Mit „Hänsel & Gretel“ hat der Komponist Matthias Werner gemeinsam mit den Tonspielen eine musikalische Fassung des bekannten Märchens geschaffen, die sich speziell an ein junges Publikum richtet. In der Besetzung für Kammermusikquintett entfaltet sich eine Geschichte, in der musikalische Bilder und szenische Vorstellungen ineinandergreifen. Werner nutzt die Möglichkeiten der Musik, um die verschiedenen Stationen des Märchens hörbar zu machen: von den anfänglichen Ängsten über die Verlockungen des ungewöhnlichen Hexenhauses bis hin zur Begegnung mit einer Hexe, die Tiere mithilfe einer Verwandlungsmaschine verwandelt. Am 6. November erscheint die Aufnahme auf Album, begleitet von mehreren Liveaufführungen. Im Interview mit Michael Ternai erzählt Matthias Werner, wie er sich der Vertonung genähert hat, welche Überlegungen hinter der musikalischen Umsetzung stehen und warum man Kinders schon etwas zutrauen kann.
Du bist damals, wenn ich mich richtig erinnere, bei Federspiel ausgestiegen, weil du dich verstärkt deiner Kompositionstätigkeit widmen und das Komponieren zu deinem Hauptberuf machen wolltest. Deshalb hast du dich aus dem Live-Betrieb der Band zurückgezogen, richtig?
Matthias Werner: Genau. Das ist mittlerweile auch schon wieder mehr als fünf Jahre her.
Seitdem konzentrierst du dich auf das Komponieren?
Matthias Werner: Ja.
Du hast im vergangenen Jahr für die Tonspiele der Tonkünstler Niederösterreich das Märchen „Hänsel und Gretel“ vertont. Die Uraufführung fand bereits vor einem Jahr statt. Wie ist es zu diesem Auftrag gekommen? Sind die Tonkünstler Niederösterreich auf dich zugekommen?
Matthias Werner: Ja, genau. Ich habe schon öfter mit den Tonspielen (Tonkünstler-Orchester Niederösterreich) zusammengearbeitet, und irgendwann entstand der Wunsch, das Märchen „Hänsel und Gretel“ neu zu vertonen. Ich glaube, sie wissen einfach, dass ich eine gewisse Vorliebe für Märchen habe und auch schon früher Musik zu Märchen komponiert habe. Da lag es nahe, mich mit dieser Aufgabe zu betrauen. Unsere bisherigen gemeinsamen Projekte waren immer sehr schön, und es sind tolle Arbeiten daraus entstanden. Insofern war das gewissermaßen eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit.
Was fasziniert dich an Märchen?
Matthias Werner: Märchen gehören zu den ersten Geschichten, an die ich mich aus meiner Kindheit erinnern kann. Ich weiß noch, dass sie mich damals auch ziemlich gegruselt haben. Viele sind ja teilweise recht blutrünstig. Bei dieser Produktion mussten wir uns deshalb überlegen, wie viel davon wir in die heutige Zeit übernehmen können und was wir einem jungen Publikum zumuten wollen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Funktion bestimmte Elemente eines Märchens überhaupt haben. Man darf sich durchaus gruseln und Angst bekommen, muss diese Angst aber auch überwinden können. Sie darf nicht bedrohlich stehen bleiben, wie etwa in einem Horrorfilm, sondern soll sich am Ende auflösen.
Märchen werden üblicherweise über Worte erzählt. In deiner musikalischen Interpretation verzichtest du allerdings weitgehend auf Sprache und lässt stattdessen die Musik und die Bilder für sich sprechen. Beim Durchhören der Stücke fällt auf, wie unterschiedlich die Stimmungen ausfallen: Es gibt düstere und geradezu unheimliche Passagen, sehr atmosphärische, zwischen Licht und Dunkel changierende Momente, aber auch schwungvollere Teile. Wie gehst du als Komponist an die Vertonung eines Märchens heran? Wie übersetzt du dessen Erzählung und unterschiedliche Stimmungen in Musik, sodass daraus eine eigene musikalische Dramaturgie entsteht?
Matthias Werner: Entscheidend ist für mich beim Komponieren, dass ich Situationen und Emotionen allein anhand von Tönen beschreiben kann. Dabei versetzt man sich natürlich auch ein Stück weit in die eigene Kindheit zurück, speziell wenn es um die gruseligen Dinge geht, die in Märchen ja ebenfalls vorkommen. Wichtig finde ich dabei auch, auf die Dosierung zu achten, denn ich wusste, wie alt das Publikum sein würde. Gerade bei einem jungen Publikum kann man bei Gruselszenen nicht mit dem großen Pinsel malen, sondern muss eher einen kleineren Gruselpinsel verwenden. Letztlich geht aber alles von einer Emotion aus: Welches Gefühl soll überhaupt vermittelt werden?
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Es handelt sich um ein Musikvermittlungsprojekt, das sich gezielt an Kinder richtet. Unterscheidet sich das Komponieren für ein junges Publikum grundsätzlich vom Schreiben für Erwachsene? Gibt es dabei bestimmte Regeln oder Grenzen, die du beachten musst, oder verlässt du dich eher auf dein persönliches Gespür dafür, was man Kindern musikalisch zumuten kann? Welche Maßstäbe setzt du dir in dieser Hinsicht?
Matthias Werner: Ich finde, dass Kinder unvoreingenommener sind und man einem jungen Publikum deshalb durchaus einiges zutrauen kann. Worauf ich vor allem achte, sind die Längen. Die Stücke dürfen nicht zu lang werden, und es muss immer interessant und spannend bleiben. Ansonsten kann man dem jungen Publikum meiner Meinung nach sehr viel zumuten.
Bei einem Stück für Kinder würde man vielleicht vermuten, dass man auf allzu experimentelle Ansätze verzichtet und beispielsweise nicht plötzlich in die Atonalität abdriftet. Spielt diese Überlegung beim Komponieren tatsächlich eine Rolle?
Matthias Werner: Dem würde ich ein bisschen widersprechen. Du kennst ja inzwischen einige meiner Stücke. Meine Musik ist wahrscheinlich eher der tonalen Musik zuzuordnen. Aber wie ich schon gesagt habe: Kinder sind sehr offen. Es gibt durchaus auch Passagen, die atonaler angelegt sind. Zum Beispiel gibt es eine Szene, in der Hänsel und Gretel einen regelrechten Zuckerschock erleben und sich plötzlich alles um sie dreht, weil sie einfach zu viel Süßes gegessen haben. Da gehe ich musikalisch durchaus in eine Richtung, die genau dieses Gefühl vermittelt. Grundsätzlich unterscheide ich aber nicht gerne zwischen Wohlfühl- und Nicht-Wohlfühl-Klangfarben. Für mich entsteht Musik immer aus dem Bedürfnis heraus, ein bestimmtes Gefühl oder eine Situation zu beschreiben. Und dabei bin ich keiner Klangfarbe abgeneigt.
Hast du dich mit dem Ensemble darüber ausgetauscht, in welche Richtung die musikalische Umsetzung gehen sollte, oder hattest du bei der Komposition weitgehend freie Hand und deine Musik wurde anschließend einfach in die Inszenierung integriert?
Matthias Werner: Ich hatte schon sehr viel Freiheit, aber natürlich gab es einen Regisseur, Richard Schmetterer. Mit ihm haben wir zu Beginn überlegt, welche Elemente des Märchens wir beibehalten wollen und welche nicht. Er hat dazu ein Dokument mit Notizen erstellt, in dem er beispielsweise festgehalten hat, was er sich unter dem Hexenhaus vorstellt oder welche Reise die Figuren durchlaufen müssen. Daran habe ich mich dann bei der Komposition orientiert. Es war also durchaus eine Zusammenarbeit, bei der die Ideen des Regisseurs meine Orientierungspunkte waren. Richard musste die Musiker:innen schließlich szenisch einbauen. Ein klassisches Drehbuch gab es allerdings nicht, sondern lediglich Beschreibungen der einzelnen Szenen.
Musikalisch ist das Stück sehr vielfältig angelegt, auch was die unterschiedlichen Stimmungen betrifft. Hattest du zu Beginn des Kompositionsprozesses bereits konkrete Vorstellungen davon, in welche Richtung es gehen sollte, oder hast du dich an bestimmten Vorbildern orientiert?
Matthias Werner: Bewusst gab es keine konkreten Vorbilder. Es war eher der Wunsch, einen eigenen Zugang zu finden. Natürlich gibt es „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck, diese Oper, in der unter anderem mit vielen Frauenstimmen gearbeitet wird. Ich wusste aber von Anfang an, dass meine Komposition ohne Text auskommen musste. Deshalb war es wichtig, sehr bildhaft zu schreiben. Das liegt mir allerdings auch grundsätzlich, ich habe das Gefühl, dass ich eigentlich immer sehr bildhaft komponiere. Konkrete Vorbilder gab es also nicht, aber ich hatte schon das Filmische und auch Zeichentrickfiguren im Kopf, weil das Stück für eine bestimmte Altersgruppe gedacht ist und nicht zu dramatisch werden sollte. Mir ging es auch darum, die positiven Aspekte des Märchens vielleicht etwas stärker hervorzuheben, ohne dabei die düsteren Seiten auszusparen. Schließlich gehören sie zu „Hänsel und Gretel“ dazu. Wenn man sie weglassen würde, müsste man gleich eine ganz neue Geschichte erzählen.
Das Projekt ist ja im Rahmen der Musikvermittlung entstanden und verfolgt unter anderem das Ziel, Kinder für Musik, insbesondere für Kammermusik und klassische Musik, zu begeistern. Siehst du es auch als persönliche Aufgabe, jungen Menschen einen Zugang zu dieser Musik zu eröffnen? Gerade im Bereich der klassischen Musik wird immer wieder darüber gesprochen, dass das Publikum zunehmend älter wird und der Nachwuchs fehlt. Welche Verantwortung kommt dabei deiner Meinung nach den Musiker:innen und Komponist:innen zu?
Matthias Werner: Das ist immer wieder ein Thema, gerade auch im Austausch mit Menschen, die an Konzerthäusern oder Konzertbühnen arbeiten. Da besteht oft die Sorge, dass das Publikum immer älter wird und irgendwann kein neues mehr nachkommt. Für mich persönlich ist es so, dass ich es sehr schätze, wenn Musik längere Erzählbögen entwickelt. Gerade in Zeiten von Social Media wird die Aufmerksamkeitsspanne natürlich immer kürzer. Auch im Radio werden die Formate zunehmend kompakter. Das Erzählen wird immer stärker auf einzelne Themen heruntergebrochen, die dann oft eher klein gehalten werden oder in kurzen Sequenzen ein großes Ganzes abbilden sollen. Mir ist es hingegen ein persönliches Anliegen, dass man sich auf bestimmte Dinge einlassen muss oder auch darf. Es hat schließlich einen Mehrwert, sich während einer Konzertstunde ganz auf ein Thema zu konzentrieren und sich darauf einzulassen. Insofern geht es mir vor allem darum, auch längere musikalische Bögen zu vermitteln, die trotzdem abwechslungsreich gestaltet sein können.

Und wie sind deine bisherigen Erfahrungen? Wie lassen sich die Kinder auf das Stück ein?
Matthias Werner: Die Kinder steigen bisher wirklich super darauf ein, und ich habe auch sehr positive Rückmeldungen bekommen. Die größte Frage war eigentlich, ob die düsteren Passagen zu lange dauern und ob die Kinder diese Atmosphäre überhaupt aushalten. Aber bisher scheint die Dosierung genau richtig zu sein. Es ist jedenfalls noch kein Kind weinend aus dem Konzert gegangen. Natürlich reagiert jedes Kind anders, aber ich glaube, da haben wir ein gutes Maß gefunden.
Wie kann man sich die Umsetzung des Stücks auf der Bühne vorstellen? Wie greifen Musik und das Geschehen auf der Leinwand ineinander?
Matthias Werner: Die fünf Orchestermusiker:innen unterstützen musikalisch das, was auf der Leinwand passiert. Die Geschichte wird nämlich live gezeichnet. Man kann sich das ein bisschen wie einen Zeichentrickfilm vorstellen, allerdings mit variablen Elementen. Es gibt zum Beispiel eine Szene, in der sich ein Weg teilt und entschieden werden muss, welche Richtung eingeschlagen wird. Die Kinder können dabei mitbestimmen, wie die Geschichte weitergeht. Die fünf Musiker:innen verstärken also das Geschehen auf der Leinwand. Sie übernehmen zwar keine eigene Rolle, sitzen aber auch nicht einfach statisch an ihren Orchesterpulten, sondern bewegen sich mit der Geschichte mit.
Was war letztlich der Beweggrund, das Stück auch als Album zu veröffentlichen?
Matthias Werner: Bei Musikvermittlungsprojekten ist es oft so, dass ein Stück einmal aufgeführt wird und im nächsten Jahr bereits ein anderes Thema mit einer neuen Komposition oder einem neuen Format ansteht. Das bisherige Projekt ist damit meist schon wieder vom Tisch. Diesmal fanden wir es schön, die Musik auf diese Weise festzuhalten und vielleicht auch in Zukunft wieder verwenden zu können. Die Aufnahme lässt sich bei weiteren Aufführungen außerdem gut als Lehrmaterial einsetzen. Man kann sich beispielsweise vorstellen, dass Kinder im Unterricht oder im Kindergarten vorab die Musik hören und sich überlegen, welche Szenen aus „Hänsel und Gretel“ zu den einzelnen Abschnitten passen könnten.
Du warst mit Federspiel viele Jahre als Musiker unterwegs. Was hat dich schließlich dazu bewogen, dich verstärkt der Komposition zu widmen? Was hat dich an diesem Tätigkeitsfeld besonders gereizt?
Matthias Werner: Ich habe eigentlich immer schon sehr gerne geschrieben. Als wir 2017 den Auftrag vom Tonkünstler-Orchester bekommen haben, ein gemeinsames Programm von Federspiel und Orchester auf die Bühne zu bringen, bestand meine Aufgabe darin, viele der Federspiel-Stücke zu arrangieren. Das war für mich ein Sprung ins kalte Wasser, weil ich zuvor noch nie für Orchester geschrieben hatte. Ich habe mich dann ein halbes Jahr lang intensiv damit beschäftigt, Dinge ausprobiert, mir Aufnahmen angehört, Bücher gekauft und bin richtig in die Materie eingetaucht. Es war ein unglaublich spannendes Gefühl, sich mit einem so großen Klangkörper auseinanderzusetzen. Das war eine große Herausforderung, die mich sehr gereizt hat. Als das Programm schließlich aufgeführt wurde und ich das Gefühl hatte, dass es genauso klang, wie ich es mir vorgestellt hatte, wenn nicht sogar noch ein bisschen besser, weil die Musik jetzt zum Leben erwacht war, wusste ich: Das möchte ich weitermachen.
Ich wollte Stücke schreiben, größere Geschichten erzählen und mich an umfangreichere Werke wagen. 2017, 2018 war ich diesbezüglich wirklich Feuer und Flamme. Natürlich hat es dann noch einige Zeit gebraucht. Sich von der Bühne und auch vom engen Austausch mit den Kolleg:innen zu verabschieden, war nicht einfach. Und gerade in der heutigen Zeit ist es keine Selbstverständlichkeit, hauptberuflich als Komponist arbeiten zu können. Ein gut funktionierendes, etabliertes Ensemble zu verlassen, ist natürlich keine leichte Entscheidung. Aber der Wunsch, diesen Geschichten musikalisch Ausdruck zu verleihen, war letztlich stärker. Irgendwann habe ich dann genügend Mut gefasst, diesen Schritt zu gehen.
Wie lange hast du insgesamt an diesem Werk gearbeitet?

Matthias Werner: Ehrlich gesagt, zähle ich meine Arbeitsstunden nicht. Das hat Vor- und Nachteile. Gerade am Anfang habe ich mich intensiv mit den überlieferten Märchenfassungen beschäftigt. Dabei habe ich unter anderem Erika Eichenseer kennengelernt, eine Märchensammlerin aus Bayern, die mir weitere „Hänsel und Gretel“-Geschichten nähergebracht hat. Ich habe mich durch diese Versionen gelesen, um herauszufinden, woher der Märchenstoff eigentlich kommt und was es abseits der bekannten Erzählung noch alles gibt. Wir haben uns zwar hauptsächlich an der Fassung der Gebrüder Grimm orientiert, aber ich wollte den größeren Zusammenhang kennenlernen. Dazu kamen die Gespräche mit der Tonspiele-Abteilung des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich, dem Regisseur, den Projektionsmalern von OMAi und den Musiker:innen sowie die Überlegungen, welches Format wir überhaupt entwickeln und was wir erzählen wollen. Da steckt also schon einiges an Vorbereitungszeit drin, bevor man überhaupt den ersten Ton geschrieben hat.
Und dann hängt es natürlich auch sehr von der jeweiligen Tagesverfassung ab. Manchmal geht einem etwas ganz leicht von der Hand, bei anderen Dingen braucht es unzählige Anläufe. Für das musikalische Thema der Hexe habe ich beispielsweise hunderte Ideen ausprobiert, bis ich die richtige gefunden hatte. Diese Figur musste in unserer Märchenfassung ganz unterschiedliche Eigenschaften in einem einzigen musikalischen Thema vereinen. Es sollte verführerisch und kumpelhaft wirken, gleichzeitig aber auch etwas Bedrohliches und Beängstigendes haben. Dieses Thema musste also sehr viele Facetten abdecken. Allein dafür habe ich vermutlich so lange gebraucht wie für drei andere Stücke zusammen. Das lässt sich schwer in Stunden, Tagen, Wochen oder selbst Monaten beziffern.
Du hast vorhin beschrieben, wie intensiv du dich mit den einzelnen Themen auseinandersetzt. Das klingt nach einer gewissen perfektionistischen Ader: Du gibst dich offenbar nicht so schnell mit einer Lösung zufrieden, sondern arbeitest so lange daran, bis sie sich für dich wirklich stimmig anfühlt.
Matthias Werner: Ja, genau. Ich bin nicht jemand, der sich schnell zufriedengibt. Es muss sich richtig und stimmig anfühlen. Gleichzeitig gibt es so viele unterschiedliche Aspekte, die im Gesamtwerk zusammenpassen müssen. Von der ersten bis zur letzten Szene braucht es einen musikalischen Zusammenhang, eine Verbindung zwischen den Themen und Klängen. Auf der anderen Seite soll aber auch klar erkennbar sein, wofür die jeweilige Szene steht.
Vielleicht ist das auch eine persönliche Eigenheit, aber ich kann mich nur schwer auf viele Dinge gleichzeitig konzentrieren. Das habe ich schon gemerkt, als ich noch auf der Bühne stand und gleichzeitig die Posaune in Schuss halten, meine Stimme trainieren, komponieren und arrangieren musste, während man von einem Auftritt zum nächsten im Tourbus unterwegs war. Mir hat dabei der Fokus gefehlt, mich wirklich auf eine Sache einzulassen. Das kann ich heute zum Glück anders ausleben: Jeder Auftrag und jede Komposition brauchen ihren eigenen Raum. An einem Tag, an dem ich komponiere, kann ich beispielsweise auch keine Büroarbeit erledigen. Da muss ich ganz in die Musik eintauchen können.
Die Uraufführung fand vor einem Jahr statt. Jetzt führt ihr das Stück noch einige Male auf.
Matthias Werner: Genau. Es wird einige Male im Wiener Konzerthaus und auch im Stadttheater Wiener Neustadt aufgeführt. Dort gibt es auch ein speziell gestaltetes Konzert, welches Menschen mit Beeinträchtigungen oder neurodivergenten Menschen den Konzertbesuch erleichtern soll. Es ist beispielsweise erlaubt, während des Konzerts aufzustehen, sich zu bewegen und den Saal zu verlassen oder wieder hereinzukommen. Das ist eine tolle Idee.
Wird das Stück in derselben Form wie vor einem Jahr aufgeführt, oder gibt es Änderungen?
Matthias Werner: Ich glaube, dass die Musiker:innen und die Projektionsmaler von OMAI, also Markus und Matthias, die für die Visuals und den Film verantwortlich sind, entsprechend gebrieft werden. Sie sollen sich bei bestimmten Szenen etwas mehr Zeit lassen. Wenn eine Szene nicht sofort abgeschlossen ist, darf sie also auch länger dauern. Neu geschrieben wird aber nichts mehr, und auch am Ablauf wird sich nichts ändern.
Woran arbeitest du im Moment?
Matthias Werner: Ich arbeite gerade an neuen Stücken für Federspiel und die Multipercussionistin Vivi Vassileva und am Musiktheater Allez Hop für das Wiener Konzerthaus. Danach kommt ein Orchesterprojekt mit Federspiel. Außerdem habe ich zuletzt an einem Album für Red Bull Media House gearbeitet das im Bereich Naturdokumentationen angesiedelt ist. Dafür habe ich jetzt zwei weitere Aufträge bekommen, also werde ich demnächst mit zwei neuen Alben für Red Bull Media House beginnen.
Das sind orchestrale, recht filmisch angelegte Alben. Außerdem schreibe ich an einem großen Werk für Trombone Attraction und dem Wiener Kammerorchester. Das Posaunenquartett, das in Wien und Niederösterreich beheimatet ist, feiert gerade sein 20-jähriges Jubiläum und hat mich beauftragt, ein eigenes Stück für das Quartett und Orchester zu schreiben. Als ehemaliger Posaunist lag das nahe.
Vielen Dank für das Interview.
Michael Ternai
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Hänsel und Gretel
11.12. Stadttheater, Wiener Neustadt I Familienkonzert, 17 Uhr
12.12. Wiener Konzerthaus, Berio-Saal | Familienkonzert, 11 & 14 Uhr
13.12. Wiener Konzerthaus. Berio-Saal | Familienkonzert, 11 & 14 Uhr
14.12. Wiener Konzerthaus, Berio-Saal | Schulkonzert, 9 & 11 Uhr
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