IMA 20+

IMA Institut für Medienarchäologie feiert am 21. und 22. August 2026 sein mehr als 20-jähriges Bestehen mit Kunstparcours und Konzerten im AKW Zwentendorf.

1. IMA Institut für Medienarchäologie feiert 20 Jahre Medienkunst und Forschung

Das IMA Institut für Medienarchäologie – feiert 2026 sein mehr als 20-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung durch die Komponistin und Medienkünstlerin Elisabeth Schimana im Jahr 2005 beschäftigt sich das Institut mit der Geschichte, Gegenwart und Zukunft elektronischer Kunst, akustischer Medien und digitaler Technologien.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelte sich das IMA von einer experimentellen Initiative in Hainburg zu einer international vernetzten Plattform für künstlerische Forschung, Medienarchäologie, elektroakustische und digitale Kunst. Das Institut arbeitet an den Schnittstellen von analog und digital, Klang und Technologie, Archiv und Zukunftsvision.

Zentrale Themen des IMA sind:

  • Medienarchäologie und Klangforschung
  • elektronische und elektroakustische Musik
  • feministische Perspektiven auf Technikgeschichte
  • Sichtbarmachung weiblicher Pionierinnen elektronischer Kunst
  • gesellschaftliche Auswirkungen technologischer Entwicklungen
  • künstlerische Forschung zwischen Wissenschaft, Performance und Installation

Das IMA versteht Medienarchäologie nicht als nostalgischen Blick zurück, sondern als kritische Auseinandersetzung mit technologischen Entwicklungen und ihren gesellschaftlichen Konsequenzen. Die Geschichte der Medien wird dabei als nicht-lineare Bewegung verstanden – als ein rekursiver Prozess aus Vergessen, Wiederentdecken und Neubewertung.

Mit Projekten wie „Zauberhafte Klangmaschinen“, „Maschinen Divas“, der Serie „IMAfiction Portraits“, „Hidden Alliances“ oder aktuellen Arbeiten zu digitaler Selbstverteidigung und künstlicher Intelligenz hat das IMA die österreichische Medienkunstszene wesentlich geprägt. Zum 20-jährigen Bestehen lädt das IMA nun zu einem außergewöhnlichen Jubiläumsprojekt ins AKW Zwentendorf – an einen Ort, der wie kaum ein anderer für technologische Zukunftsutopien, gesellschaftliche Konflikte und historische Wendepunkte steht.

2. Die Jubiläumsveranstaltung IMA 20+

Unter dem Titel IMA 20+ verwandelt sich das stillgelegte AKW Zwentendorf am 21. und 22. August 2026 in einen begehbaren Kunst- und Erfahrungsraum.

Die Veranstaltung verbindet Performance, Klangkunst, Installation, Science-Fiction-Erzählung, Konzert und medienarchäologische Reflexion zu einem Ausflug in das Kraftwerk.

Das Publikum bewegt sich auf dem Gelände ins Innere des Kraftwerks, zum Kühlturm und in die Alte Werkstätte. Am Weg gibt es zur Stärkung Essen & Trinken beim Foodtruck „Rolling Kitchen“.

Zwischen Science Fiction, Medienarchäologie und techno-politischer Reflexion entwickelt sich ein Spaziergang, der Fragen zu Erinnerung, Technologie, Kontrollsystemen und gesellschaftlicher Verantwortung stellt.

Dass die Veranstaltung im AKW Zwentendorf stattfindet, ist bewusst gewählt. 2026 jährt sich die Katastrophe von Tschernobyl zum 40. Mal. Das Jubiläumsprojekt verbindet damit historische Erinnerung mit gegenwärtigen Debatten über Technologie, Energiepolitik, Verantwortung und Zukunftsentwürfe.

IMA 20+ versteht sich als poetische, kritische und zugleich sinnliche Auseinandersetzung mit Zukunftsvisionen und ihren Brüchen.

AKW Zwentendorf
AKW Zwentendorf @ IMA

3. Kunstparcours „Gegen den Strom Segel setzen zur Vergangenheit – und Zukunft“

Im Zentrum steht eine fiktive Geschichte:

Die RV (Research Vessel) IMA gerät in einen interdimensionalen Raumzeitstrudel und kollidiert mit dem Kraftwerk Zwentendorf. Eigentlich sollte die Reise ins Jahr 2030 führen – stattdessen landet die Crew im Jahr 2026. Das Schiff ist schwer beschädigt, die künstliche Intelligenz „TIM“ droht auszufallen. Nur eine längst verschwundene Sprechmaschine aus dem Jahr 1996 könnte das System retten.

Der Kunstparcours im AKW, der von Klaudia Zotzmann-Koch konzipiert wurde, führt durch die Geschichte und Zukunft von IMA.

Entlang der Route entstehen künstlerische Stationen, Klangräume und performative Situationen. Das AKW ist dabei nicht bloß Kulisse, sondern selbst Teil der Erzählung. Die Besucher:innen bewegen sich in Gruppen von maximal 25 Personen durch das Gebäude. Zwei Gruppen nehmen jeweils unterschiedliche Wege durch die Anlage. Dadurch entstehen individuelle Erfahrungen und wechselnde Perspektiven auf die Geschichte.

Zu den Stationen gehören unter anderem:

Eingang / Kontrollbereich

Die Gruppen erleben die „Kollision“ der RV IMA mit dem Kraftwerk. Die Crew erkennt, dass sie im Jahr 2026 feststeckt.

Brennelementwechselbühne

Fehlersuche und erste Hinweise auf die verschwundene Sprechmaschine.

Revisionsöffnung des Sicherheitsbehälters

Experimente, Fehlfunktionen und Versuche, die künstliche Intelligenz TIM zu retten.

Kondensationskammer

Der dramatische Moment: TIM scheint endgültig ausgefallen zu sein.

Steuerstabantriebsraum

Eine neue Idee entsteht – möglicherweise die letzte Chance zur Rettung.

Maschinenhalle Die Besucher:innen begegnen Fragmenten der Geschichte, Teasern aus der Welt der RV IMA und weiteren Teilen der Schiffstechnologie.

Schaltwarte – Finale

Alle Beteiligten arbeiten zusammen, um die historische Sprechmaschine zu aktivieren. Die RV IMA hebt erneut ab.

Die Zwischenräume des Kraftwerks werden dabei ebenso bespielt wie die Hauptstationen. Licht, Klang, Textfragmente und mediale Interventionen schaffen ein immersives Gesamterlebnis.

An dem Projekt beteiligt sind zahlreiche Künstler:innen aus den Bereichen Klangkunst, Performance, Medienkunst und experimentelle Musik.

4. Die Storywelt der RV IMA

Die RV (Research Vessel) IMA ist ein fiktives Forschungsschiff, das zwischen Zeiten und Dimensionen reist. Nach einem Unfall strandet es direkt vor dem Kraftwerk Zwentendorf.

Durch die Kollision öffnen sich Raumzeit-Risse. Teile des Schiffs erscheinen im Gebäude des AKW, Grenzen zwischen Realität und Fiktion lösen sich auf.

Die Crew versucht verzweifelt, die beschädigte Schiffs-KI „TIM“ zu reparieren. Doch wesentliche Systeme des Schiffs basieren auf einer historischen Sprechmaschine, die seit 1996 verschwunden ist.

Die Geschichte verbindet unterschiedliche Zeitebenen:

  • die Vergangenheit der analogen Medientechnologien
  • die Gegenwart digitaler Kontrollsysteme
  • mögliche Zukunftsszenarien technologischer Gesellschaften
  •  

Die Besucher:innen bewegen sich dabei nicht nur durch Räume, sondern auch durch mediale Schichten und technologische Erinnerungsspuren.

Die fiktionale Erzählung dient als künstlerischer Rahmen für zentrale Themen des IMA:

  • Wie schreiben Technologien Geschichte?
  • Welche Systeme überdauern?
  • Was verschwindet aus dem kulturellen Gedächtnis?
  • Welche gesellschaftlichen Entscheidungen bestimmen die Zukunft?
  • Wer wird in Technologiegeschichten sichtbar gemacht – und wer nicht?

Die Storywelt der RV IMA verbindet Science Fiction mit Medienarchäologie und entwickelt daraus eine künstlerische Form des Nachdenkens über Gegenwart und Zukunft.

5. Konzertinstallation im Kühlturm

Ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung ist die Konzertinstallation im Kühlturm des AKW.

Dort erklingt Jetsun Mila, ein rund 80-minütiges Konzert mit Musik der französischen Komponistin Éliane Radigue – einer der bedeutendsten Pionierinnen elektronischer Musik.

Unter dem Einfluss des Tibetischen Buddhismus und des Yogi Milarepa komponierte sie Jetsun Mila, eine Beschwörung des Lebens dieses Meisters (der Titel bedeutet so viel wie „Verehrter Meister Mila“).

Das Publikum erlebt die Aufführung in Liegestühlen im Inneren des Kühlturms. Die spezielle Akustik und die monumentale Architektur des Raums schaffen eine außergewöhnliche Hörsituation.

Die Musik von Éliane Radigue arbeitet mit langsamen Veränderungen, minimalen Verschiebungen und intensiven Klangräumen. Das Konzert versteht sich als Einladung zur Konzentration, zur Wahrnehmung von Zeit und zum bewussten Hören. Ein Konzert als buddhistische Klangreise. Die Konzertinstallation bildet zugleich einen meditativen Gegenpol zur industriellen Architektur des Kraftwerks und zur dystopischen Erzählung der RV IMA.

6. Massive Sounds mit dem Wiener Akusmonium

An beiden Abenden finden in der Alten Werkstätte Konzerte mit dem Wiener Akusmonium statt. Der Focus liegt auf Künstlerinnen, die in der IMAfiction Serie portraitiert wurden oder im IMA-Kontext in Erscheinung getreten sind.

Werke folgender Künstler:innen kommen zur Aufführung: Beatriz Ferreyra / Thomas Gorbach / Cora Leli Hausch / Electric Indigo / Katharina Klement / Louise Rossiter / Jakob Schauer / Elisabeth Schimana und Mieko Suzuki.

Das Wiener Akusmonium ist ein großes Lautsprecherorchester für elektroakustische und akusmatische Musik in Wien. Es besteht aus vielen unterschiedlich klingenden Lautsprechern, die im Raum verteilt werden, damit Komponist:innen oder Klangregisseur:innen Musik „räumlich projizieren“ können. Der Begriff „Akusmonium“ stammt ursprünglich aus Frankreich und wurde in den 1970ern am Groupe de Recherches Musicales geprägt. Die Idee: Elektroakustische Werke sollen nicht einfach nur stereo abgespielt werden, sondern als räumliches Klangerlebnis aufgeführt werden.

7. IMA Institut für Medienarchäologie

Das IMA wurde 2005 von Elisabeth Schimana und Andrea Sodomka gegründet.

Ausgangspunkt war die Idee, technologische und mediale Entwicklungen nicht nur historisch zu dokumentieren, sondern ihre kulturellen Tiefenschichten freizulegen.

Das Institut arbeitet an der Schnittstelle von:

  • Kunst
  • Forschung
  • Technologie
  • Archivarbeit
  • Performance
  • gesellschaftspolitischer Reflexion

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Sichtbarmachung von Frauen in der Geschichte elektronischer Kunst und Medienkultur.

Projekte wie „Maschinen Divas“ oder die Filmreihe „IMAfiction Portraits“ widmen sich Pionierinnen elektronischer Musik und Medienkunst, deren Arbeiten lange übersehen oder marginalisiert wurden.

Das IMA arbeitet projektorientiert und international vernetzt. Zahlreiche Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Medienkünstler:innen waren in den vergangenen 20 Jahren an Projekten beteiligt.

Heute hat das IMA seinen Sitz in St. Pölten und ist Teil eines weitreichenden Netzwerks zeitgenössischer Kunst- und Forschungsinitiativen.

Die Arbeit des Instituts beschäftigt sich zunehmend auch mit aktuellen Fragen:

  • künstliche Intelligenz
  • digitale Kontrollsysteme
  • Plattformökonomie
  • digitale Selbstverteidigung
  • Archivierung digitaler Kultur
  • politische Auswirkungen technologischer Entwicklungen

Das IMA versteht Kunst dabei als Raum kritischer Reflexion und gesellschaftlicher Auseinandersetzung.

Elisabeth Schimana
Elisabeth Schimana © Reinhard Mayr

8. Elisabeth Schimana – Komponistin, Medienkünstlerin, Gründerin

Elisabeth Schimana zählt zu den bedeutendsten österreichischen Komponistinnen im Bereich elektronischer und elektroakustischer Musik.

Geboren 1958 in Innsbruck, lebt und arbeitet sie heute in Niederösterreich.

Ihr Werk bewegt sich zwischen Komposition, Performance, Klangkunst, Installation und künstlerischer Forschung. Seit Jahrzehnten setzt sie sich mit den Beziehungen zwischen Körper, Klang, Technologie und gesellschaftlichen Strukturen auseinander.

Ihre Arbeiten zeichnen sich durch intensive Klangräume, physische Präsenz und experimentelle Formen des Hörens aus.

Neben ihrer eigenen künstlerischen Arbeit initiierte und kuratierte Elisabeth Schimana zahlreiche Projekte und Plattformen zur Sichtbarmachung elektronischer Kunst und weiblicher Mediengeschichte.

Mit der Gründung des IMA schuf sie eine Institution, die Medienarchäologie als künstlerische Praxis etabliert hat.

Ihre Arbeiten wurden international präsentiert und vielfach ausgezeichnet.

Für Elisabeth Schimana ist Medienkunst immer auch gesellschaftliche Praxis. Technologische Entwicklungen werden nicht isoliert betrachtet, sondern in Zusammenhang mit Machtstrukturen, historischen Narrativen und kulturellen Ausschlüssen. Diese Haltung prägt auch das Jubiläumsprojekt IMA 20+.

9. Medienarchäologie als kulturelle Praxis

Das IMA versteht Medienarchäologie als aktive kulturelle Praxis.

Dabei geht es nicht nur um historische Geräte oder Technologien, sondern um die Frage, wie technische Systeme Wahrnehmung, Gesellschaft und Erinnerung beeinflussen.

Mediengeschichte wird dabei als offene Bewegung verstanden:

Technologien verschwinden nicht einfach. Sie hinterlassen Spuren, Denkformen, Machtstrukturen und kulturelle Bilder.

Viele Entwicklungen, die heute als neu erscheinen – etwa Diskussionen über künstliche Intelligenz, Überwachung oder digitale Kontrolle – wurden bereits in früheren technologischen Phasen verhandelt.

Die Arbeit des IMA macht solche historischen Kontinuitäten sichtbar.

Gleichzeitig beschäftigt sich das Institut mit Brüchen und Leerstellen in der Geschichtsschreibung:

Welche Künstler:innen wurden vergessen? Welche Perspektiven fehlen? Welche technologischen Entwicklungen wurden verdrängt?

Insbesondere die Beiträge von Frauen zur Geschichte elektronischer Kunst stehen dabei im Fokus.

Die Verbindung von Archivarbeit, künstlerischer Forschung und Performance schafft dabei neue Formen der Wissensvermittlung. IMA 20+ setzt diese Arbeitsweise im AKW Zwentendorf fort – an einem Ort, der selbst ein Symbol technischer Zukunftsvisionen und gesellschaftlicher Konflikte ist.

10. Informationen zur Veranstaltung

Veranstaltung | IMA 20+ Kunstparcours und Konzertinstallation im AKW Zwentendorf

Termine | Freitag, 21. August 2026 & Samstag, 22. August 2026

Ort | AKW Zwentendorf, 3435 Zwentendorf an der Donau

Info & Tickets | www.ima.or.at

FREITAG, 21. AUGUST

KONZERTINSTALLATION JETSUN MILA IM KÜHLTURM| Dauer: ca. 80 Minuten | 18:30 Uhr – 19.50 Uhr

KONZERT IN DER ALTEN WERKSTÄTTE | ab 20.30 Uhr

SAMSTAG, 22. AUGUST

KUNSTPARCOURS | Slot 1: 16-18 Uhr | Slot 2: 14-16 Uhr | Geführte Touren durch das AKW Dauer: ca. 2 Stunden; Gruppengröße: maximal 25 Personen |

KONZERTINSTALLATION JETSUN MILA IM KÜHLTURM| Dauer: ca. 80 Minuten | ab 16 Uhr

KONZERT IN DER ALTEN WERKSTÄTTE | ab 19.30 Uhr

Für Gäste gibt es einen Shuttledienst vom Bahnhof Tullnerfeld zum AKW und zurück. Nähere Infos zu Anreise und Übernachtung hier: info

Catering: Foodtruck Rolling Kitchen

Tickets

Parcours: 40 Euro | Ermäßigt für Studierende: 30 Euro

Konzert: 20 Euro | Ermäßigt für Studierende: 10 Euro

Kombiticket: 60 Euro |

Ermäßigt für Studierende: 40 Euro Shuttle vom Bahnhof Tullnerfeld zum AKW: 5 Euro

Künstlerische Mitwirkende

Cordula Bösze Martin Breindl Klaus Filip Günther Gessert Clemens Haas Arnold Haberl / noid Reni Hofmüller Philip Leitner Margarethe Maierhofer-Lischka Norbert Math Sandro Nicolussi Nicole Pruckermayr Jakob Scheid Christine Schörkhuber Andrea Sodomka Anne Wellmer Tamara Wilhelm Eva Ursprung Julia Zdarsky / starsky u.a.

Links:
IMA Institut für Medienarchäologie
Ein halbes Jahrhundert experimentelle Musikgeschichte – Elisabeth Schimana im Gespräch
Von Max Brand und Virus bis Radiokunst. Ein halbes Jahrhundert experimentelle Musikgeschichte mit Elisabeth Schimana, Teil 2