Matches Music (c) Karin Hackl Photos

„[J]ede Band [ist] ein eigener kleiner Kosmos“ – MATCHES MUSIC (DAVID BUDER und JAKOB BOUCHAL) im mica-Interview

Manchmal nehmen sie die Rolle eines Mentors ein, manchmal die eines Freundes: Mit „Matches Music“ betreiben DAVID BUDER und JAKOB BOUCHAL seit 2018 ihre eigene Agentur. Neben den klar abgesteckten geschäftlichen Bedingungen kommt es den beiden bei „Matches Music“ immer darauf an, was zu dem jeweiligen Act passt. Stark in der Clubszene verwurzelt und selbst als DJs aktiv, beweisen der Betriebswirt DAVID BUDER und der Jurist JAKOB BOUCHAL ein exzellentes Gespür. Mit Ruth Ranacher sprachen sie über ihren Werdegang, über Zeit, Energie und Visionen.

„Der Wandel, dem der Musikmarkt unterliegt, fordert aber eine gewisse Flexibilität, was das eigene Selbstverständnis betrifft.”

Der Unternehmensgegenstand von „Matches Music“ umfasst sowohl Künstler- und Eventmanagement als auch Musikverlag und Filmproduktion. Ist „Matches Music“ mehr eine Agentur oder mehr ein Label? Was war zuerst da?

David Buder: Wir verstehen uns primär als Agentur für Künstlermanagement, mit diesem Bereich hat unsere Reise auch angefangen. Als Labelbetreiber im herkömmlichen Sinn sehen wir uns zurzeit nicht wirklich, wir betreiben kein A&R, suchen also nicht selbst aktiv nach unveröffentlichter Musik für unser eigenes Label. Der Wandel, dem der Musikmarkt unterliegt, fordert aber eine gewisse Flexibilität, was das eigene Selbstverständnis betrifft. Über unseren Kerntätigkeitsbereich hinaus erbringen oder vermitteln wir deshalb eine große Bandbreite verwandter Dienstleistungen, von Eventmanagement und Booking bis hin zu Auftragskompositionen und Filmproduktion.

Was sind die Vorteile, wenn man beides anbietet? Gibt es auch Nachteile?

Jakob Bouchal: Weil wir in mehreren Bereichen über eine professionelle Infrastruktur und das nötige Know-how verfügen, können wir immer wieder Synergien nutzen: Wir betreiben zum Beispiel aktuell eine Handvoll Labels für einige der Bands, die wir als Management vertreten, und können so Veröffentlichungen schnell und unkompliziert selbst abwickeln. Diese Dienstleistung bieten wir unter dem Namen Labelmanagement seit Kurzem übrigens nicht nur den Bands an, mit denen wir zusammenarbeiten, sondern auch allen anderen Musikschaffenden und sogar Unternehmen.

Warum haben Sie „Matches Music“ gegründet? Was haben Sie beide davor gemacht?

David Buder: Ich bin Betriebswirt und habe außerdem Audio-Engineering studiert, Jakob ist eigentlich Jurist. Wir sind beide als DJs aktiv und haben uns auch tatsächlich vor einigen Jahren im Wiener Fluc beim Auflegen kennengelernt. Nachdem wir einige Konzerte und Clubabende gemeinsam veranstaltet haben, war dann recht schnell klar, dass wir ähnliche Vorstellungen und Visionen haben – so ist Anfang 2018 aus einer sporadischen Zusammenarbeit heraus ein gemeinsam geführtes Unternehmen entstanden.

„Matches Music“ haben wir vor allem aus unserer eigenen Leidenschaft zur Musik heraus ins Leben gerufen, aber auch weil wir im österreichischen Musikmarkt konkreten Bedarf danach gesehen haben. Wir kennen die Eigenheiten und Herausforderungen der Musikbranche aus erster Hand und möchten mit dieser Erfahrung und unserem Netzwerk einerseits und mit strukturiertem und strategischem Arbeiten andererseits Musikerinnen und Musiker bei ihrer künstlerischen Entwicklung unterstützen und fördern.

David Buder (c) Karin Hackl Photos

„Learning by Doing”

War der Weg zu Agentur und Label mehr Learning by Doing oder haben Sie beide zusätzlich zu Ihren Studien eine musikspezifische Ausbildung absolviert?

Jakob Bouchal: David hat wie schon erwähnt Audio-Engineering am SAE Institute studiert, ich habe langjährige Erfahrung als Freelancer im Musikjournalismus und wir sind beide ausgebildete Musiker. Learning by Doing trifft es aber trotzdem ganz gut, einen großen Teil unseres Wissens haben wir uns in den letzten Jahren durch unsere Arbeit angeeignet. Wenn es erforderlich ist, greifen wir gerne auch auf die Fähigkeiten und die Erfahrung von Freundinnen und Freunden sowie Branchenkolleginnen und -kollegen zurück.

„Matches Music“ bietet wie bereits erwähnt Künstlermanagement an. Erfahrungsgemäß versteht unter Management jede und jeder ein bisschen etwas anderes. Wie weit geht Ihr Angebot und was umfasst es?

David Buder: Wie überall, wo Menschen zusammenarbeiten, hängt die Beziehung zwischen der Künstlerin bzw. dem Künstler auf der einen Seite und uns als Management auf der anderen Seite zu 100 Prozent von den involvierten Personen ab und danach bestimmt sich auch, wie intensiv unsere Zusammenarbeit ist. Was mit einer Band super funktioniert, kann mit einer anderen überhaupt nicht funktionieren: Manchmal nehmen wir eher die Rolle von Mentoren, vielleicht sogar von Freunden ein, während das in anderen Fällen völlig unangebracht wäre. Unabhängig von der individuellen Ausgestaltung muss die Basis einer Zusammenarbeit aber immer vorwiegend geschäftlicher Natur sein und die wechselseitigen Rechte und Pflichten müssen klar abgesteckt werden.

Unser Angebot setzt sich dementsprechend aus einer großen Bandbreite von Leistungen zusammen. Manchen Künstlerinnen und Künstlern halten wir vorrangig durch operativ-strategisches Arbeiten den Rücken frei. Wir erarbeiten beispielsweise gemeinsam Zeitpläne und kümmern uns um deren Einhaltung, erledigen organisatorische Aufgaben, vertreten die künstlerischen Interessen Dritten gegenüber und wickeln Verträge ab. In anderen Konstellationen hingegen sind wir noch einen Schritt näher dran und bereits in den musikalisch-kreativen Prozess eingebunden, konzipieren gemeinsam eine künstlerische Identität, setzen inhaltliche Akzente und initiieren Kollaborationen.

Wie sieht bei „Matches“ die Arbeitsaufteilung aus?

Jakob Bouchal: Aufgrund unserer unterschiedlichen Ausbildungen und Stärken liegen manche Aufgabenbereiche natürlich auf der Hand: David ist klarerweise der erste Ansprechpartner für Kalkulationen und Projektmanagement, ich bin der Ansprechpartner, wenn es um rechtliche Fragestellungen oder Kommunikation geht. Wir versuchen aber beide, einen Überblick über alle Projekte zu behalten, sitzen uns im Büro fünf Tage pro Woche gegenüber und halten uns ständig gegenseitig auf dem Laufenden. Außerdem haben wir sehr ähnliche Vorstellungen und Ansprüche und auch einen gewissen Hang zum Perfektionismus – das macht es uns leicht, parallel an Projekten zu arbeiten und einzelne Aufgaben zwischen uns hin- und herzuspielen.

Erinnern Sie sich an einen bestimmten Moment während der Gründungsphase, an dem Sie beide gewachsen sind? Ein Fehler, der Ihnen im Musikbusiness passiert ist, den Sie nun nicht mehr machen?

David Buder: Während der Gründungsphase nicht wirklich, eher davor: die Entscheidung zum Schritt in die Selbstständigkeit, das Commitment, so viel Zeit und Energie darauf aufzuwenden, ein langfristig angelegtes Ziel zu erreichen. Zu sagen: „So, und ab jetzt arbeiten wir beide Vollzeit für dieses gemeinsame Projekt!“ – das war auf jeden Fall ein bestimmender Moment.

„[E]ine gemeinsame Vision zu finden”

„Matches Music“ zeichnet ein relativ kleiner Roster aus. Ab wann ist ein Act für Sie interessant? Was sollte sie bzw. er mitbringen? Wie kann man Sie kontaktieren?

Jakob Bouchal: So klein ist der Roster gar nicht, wenn man bedenkt, dass jede Band sozusagen ein eigener kleiner Kosmos mit vielen unterschiedlichen Aufgaben und Herausforderungen ist, um die wir uns zu zweit kümmern. Ab wann ein Act für uns interessant ist, lässt sich in Zahlen schwer festmachen – wir arbeiten zum Beispiel gerade mit zwei ganz neuen Projekten, die wir vom Start weg betreuen.

Ähnlich schwierig ist es auch zu definieren, was Musikerinnen und Musiker mitbringen sollen. Als Erstes muss uns klarerweise die Musik begeistern, wir müssen selber dahinterstehen und Fans sein – das ist zugegebenermaßen natürlich immer subjektiv. Letzten Endes geht es aber immer darum, eine gemeinsame Vision zu finden, und dann braucht es auf beiden Seiten die Bereitschaft, Zeit und Energie zu investieren, um dieses Ziel zu erreichen. Inhaltlich haben wir einen hohen Anspruch an das Talent der Künstlerin bzw. des Künstlers, ein gewisses Maß an Professionalität setzen wir ebenfalls voraus.

Außerdem legen wir sehr großen Wert darauf, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die eine ähnliche Sicht auf die Welt haben wie wir und mit denen wir einen kleinsten gemeinsamen Nenner an Vorstellungen und Werten teilen. Wir sind beide stark in der elektronischen Clubmusik verwurzelt, die ja von einer Bewegung getragen wurde und wird, die schon aus ihrer Geschichte heraus für Offenheit, Toleranz und Respekt steht. Diese Grundsätze versuchen wir, auch in unsere Arbeit einfließen zu lassen. Gerade weil der Trend gesamtgesellschaftlich momentan in eine völlig andere Richtung geht, sind wir hier nicht bereit, Kompromisse einzugehen.

Erreichbar sind sehr einfach, auf unserer Website finden sich unsere Kontaktdetails und wir sind beide auch regelmäßig bei Konzerten und anderen Veranstaltungen anzutreffen. Wer uns kontaktieren möchte, schickt uns am besten eine E-Mail mit Demos oder lädt uns zu einem Konzert ein – wir freuen uns immer, neue Musik zu hören.

Jakob Bouchal (c) Karin Hackl Photos

„[D]ie österreichische Musiklandschaft [erlebt] zurzeit ja eine Art Renaissance”

Sie fokussieren sich sowohl beim Booking als auch bei der Künstlerbetreuung ausschließlich auf Acts aus Österreich. Welche Gründe sprechen dafür? Gibt es ein Ziel, das Sie damit verfolgen?

David Buder: Wir arbeiten sehr nahe an der Künstlerin bzw. am Künstler, regelmäßiger persönlicher Kontakt und Austausch sind uns sehr wichtig. Der Fokus auf österreichische Artists hat somit vor allem einen eher pragmatischen Hintergrund – wir beide haben unseren Lebensmittelpunkt in Wien. Darüber hinaus erlebt die österreichische Musiklandschaft zurzeit ja eine Art Renaissance und wir möchten einen aktiven Beitrag dazu leisten, das derzeitige Momentum in nachhaltiges strukturelles Wachstum zu transformieren und Wien international verstärkt als Musikstandort auch abseits klassischer Musik zu positionieren.

Was würden Sie jemandem raten, der selbst eine Agentur gründen möchte?

Jakob Bouchal: Weil die Beziehung zwischen Artist und Managerin bzw. Manager sehr stark auf gegenseitigem Vertrauen basiert, macht es insbesondere am Anfang Sinn, sich auf Künstlerinnen und Künstler zu konzentrieren, zu denen man eine gewisse persönliche Beziehung hat: Sei es weil man im selben Freundeskreis oder erweiterten Netzwerk verankert ist, sei es weil man bereits gemeinsam Projekte über die Bühne gebracht hat.

Vor allem am Anfang ist es wichtig, einen klaren inhaltlichen Fokus zu definieren und realistische Vorstellungen zu haben. In der Musikbranche läuft vieles sehr informell ab und Konkurrentinnen und Konkurrenten sind gleichzeitig auch Freundinnen und Freunde – der Markt ist aber bis in die kleinsten Nischen hinein hart umkämpft.

Wen würden Sie gerne unter Vertrag nehmen? Wohin könnte es mit „Matches Music“ noch gehen?

David Buder: Unser Ziel ist es nicht, auf einen Zug aufzuspringen oder Trends nachzulaufen, sondern mit talentierten Musikerinnen und Musikern organisch und nachhaltig gemeinsam etwas aufzubauen – das können wir gut und das macht uns auch Spaß. So gesehen müsste unsere Antwort konsequenterweise eigentlich lauten: Wir würden gerne jemanden unter Vertrag nehmen, von dem zu diesem Zeitpunkt weder Sie noch wir etwas gehört haben.

In der nahen Zukunft möchten wir unseren geografischen Aktionsradius vergrößern. Momentan sind wir intensiv damit beschäftigt, neue internationale Partnerschaften zu gewinnen und bestehende zu vertiefen. Im Zuge dessen müssen wir viele Entscheidungen aus unternehmerischem Kalkül heraus treffen. Trotzdem entscheiden wir uns immer wieder bewusst dagegen, auf Masse zu setzen – unser eigener Anspruch ist es, nicht alles uneingeschränkt dem Wachstum als oberstem Ziel unterzuordnen. Das Produkt, mit dem wir letzten Endes arbeiten, ist ja immer die Musik. Es geht um Kunst und um Emotionen, das vergisst man in der Hektik des Alltags gern mal. Unser Ziel ist es, weiterhin kompromisslos künstlerische Visionen zu verfolgen, den inhaltlichen Anspruch hochzuhalten – und dabei unsere Liebe zur Musik nicht zu kurz kommen zu lassen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Ruth Ranacher

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