
So richtig mag man es ja nicht glauben, dass es sich bei „All That Glows“ tatsächlich um eine Erstveröffentlichung handelt. Zu routiniert, zu gut produziert, zu überzeugend, dem Gesamteindruck nach einfach zu reif (das ausschließlich im positiven Sinne) hört sich das alles an. Und doch hat man es hier wirklich mit dem ersten musikalischen Lebenszeichen eines offensichtlich überaus talentierten jungen Liederschreibers mit einem hörbaren Hang zur Eigenständigkeit zu tun. Stefan Sieder weiß, wie man es anstellt, fesselnde Nummern entstehen zu lassen. Und das ohne sich auch nur in einem Moment an den üblichen Schema-F-Formaten entlang zu hanteln oder sich im Zitieren des bereits tausend Mal Gehörten zu verlieren.
Auf irgendwelche Schnellschüsse oder erzwungene Hits wartet man erfreulicherweise vergeblich. Der Wiener lässt seinen Songs genau die Zeit, welche sie benötigen, um sich voll entfalten zu können. Stilistisch sich nicht alleine auf die Poprichtung reduzierend, formt sich Stefan Sieder unterstützt von Martin Konvicka (Gitarre), Tobias Wurscher (Schlagzeug), Konstantin Jagsch (Bass), Marie Treipl Violine) und Iris Feuchter (Violine) seinen eigenen Sound, in dem auch dezente kammermusikalische Elemente und leicht verspielte Jazzanleihen Eingang finden. Die insgesamt neun von zarter Melancholie getragenen und sehr abwechslungsreichen Nummern besitzen durch die Bank Charme und haben auch diese gewisse undefinierbare zurückhaltende Eleganz an sich, welche dem Dargebotenen seinen eigenen Charakter verleiht.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Stefan Sieder mit „All That Glows“ ein wirklich beeindruckendes Stück Musik gelungen ist, eines das zeigt, wie kunstvoll man im Indie-Pop eigentlich immer noch agieren kann. Auf jeden Fall sollte man dieses Album unbedingt einer intensiven Hörprobe unterziehen. Bleibt zu hoffen, dass man von den Contrails auch in der Zukunft noch so einiges zu hören bekommen wird. (mt)
Foto © Zuzana Sieder