Lichtenberg vertont Walther Ruttmann Berlin: Die Symphonie der Großstadt

Am 26. Juni erfährt der Filmklassiker “Berlin: Die Symphonie der Großstadt” in der Kunsthalle Karlsplatz eine höchst interessante Neuinterpretation durch den Avantgarde-Veteran Franz Reisecker alias Lichtenberg. Der Wiener Elektroniker schickt sich an, den experimentellen Dokumentarfilm von Walther Ruttmann aus dem Jahr 1927 akustisch in ein ganz neues Gewand zu hüllen, um es in einem neuen zeitgemäßen Licht erstrahlen zu lassen.

Hinter dem Namen Lichtberg verbirgt der in der heimischen Musikszene gar nicht mehr so unbekannte und zugleich sehr umtriebige Franz Reisecker. Als vielseitiger Gitarrist war er bereits bei Bands wie den Occidental Blue Harmony Lovers, dem Orchester 33 1/3 oder dem Trio Exklusiv tätig. Das Projekt Lichtenberg bot dem Musiker schließlich die Möglichkeit, sich ganz und gar seiner Vorliebe für elektronische Klänge zu widmen. Mit einem deutlichen Hang zum Experiment gelang es dem musikalischen Freigeist seinen ureigenen Sound stetig weiter zu entwickeln.

 

Franz Reisecker ist zudem ein Meister darin, sich ständig neu zu erfinden und seine Fühler nach neuen Herausforderungen auszustrecken. Dabei hilft ihm mit Sicherheit seine ausgeprägte Offenheit gegenüber unterschiedlichsten Genres und Kunstformen. Ob die Einflüsse nun aus dem Rock, des Pop oder der Elektronik stammen, der Wahlwiener schafft es fast spielend alles unter einen Hut zu bringen, ohne dabei auch nur einen Moment gekünstelt zu wirken. So darf man auch durchaus gespannt sein, wie Reisecker die Vertonung des Dokumentarfilm “Berlin: Die Symphonie der Großstadt” anzulegen und in welch akustisches Gewand er diesen Klassiker der Filmgeschichte zu hüllen gedenkt.

 

Nicht selten haben bereits andere MusikerInnen unter Beweis gestellt, dass die Kombination aus Musik und Stummfilm bestens funktionieren kann. “Berlin: Die Symphonie der Großstadt” beschreibt einen Tag in der Großstadt Berlin, welche in den 1920er Jahren einen industriellen Aufschwung erlebte. Walther Ruttmann beleuchtet in seinem Dokumentarfilm die Lebens- und Arbeitsverhältnisse zu dieser Zeit mit dem Ziel,  Berlin als lebenden Organismus darzustellen. Ruthmann verpasste dem Film durch seine damals ungewöhnliche Schnittfolge eine Analogie ähnlich einer Sinfonie. (mt)

 

“Berlin. Die Sinfonie der Großstadt”, 1927 © Eva Riehl

 

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Kunsthalle Wien