impuls Graz 2007 – Abschlusskonzert: Uraufführungen mit dem Klangforum Wien

Im Rahmen des Internationalen Kompositionswettbewerbs impuls 2007 wurden bereits im Vorjahr von einer Jury vier junge Komponistinnen und Komponisten ausgewählt und zum Schreiben neuer Stücke beauftragt, die am Mittwoch, 28. Februar in Graz unter der Leitung von Matthias Pintscher in der Grazer Helmut-List-Halle uraufgeführt werden und auch das Programm des nächsten Klangforum-Konzerts am 14.3. im Wiener Konzerthaus bilden. Mit diesem attraktiven Konzert geht die bestens besuchte Grazer impuls-Ensembleakademie 2007 zu Ende.

Bilderstürmer?Den nominierten Preisträgern Maja Ratkje (Trondheim), Robin Hoffmann (Bielefeld), Eduardo Moguillansky (Buenos Aires) und Clemens Nachtmann (Graz/Österreich) wurde schon bei der Auftragsvergabe, passend  zum Motto des  Klangforum-Zyklus im Wiener Konzerthaus (“Monumente”), das Wort “Bildersturm” zugeflüstert. Eine gewisse Bürde, die man ihnen da zumutete. Aber wer sonst, wenn nicht die jüngere Komponistengeneration, sollte in der Lage sein, Monumente zum Einsturz, zumindest zum Wackeln zu bringen.

 

Robin Hoffmann (*1970), vielfach bereits bei internationalen Festivals (ur)aufgeführt, derzeit freischaffender Komponist und Gitarrist in Frankfurt am Main sowie erster Vorsitzender der Frankfurter Gesellschaft für neue Musik, pfeift uns jedenfalls was. Sein Stück trägt den Titel “Kunst pfeifen”. “Ilse Werner pfeift, Ennio Morricone lässt Cowboys pfeifen. Im Barock, so liest man auf der Website der International Artwhistling Philharmonic Society, war es gang und gäbe, auch in der Kunstmusik zu pfeifen. Mir schwebt Adagio-Schönes vor – eingeleitet durch einen Protagonisten des Trivialen.”

 

Maja S. K. Ratke, Komponistin, Performerin, Sängerin und Keyboarderin aus Trondheim ließ schon mit jungen Jahren als Mitglied des aus vier Norwegerinnen bestehenden radikalen Improvisationsensembles Spunk und mit dem Noise-Duo Fe-Mail aufhorchen. Elektronik, Improvisation, Live-Samples der eigenen Stimme, Gebrauch altmodischer Instrumente – alle diese Ingredienzien mischt die Norwegerin ohne Berührungsängste und kann somit auch in der Beschreibung ihres Concerto for voice (moods IIIb) unbekümmert für sich in Anspruch nehmen: “Mit diesem neuen Stück etabliere ich jetzt eine neue Tradition, die ich offen gesagt nicht als am Ende stehend betrachte.” Das Stück,” erfährt man weiter, “wurde geschrieben, um zu erforschen, was passiert, wenn man eine Nahaufnahme einer erweiterten, super-individualistischen, selbst trainierten Stimme vor einem dynamischen Orchester platziert.”

 

Eduardo Moguillansky (*1977) aus Buenos Aires, derzeit Stipendiat der Mozarteum Stiftung, kann sich über mangelnde Kompositionsaufträge und Projekte (u. a. auch für das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR oder für das Ensemble Modern) nicht beklagen. Sein neues Stück “double”  experimentiert, wie schon die vorangegangenen Werke “el pulso de lo inmovil” (2005) oder “limites” (2006), mit Phänomenen der Erinnerung und der Zeitwahrnehmung. “Die Verschmelzung der Kategorien des Simultanen und des Nacheinanders ermöglichen die Krümmung des Zeitvektors und die Verzweigung in verschiedene Zeiträume (.) Es entsteht so eine Metazeit – eine Zeit außerhalb der Zeit -, in der jedes Zeitfenster einen Schnappschuss der Klanglichkeit verkörpert.”

 

Clemens Nachtmann (*1965 in Neustadt a. d. Waldnaab), auch er bei diversen wichtigen  Wettbewerben in jüngerer Zeit mehrfach preisgekrönt, Abschluss vielfältiger Kompositionsstudien (zuvor auch Politikwissenschaft) in Deutschland und zuletzt bei Beat Furrer in Graz, lehrt seit 2005 an der Kunstuniversität Musiktheorie und Gehörschulung. Von ihm kommt das Stück esplorazioni (moto con perpetuo II) zur Uraufführung. Nachtmann komponiert nicht nur, er veröffentlicht bereits seit den 1980-er Jahren auch brillante Vorträge und Aufsätze. Zum “Bildersturm” und zur Frage der Modernität provoziert er mit folgender These: “Modernität ist keine chronologische, sondern eine qualitative Kategorie, meint nicht das hier und heute Vorfindliche, sondern den – nach wie vor – unabgegoltenen Vorschein einer besseren Zukunft, gleich zu welcher Zeit es in die Welt trat. Das bedeutet, dass Älteres und scheinbar Vergangenes wie etwa ein Streichquartett von Schubert oder eine Fuge von Bach höchst avantgardistische, mit Jetztzeit erfüllte Musik darstellen, während die zeitgenössische Musik in ihrer Mehrheit veraltet und von vorgestern ist. So begriffen, ist das viel geschmähte und in regelmäßigen Abständen totgesagte serielle Komponieren, dessen durchaus dialektische Pointe darin bestand, dass es, entgegen dieser Zuschreibung, sich bei ihm um Reihen am allerwenigsten mehr dreht, in höchstem Sinne modern und aktuell.”

 

Abschlusskonzert impuls 2007:
Klangforum Wien / Matthias Pintscher
28.2., Helmut-List-Halle, Beginn: 19.30 Uhr
Tickets 0676 742 6000 ; tickets@impuls.cc

 

Links:
Klangforum Wien
Impuls Graz