KAREN ASATRIAN & BAND feat. RITA MOVSEVIAN: Echos from Armenia

Am Freitag, dem 10. April, gibt es unter dem Motto „Eine musikalisch-literarische Reise in ein niemals verlorenes Land“ einen ganz speziellen „Worldmusic“-Abend im Salzburger JAZZIT.

2015 jährt sich der Völkermord an den Armeniern zum 100. Mal. Der 24. April 1915 steht dabei für den Beginn von Vertreibung und Massenvernichtung. Kunst stellt eine Möglichkeit dar, um dieses Trauma zu bearbeiten. Darum geht es auch beim hochkarätig besetzten Projekt „Echoes From Armenia“, bei welchem dem ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts die Lebendigkeit und Lebenskraft der immer schon kosmopolitisch orientierten armenischen Kultur entgegengestellt wird.

Das ist auch der Ansatz des Komponisten Karen Asatrian. Geboren 1972 in Eriwan, Armenien, absolvierte er zunächst ein Studium für klassische Geige und Klavier an der Tschaikowsky-Musikfachschule. Dem folgte ein durch das Fach Komposition erweitertes Studium an der Komitas-Musikhochschule der Stadt Eriwan. 1995 führte ihn sein Weg nach Österreich, wo er in Klagenfurt sein Jazzklavier-Diplomstudium mit Auszeichnung abschloss.

Zu den wichtigen Stationen seiner musikalischen Laufbahn gehören u. a. die Gründung der Gruppe Brahms‘ Project (Jazztrio mit Kammerorchester), Aufführungen seiner Kompositionen mit dem Kärntner Madrigalchor, Zusammenarbeiten mit dem Bruckner Symphonieorchester, ein Engagement am Wiener Burgtheater und Auftritte bei diversen Jazzfestivals (Three Nights of Jazz, Saalfelden, Jazz Fest Wien, Wiesen, Sziget). 2007 erhielt er den Armenian Music Award in der Kategorie „Best Jazz Album“ für die CD „Pathway“. Auch bei „Echoes From Armenia“ setzt er Musik aus unterschiedlichen Welten und Epochen miteinander in Beziehung. So etwa wird die Musik des armenischen Komponisten Sayat Nova (eines Zeitgenossen von Mozart) zeitgenössisch interpretiert.

Dazu erzählt der Autor Herbert Maurer persönliche Geschichten über seine Begegnungen mit der Sprache, der Literatur, der Kultur der Armenier. Der Schriftsteller und Übersetzer, geboren 1965 in Wien, studierte Sprachenwissenschaften in Venedig, Jerusalem, Köln, Bilbao und Jerewan. Während seines dreijährigen Aufenthalts in Armenien ab 1988 arbeitete er für die Österreichische Erdbebenhilfe und als Journalist für internationale Medien. Seit er 1992 wieder in Österreich lebt, erschienen bereits zahlreiche Bücher in österreichischen und deutschen Verlagen, aber auch Übersetzungen armenischer Gegenwartsliteratur. 1996 erhielt er den Rheingau-Literaturpreis, später auch die Werfel-Medaille für die Kulturkommunikation zwischen Armenien und Österreich. Der Autor ist auch regelmäßiger Gast beim internationalen Literaturfestival literary ark in Jerewan. Ein Essayband über Armenien ist in Vorbereitung und wird in Ausschnitten bei „Echoes From Armenia“ präsentiert.

Der Musik kommt dabei eine spezielle Rolle zugute. Geht es den Beteiligten doch auch darum, noch ungeklärte Fragen zu stellen: Wie lässt sich die Realität und Zukunft der armenischen Kultur ins Musikalische und Poetische übersetzen? Wie erfindet sich ein Land, ein Volk im globalen Kontext neu? Über viele Jahrhunderte hinweg fungierte Armenien als Transitort zwischen Orient und Okzident, zwischen Mittelalter und Moderne. Wie kann man das heutige Armenien musikalisch und literarisch übersetzen?

Exemplarisch dafür steht die Sängerin und Perkussionistin Rita Movsesian (Dhol, Darbuka, Daf und Cajón). Schon im zarten Alter von zwölf Jahren begann sie ihre Stimm- und Gesangsausbildung. Der Schwerpunkt lag damals schon auf armenischer und arabischer Musikliteratur. Auch nach ihrem Umzug nach Österreich blieb Musik für die Diaspora-Armenierin der Mittelpunkt ihres Lebens: Sie studierte am Salzburger Mozarteum klassisch-westliche Musikliteratur und Jazz. Daraufhin folgten zahlreiche Auftritte im In- und Ausland (u .a. bei „The Voice of Middle East“, 2013, und „The Voice of Germany“, 2014). Die Pflege traditionell-armenischen Volkslieder ist ihr dabei ein besonderes Anliegen: „Mich beeindruckt vor allem die Volksmusik der Ashughen und Gusanen. Sie haben den armenischen Gesang durch ihre hohe lyrische Intensität und feine Improvisationskunst maßgeblich geprägt.“ Darüber hinaus hat sie (neben Kooperationen im Bereich der sephardischen und der Balkan-Musik) die grenzübergreifenden Ensembles Flarmenia und Rita Movsesian Quartett gegründet, mit denen sie Verbindungslinien zwischen armenischer, arabischer und andalusischer Flamenco-Musik zieht.

Didi Neidhart