Madame Humtata – Fat Black Spider

Das Spannende und Schöne an der Musik ist ja, dass man immer wieder auf ganz wundervolle Weise überrascht werden kann. Für einen solchen positiven Aha-Effekt sorgte Ende des vergangenen Jahres Christine Hinterkörner alias Madame Humtata mit ihrem Debütalbum „Fat Black Spider“ (Monkey Music). Wie aus dem nichts auf der Bildfläche der heimischen Musikszene erschienenen, lieferte die vielschichtige Künstlerin ein wunderbares Stück Musik ab, dass durchaus Potential zu mehr hat. Höchst eigenständiger, vielschichtiger, in die Tiefe gehender und auf höchstem künstlerischem Niveau angesiedelter Avantgarde-Pop.

Beim Durchhören der Songs des Debütalbums wird man niemals wirklich das Gefühl los, dass die 1974 geborene Christina Hinterkörner, zumindest in der Rolle Madame Humtata, etwas Geheimnisvolles umgibt. Der Musik ist etwas nicht Fassbares, etwas Undefinierbares inne, was es auch schwer macht, sie irgendeiner Kategorie zuzuschreiben. Die Art und Weise wie Madame Humtata den Begriff von Popmusik für sich zu interpretieren weiß, ihn dehnt und wendet, zerstückelt und wieder zusammensetzt, lässt einfach nur staunen.

Die insgesamt zehn Stücke der an der Anton Bruckner Universität Linz in Jazz- und Popgesang ausgebildeten Künstlerin, stammen ausschließlich aus eigener Feder. Musikalisch gemeinsam mit dem Produzenten und Multiinstrumentalisten Michael Hornek umgesetzt, entstehen Songs zwischen Pop, Jazz, Chanson und Avantgarde, die allesamt als kleine Kunstwerke für sich selbst stehen. Wiederholungen gibt es keine. Jeder der einzelnen Tracks steht alleine als kleines musik theatrales Kunstwerk für sich.

Madame Humtata – Fat Black Spider by mica

Das im ¾ Takt gehaltene und dem Album seinen Namen gebende „Fat Black Spider“ etwa, erhält trotz einer bestimmten rhythmischen Beschwingtheit, durch Christina Hinterkörners zwischen Engel- und Sirenenhaftigkeit pendelnden Gesang und den Einsatz schräg anmutender Soundspielereien einen Touch seltsam schräger Schönheit. Wunderbar verspielt erklingt das leichtfüßige „More Champagne“. Die vielleicht größte Nähe zum (Elektro-)Pop stellt der Song „Grualuv“ her. Richtig schwer, düster und bedrohlich wird es in „Addicted“.

„Fat Black Spider“ ist vielleicht kein Album, dass sich bereits vom ersten Moment an erschließt. Dafür wandelt Madame Humtata,  die erst Anfang des Jahres  vom Land Oberösterreich mit dem mit 7.000 Euro dotierten Anton Bruckner Kompositions-Stipendium ausgezeichnet worden ist, musikalisch einfach zu sehr neben den herkömmlichen Konventionen der Popmusik. Gibt man den Songs aber Zeit zum Entfalten, eröffnet sich dem/der HörerIn ein ungemein spannendes und berührendes Klangerlebnis. Eines, dass man in dieser Form nur selten zu hören bekommt. (mt)

 

Madame Humtata