
Sutors Motto, Persönlichkeit durch die Musik auszudrücken ohne Rücksicht auf Kommerz zu nehmen, geht mit einer eklektizistischen Genrezugehörigkeit zusammen. Dabei verlässt er die Fittiche der Schwarzen Szene nur teilweise. Von der instrumentellen Seite gesehen ist Lost in Desire eine „typische“ moderne Synth-Rock Band, bei der der Bass im Mittelpunkt steht. Ebenso dominant sind das Schlagzeug, das Keyboard und natürlich die E-Gitarre. Im Bereich der Lyrics wird der Abstand zu den 1980er Genre-Idolen wie Soft Cell oder Gary Numan größer. Denn während Marc Almond von den faden Seiten des Rotlichtmilieus trällert, und Gary Numan seine Roboterwelt regiert, singt Sutor von scheinbar ernsteren Themen wie Liebe und Verlust. Dabei wirken manche Texte wie Gedichte, die mit genretypischen Phrasen gespickt sind. Man möchte fast Gothic-Band zu Lost in Desire sagen, wäre da nicht die Musik, die nicht viel mit Gothic-Rock à la Evanescence oder Oomph! zu tun hat.
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Schon der Opener „Skin“ ist eher ein Alternative-Rocksong mit dominantem Bass. Sutors Stimme erinnert an die des Placebo Leadsängers Brian Molko, nur dass seine noch ein bisschen jugendlicher und aufmüpfiger klingt. Dies wiederum lässt erst gar nicht zu, dass man sich einen Grafen im langen wallenden Umhang vorstellt. Maskieren will sich Lost in Desire aber weder in physischer noch musikalischer Form. Deswegen sind die Songstrukturen und Instrumentalisierung eher simpel als zu verschachtelt. Besonders ab „Hero“, dem fünften Lied, gehen die Songs fast nahtlos ineinander über, so dass man sich nach dem ersten Hören nicht wirklich an die einzelnen erinnern kann. Jedoch ist diese Kontinuität kein Nachteil was die Stimmung des Albums anbelangt. Diese wird durchwegs mit einer Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung düster gehalten.

Obwohl auch andere Songs, an der Kippe zum Mitsingen stehen, fehlt manchmal ein kleiner Twist, der noch mehr aus den Melodien oder dem Rhythmus rausholt. Ansonsten ist „Skin“ nicht nur von Produktionsseite ein solides Rockalbum. Positiv ist, dass Lost in Desire mit ihrem Album nicht in einer bestimmten Nische bleibt, sondern auch das Potenzial hat, mehrere Zielgruppen zu erreichen.
Foto: Christian Promintzer
Anne-Marie Darok