
Schubladendenken ist dem in Linz geborenen Trompeter vollkommen fremd. Seit Jahren schon entzieht sich Lorenz Raab höchst erfolgreich jeglichen Kategorisierungsversuchen. Dafür ist seine Musik einfach zu vielfältig und zu facettenreich. Der zweifache Hans Koller Preisträger begreift den Jazz nicht als geschlossenes System, sondern als ein zu allen Richtungen hin offenes Feld, welches es zu bearbeiten gilt.
Ohne Scheuklappen und mit einer ausgeprägten Offenheit versucht der Musiker Anknüpfungspunkte zu anderen Stilen herauszuarbeiten, Dinge miteinander in Verbindung zu setzen, die auf den ersten Blick nicht kompatibel erscheinen. Es geht Raab primär darum, sich des engen Korsetts des Festgeschriebenen zu entledigen, sich neue Freiräume zu schaffen, um sich neue Möglichkeiten zu eröffnen. Darüber hinaus lotet Lorenz Raab alle möglichen Ausdrucksformen seines Instrumentes bis aufs Letzte aus und versucht damit dessen klangliches Spektrum immer wieder zu erweitern.
Genau diesen Ansatz verfolgt der Trompeter gemeinsam mit seinen Mitmusikern Ali Angerer Tuba (Dulzimer) und Rainer Deixler (Perkussion). BLEU ist der Versuch, das Genre des Jazz auf die nächsthöhere Ebene zu heben, wobei die Zauberworte vor allem Vielfalt und Kreativität heißen. Irgendwo im Spannungsfeld zwischen Jazz, Elektronik, World, Pop, Volksmusik, Neuer Musik und Avantgarde agierend, extrahiert Raab in bester Crossover-Manier aus jedem einzelnen Bereich die besten Momente, um diese in einer vollkommen neuen Klangsprache zusammenzuführen.
Beeindruckend ist vor allem die Leichtigkeit, mit der Lorenz Raab diesen Spagat vollzieht. Trotz der Komplexität seiner Kompositionen bleiben diese für den/die HörerIn stets nachvollziehbar. Was zum Teil auch auf die alles zusammenhaltenden treibenden Rhythmen zurückzuführen ist. Der Oberösterreicher stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass Groove und die Vertracktheit des Jazz keinesfalls nur Gegenpole darstellen müssen, sondern durchaus auch im gleichen Kontext funktionieren können.
Hochkarätige Unterstützung erhält das Lorenz Raabs Trio an diesem Konzertabend von dem österreichischen Saxophonisten Max Nagl und den beiden Strottern Klemens Lendl und David Müller. (mt)
BLEU