JAZZWERKSTATT GRAZ VOL. 20 – Eine österreichische Jazzinstitution feiert ihr 20-jähriges Bestehen

Zwanzig Jahre und kein bisschen leise: Die Jazzwerkstatt Graz feiert 2026 ihr rundes Jubiläum und macht einmal mehr deutlich, warum sie längst zu den prägenden Konstanten der heimischen Szene zählt. Was einst als lose Initiative engagierter Musiker:innen begann, ist heute eine Plattform, auf der sich zeitgenössischer Jazz in all seinen offenen, widerständigen und neugierigen Ausprägungen entfalten kann. Vom 22. bis 25. April wird das Orpheum Extra zum Schauplatz eines Festivals, das Rückschau und Gegenwart ebenso zusammendenkt wie Perspektiven für das Kommende.

Der Begriff „Werkstatt“ ist dabei Programm geblieben: Hier wird nicht verwaltet, sondern ausprobiert, zerlegt und neu zusammengesetzt. Jazz erscheint nicht als museale Form, sondern als bewegliches Material, das sich mit Pop, Elektronik und anderen Einflüssen verschränkt. Seit 2006 bietet das Festival jährlich ausgewählten Musiker:innen die Möglichkeit, aktuelle Arbeiten zu präsentieren – und hat sich dabei vom überschaubaren Treffpunkt zu einem überregional wahrgenommenen Ereignis entwickelt, das die Vielfalt und Vitalität des österreichischen Jazz exemplarisch sichtbar macht.

Der Auftakt am Mittwoch steht im Zeichen der Reflexion. Unter dem Titel „Sounds like Jazz“ versammelt sich eine prominent besetzte Runde, die die Entwicklung der Jazzwerkstatt nachzeichnet, ihre Rolle innerhalb der steirischen Kulturlandschaft diskutiert und zukünftige Linien skizziert. Im Anschluss schlägt Planet Yoni eine Brücke in die Gegenwart: Die Grazer Formation nutzt die Bühne für die Premiere neuer Stücke, die mit markanten Bläsersätzen, klarer Haltung und energetischer Bühnenpräsenz ein selbstbewusstes Statement setzen. Danach entwerfen Florian und Fabian Supancic mit „Radio FS2“ ein eigenwilliges Format zwischen Konzert und Hörspiel – eine Collage aus Komposition, Improvisation und Text, die das Duoformat als Raum für radikale Offenheit begreift.

Am Donnerstag rückt mit dem Tim Scherer Trio eine reduzierte, klanglich fein austarierte Ästhetik in den Fokus. Zwischen melodischer Klarheit und freiem Spiel entstehen fragile, schwebende Strukturen, die sich aus dem Moment heraus entwickeln. Der darauffolgende Programmpunkt verschiebt die Parameter deutlich: Unter der Leitung von Schlagzeuger Chris Smith treffen Jazz und Grunge aufeinander – nicht als kalkulierte Fusion, sondern als organisches Nebeneinander unterschiedlicher musikalischer Sozialisationen, getragen von Energie, Direktheit und einem klaren Bekenntnis zur emotionalen Wahrhaftigkeit.

Bild Slowklang
Slowklang (c) Carina Antl

Der Freitag öffnet den Blick über den europäischen Kontext hinaus. Der aus Buenos Aires stammende Gitarrist Martin Iaies verbindet in seinem Quartett lateinamerikanische Prägungen mit einer offenen Jazzsprache, in der unterschiedliche metrische Konzepte und stilistische Versatzstücke selbstverständlich koexistieren. Im Anschluss lotet das Wiener Trio slowklang die Grenzen von Songform und Improvisation aus. Mit ungewöhnlicher Besetzung und einem Gespür für dichte Klangräume entsteht Musik, die gleichermaßen reduziert wie intensiv wirkt und zum konzentrierten Zuhören einlädt.

Der Samstag richtet sich zunächst auf die Realität hinter der Musik. Die Diskussionsrunde „After The Degree“ thematisiert den Übergang vom Studium in die Praxis und beleuchtet die Bedingungen künstlerischer Arbeit zwischen Idealismus und ökonomischer Notwendigkeit. Den Abschluss bildet ein generationsübergreifendes Finale, das die Geschichte der Jazzwerkstatt nicht nur erzählt, sondern hörbar macht: Musiker:innen unterschiedlicher Jahrgänge treten gemeinsam auf und formulieren ein kollektives Statement für eine Szene, die sich stetig verändert und gerade darin ihre Stärke findet. So wird das Jubiläum weniger zur nostalgischen Rückschau als zu einer Momentaufnahme in Bewegung – ein konzentrierter Blick auf zwanzig Jahre kontinuierlicher Arbeit an einer Musik, die sich konsequent jeder Festschreibung entzieht.

Information zum Programm finden Sie unter https://jazzwerkstattgraz.at/programm/
Tickets unter https://jazzwerkstattgraz.at/tickets/

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