger die Kanalisierung des Hörens bei Installationen an das Publikum ab, in denen sie sich selbst hindurchbewegen und das Werk so bis zu einem gewissen Grad mitgestalten. Von der Autorität, den Hörenden vorzuschreiben, welche Bedeutung sie in die Kompositionen hineinlegen sollen, wendet er sich ab und regt dazu an, den Hörenden die Selbstbestimmtheit ihrer eigenen Interpretationen zu überlassen.

Das schließt gleichzeitig aber nicht aus, dass die Werke genauestens konzipiert und ausgestaltet sind. So etwa bleibt die zeitliche Ebene in jedem der vier Teile von „intérieur“ für Violoncello solo gleich, wohingegen die Tonhöhen und Materialleitern jeweils variieren. Kompositorische Konzepte sind also für die Entstehung neben klanglichen Ausgangspunkten, um einen Prozess in Gang zu setzen, durchaus relevant – für das akustische Erlebnis zählt jedoch alleine die individuelle Erfahrung.

Marco Döttlinger war in diesem Jahr zufällig Teil der 20-Jahre-mica Feierlichkeiten: er war der 1.000ste Komponist der in die music austria Musikdatenbank eingetragen wurde.

 

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