Klangforum Wien: Die Saison 2007/08

Sommerpause kennen sie eigentlich eh keine, aber da der Herbst ins Land zieht, wurde es wieder einmal Zeit, die nächste Saison des Klangforum Wien gebührend mit einer Pressekonferenz anzukündigen. Die Aktivitäten des Ensembles erstrecken sich in gezählten 52 Projekten über acht europäische Hauptstädte von Lissabon bis Moskau, umfassen Residenzen bei diversen renommierten internationalen Festivals (wie der Biennale in Venedig und den Wittener Tagen für Neue Kammermusik) und natürlich auch geballte Präsenz in Österreich. Aliens und Free Radicals

Das erläuterte Sven Hartberger in Ko-Moderation mit Hauptsponsorvertreter Boris Marte (Erste Bank) am Freitag. Nach einem Besuch beim Warschauer Herbst und einem längeren Aufenthalt bei der Musikbiennale in Venedig mit wichtigen Uraufführungsprojekten landet das Klangforum mit einem UFO (oder vielleicht doch mit der Eisenbahn?) anschließend Mitte Oktober wieder in Wien, um seinen  “Aliens”-Abozyklus im Konzerthaus zu starten und dann bei Wien Modern etliche der dort präsentierten neuen Kompositionen auch in Österreich erstaufzuführen. Es handelt sich dabei – am 18.10. – um Musik von Misato Mochizuki (Etheric blueprint), Peter Ablinger (Das Leben der Dinge) und Bernhard Lang (Die Sterne des Hungers), weiters – beim Eröffnungskonzert von Wien Modern -um das Crossover-Projekt “Free Radicals”, das, Kurzfilme und kurze Musikstücke umfassend, ebenfalls in Venedig aus der Taufe gehoben wird, wie übrigens auch Friedrich Cerhas Ensemblestück “Les Adieux”, das in Wien dann im Februar erklingen soll.

Bei Wien Modern bestreitet das Ensemble weitere “echte” Uraufführungen: “Remix” von Georg Friedrich Haas, “The Book of Serenity” von Kaus Lang (der diesjährige Wien Modern-Kompositionsauftrag der Erste Bank) und . danses oniriques . von dem Schweizer Michael Pelzel. Zeit taxativ  vorzugehen: Neben von den bereits Genannten gibt es in der nächsten Saison allein an Uraufführungen mit dem Klangforum Wien in alphabetischer Reihenfolge weitere Novitäten von Mark Andre, James Clarke, Christian Fennesz, Beat Furrer, Bernhard Gander, Erin Gee, Georg Friedrich Haas, York Höller, Jamilia Jazylbekova, Olga Neuwirth, Brice Pauset, Matthias Pintscher, Olga Rajewa, António Chagas Rosa, Theo Verbey und Tadeusz Wielecki zu hören.

 

Kompositionsaufträge: Bernhard Gander auf CD, Klaus Lang und Gösta Neuwirth sind die nächsten

Viele dieser uraufgeführten Werke lässt das Klangforum Wien nicht in der Schublade verschwinden, sondern führt sie mehrfach auf, behält sie im  Repertoire. Denn, so besonders auch die Philosophie bei Kompositionsaufträgen wie dem gemeinsam von Klangforum/Erste Bank/Wien Modern jährlich vergebenen Kompositionspreis: Für die Etablierung eines neuen Werks ist es entscheidend, dass innerhalb kurzer Zeit nach der Uraufführung mehrere Folgeaufführungen stattfinden, ja, idealerweise das selbe Publikum im Lauf eines Jahres Gelegenheit bekommt, das neue Werk zumindest ein zweites Mal zu hören. Überdies sorgt die Aufnahme des preisgekrönten Werks gemeinsam mit weiteren Werken des ausgezeichneten Komponisten auf einer (bei KAIROS) veröffentlichten Portrait-CD für weitere Promotion.

Soeben ist – mit bunny games als Haupt- und Magenstück – die neue Bernhard-Gander-CD erschienen, für die der Komponist mit “fluc’n’flex” übrigens auch noch ein brandneues, feines, Krassimir Sterev gewidmetes Stück für Akkordeon beisteuern konnte. Träger des Kompositionspreises 2007 ist Klaus Lang, dessen neues Stück (s. o.) heuer bei Wien Modern uraufgeführt wird, bekannt gegeben wurde auch der nachfolgende  Kompositionsauftrag für 2008: Die Wahl fiel auf Gösta Neuwirth, eine schöne Entscheidung, ist Neuwirth doch eine Schlüsselfigur der Neuen Musik in Österreich (und wäre es noch weit mehr, wäre er nicht bereits in den sechziger Jahren durch Ignoranz gezwungen worden, nach Berlin zu gehen, da man ihn in Wien nicht über Franz Schreker dissertieren lassen wollte).

Für die Jubiläumssaison 2009/10, in der das Klangforum unglaubliche 25 Jahre alt werden wird, sollen 25 neue Werke in Auftrag gegeben werden, für deren Finanzierung Paten gesucht werden.

 

Haas-Oper in Paris

Ein weiteres wichtiges Projekt für einen renommierten Komponisten findet kommenden Juni übrigens in Paris statt und wird anschließend aller Wahrscheinlichkeit nicht in Wien zu sehen und hören sein, dafür immerhin an der Grazer Oper. Georg Friedrich Haas’ neue Oper “Melancholia” (nach einem Libretto von Jon Fosse) wird vom Klangforum Wien an der Opéra National (Palais Garnier) uraufgeführt. Wos brauch’ ma die Oper eines Trägers des Großen Österreichischen Staatspreises auch in Wien? Wie bedeutete man einst schon Friedrich Cerha: “Versuchen S’ es im Ausland!”

Alle Infos zum Abo-Zyklus “Aliens” und das Kalendarium aller Klangforum-Projekte weltweit finden sich auf der Homepage des Klangforum Wien, dort kann man das aktuelle Jahresprogramm auch in gedruckter Form bestellen (bei Fragen: info@klangforum.at).
Heinz Rögl

Foto Klaus Lang: Nora Scheidl
Foto Gösta Neuwirth: Heimo Binder