„Aber ich glaube, es wird ein gutes Jahr” – KIDCAT LO-FI im mica-Interview

KATRIN WIESER alias KIDCAT LO-FI schreibt Lieder für sich selbst und wir haben ziemlich Glück, dass sie diese mit uns teilt. Denn ihre Musik ist eine gut gelaunte und sehr humorvolle Sicht auf alltägliche Dinge verpackt in ohrwurmwürdige Melodien. Kein Wunder, dass ihr neues Album „The Wet Album“ (Problembär Records)eine Art Konzeptalbum geworden ist, schließlich sang sie auf ihrer letzten EP „4 Seasons“ ausschließlich von einem Thema: den Jahreszeiten. Diesmal können die Zuhörenden in ein Land der Flüssigkeiten aller Art abtauchen. Im Interview mit Anne-Marie Darok sprach die Songwriterin über ihr neues Album und darüber, dass man nie auslernt.

Wir haben vor zwei Jahren über Ihre EP „4 Seasons“ gesprochen und darüber, dass Sie gerne über Themen schreiben, die Sie selbst oder Freunde und Bekannte von Ihnen erlebt haben oder die Sie besonders beschäftigen. Ich habe bei „The Wet Album“ nicht das Gefühl, dass sich daran etwas geändert hat, oder irre ich mich?

Kidcat Lo-Fi: Dein Gefühl ist ganz richtig, da hat sich nichts geändert.

Drei Lieder handeln (wenn auch nicht nur) von Alkohol und seinen Folgeerscheinungen. Ist das Album deshalb „wet“?

Kidcat Lo-Fi: Nicht nur. In jedem einzelnen Lied kommen irgendwelche Flüssigkeiten oder irgendetwas Feuchtes vor – Wein, Kaffee, Tränen, Schnaps, das Meer, Honig und vieles mehr. Das ist inhaltlich der rote Faden. Außerdem habe ich das gesamte Artwork der CD mit schwarzem Kaffee und Rotwein koloriert und gestaltet.

Ebenfalls in unserem letzten Interview habe ich Sie gefragt, wie Ihr nächstes Album aussehen wird, und Sie sagten: „Ich nehme mir vor, dass es tendenziell rockig, dreckig und schwitzig wird – aber es wird sicher auch den ein oder anderen ruhigeren Track geben, zum Verschnaufen und damit der ganze Dreck abperlen kann.” Identifiziert sich „The Wet Album“ mit dieser Beschreibung oder empfinden Sie es ganz anders?

Kidcat Lo-Fi: Ich finde, die Beschreibung passt nach wie vor ganz gut. Es ist jetzt zwar kein reines Rockalbum geworden: Ein bisserl rockig, ein bisserl verspielt, aber auch melancholisch und ruhig ist es geworden. Und immerhin: Schweiß passt ja ganz gut zum „Wet Album“.

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Auf „Nasty Mike & The Liquor Boys“ erinnern Ihre Stimme und Ihre Attitüde – vor allem am Anfang – an Kim Gordon. Gefällt Ihnen der Vergleich oder haben Sie ganz andere Vorbilder für Ihre Musik?

Kidcat Lo-Fi: Der Vergleich ist natürlich sehr schmeichelhaft, aber mir ist es nicht so wichtig, mit irgendwem verglichen zu werden.

„Die Songs schreibe ich nach wie vor allein.“

Wenn man über Ihre Karriere nachliest, dann steht da relativ oft, dass Sie schon sehr früh mit der Musik angefangen haben und zuerst nur für sich selbst musiziert haben. Ist das heute noch immer so?

Kidcat Lo-Fi (c) Klaus Pichler
Kidcat Lo-Fi (c) Klaus Pichler

Kidcat Lo-Fi: Die Songs schreibe ich nach wie vor allein. Da ich die Sachen fürs „Wet Album“ mit meiner Band [Christoph Kornauth, Christian Franke, Sebastian Schwarz; Anm.] aufgenommen habe, war es mir natürlich wichtig, dass die Jungs was mit den Songs anfangen können und musikalische Ideen dazu haben. Welche Lieder fürs Album infrage kamen, entschieden wir gemeinsam.

Wie wichtig sind Ihnen Musikvideos? Haben Sie einen Film im Kopf, wenn Sie einen Song schreiben, oder kommt das erst nach der Produktion?

Kidcat Lo-Fi: Es muss schon alles stimmig sein, aber wenn ich einen Song schreibe, habe ich noch keine Idee für ein Video.

Können Sie von Ihrer Arbeit als Musikerin leben oder gibt es da immer noch einen Brotjob?

Kidcat Lo-Fi: Ein Brotjob muss leider immer noch sein.

In den letzten Jahren war ein starker Aufschwung in der österreichischen Musikszene zu spüren. Ist diese positivere Einstellung gegenüber österreichischer Musik auch in der Szene selbst zu spüren?

Kidcat Lo-Fi: Dass Musik aus Österreich in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit bekommt, finde ich gut. Sonst kann ich nicht viel dazu sagen, da ich noch nicht so lange Musik mache.

„Nicht aufgeben!“

Welche Tipps können Sie einer jungen Band geben, die gerade in den Startlöchern steht? Was hätten Sie in Ihrer Anfangszeit selbst gerne gewusst?

Kidcat Lo-Fi: Ich sehe mich nicht in der Position, dass ich da großartig Tipps geben könnte. Ich lerne selbst noch. Und verzweifle regelmäßig an meiner Tätigkeit oder bin frustriert, weil irgendetwas nicht wie erhofft funktioniert. Wenn man das wirklich machen will, gibt’s nur einen Tipp: Nicht aufgeben!

Was steht für Sie als Nächstes auf dem Plan?

Kidcat Lo-Fi: Aktuell produziere ich mit Martin Nimmervoll ein Musikvideo zu „Walk Of Shame“. Am 29. November 2016 gibt es in der Bücherei Engerthstraße einen Musik-Literatur-Cocktail, eine Mischung aus Lesung und Konzert. Sebastian Schwarz wird mich am Schlagzeug begleiten, darauf freue ich mich sehr. Am 16. Dezember 2016 supporte ich den Nino aus Wien im Bergwerk in Neusiedl am See. Wie es dann 2017 weitergeht, wird sich zeigen. Aber ich glaube, es wird ein gutes Jahr.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Anne-Marie Darok

Kidcat Lo-Fi live
16.12.2016 , Neusiedl/See @ Bergwerk

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Problembär Records