wellenklaenge 2026 – Empathie & Widerstand

Gegenwartsmusik, Jazz, Folk, Neue Musik, Literatur, Diskurs und gelebte Offenheit: Die wellenklænge verwandeln Lunz am See von 10. bis 25. Juli erneut in einen Ort der Begegnung, an dem künstlerische Vielfalt nicht bloß Schlagwort, sondern gelebte Praxis ist. Unter dem diesjährigen Leitmotiv „Empathie & Widerstand“ entfaltet sich ein Programm, das gesellschaftliche Fragen ebenso ernst nimmt wie die Kraft der Kunst, neue Perspektiven zu eröffnen. Eingebettet in die eindrucksvolle Naturkulisse des Lunzer Sees versammelt das Festival heimische Größen, internationale Gäste und spannende Nachwuchsstimmen zu einem ebenso vielschichtigen wie inspirierenden Gesamterlebnis.

Den Auftakt gestalten Die Strottern, die gemeinsam mit der JazzWerkstatt Wien und der vielfach ausgezeichneten Autorin Teresa Präauer die Seebühne in einen Ort zwischen Wienerlied, Jazz und literarischer Reflexion verwandeln. Bereits am darauffolgenden Abend trifft mit dem Trio Reijseger Fraanje Sylla eine außergewöhnliche Formation auf das Lunzer Publikum, die Jazz, afrikanische Gesangstraditionen und klassische Einflüsse zu einer unverwechselbaren Klangsprache verbindet.

Bild Die Strottern & JazzWerkstatt Wien
Die Strottern & JazzWerkstatt Wien © Victoria Nazarova

Zu den weiteren musikalischen Höhepunkten zählt die Matinee mit der Cellistin Asja Valcic, die ihr Soloalbum „Inner Voice“ präsentiert, ebenso wie die Begegnung der Bratschistinnen Jelena Popržan und Flora Geißelbrecht, deren Duo zwischen Improvisation, Folk, Neuer Musik und experimentellen Ausdrucksformen neue Räume eröffnet. Internationale Klangwelten bringt die polnische Formation Skład Niearchaiczny nach Lunz, während David Helbock, Julia Hofer und Mahan Mirarab eindrucksvoll zeigen, wie Jazz, persönliche Geschichten und kulturelle Einflüsse zu etwas Neuem verschmelzen können.

Auch die Suche nach ungewöhnlichen Konzertformaten bleibt ein Markenzeichen der wellenklænge. Das improvisatorische „Klang.Bad“, die kreativen Ergebnisse des Composer-Performer Music Lab, die musikalischen Interventionen beim See.Rund.Gang oder das offene Singen des erstmals stattfindenden Widerstandschors machen deutlich, dass hier nicht nur präsentiert, sondern gemeinsam gestaltet wird.

Darüber hinaus setzen Diskursveranstaltungen mit Persönlichkeiten wie Sara Hassan und Noura Maan wichtige inhaltliche Akzente. Literatur, Erzählkunst und interdisziplinäre Projekte erweitern den musikalischen Horizont zusätzlich und unterstreichen den Anspruch des Festivals, unterschiedliche Ausdrucksformen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Bild EsRAP & Marino Formenti
EsRAP & Marino Formenti © Celine Schäfer

Zum Finale warten noch einmal große Namen: Die Zusammenarbeit von EsRAP und Marino Formenti, eine audiovisuelle Installation rund um Tahereh Nourani sowie das Abschlusskonzert von Yasmo & die Klangkantine versprechen einen kraftvollen Schlusspunkt. Die wellenklænge 2026 präsentieren sich damit einmal mehr als Festival, das stilistische Grenzen hinter sich lässt und Musik als lebendige Form des Austauschs, der Neugier und des gemeinsamen Nachdenkens begreift.

Alle Infos zum Programm und Tickets finden Sie unter https://wellenklaenge.at/programm-2026/


Julia Lacherstorfer & Simon Zöchbauer, die beiden Festival-Intendant*innen, zum diesjährigen Festivalthema

Eine Einladung, die Welt auszuhalten. Oder, sie zu verändern.

Wir leben in einer Zeit, in der Freude und Verzweiflung ineinander verschwimmen. Wo ein Kind geboren wird, während anderswo Tausende sterben, wo Hoffnung wächst, während Gerechtigkeit fehlt. Diese Gleichzeitigkeit ist ein Geräusch, das man kaum zu überhören vermag. Es schreit zu uns, flüstert und fleht. Das zu ertragen, wie wir trotzdem aufnahme- und handlungsfähig bleiben, wann wir hinhören und wie wir widerständig und wehrhaft sein können, damit wollen wir uns während der kommenden Festivalperiode beschäftigen.

Bild der wellenklänge-Intendanz Julia Lacherstorfer & Simon Zoechbauer
Intendanz wellenklaenge: Julia Lacherstorfer & Simon Zoechbauer © wellenklaenge / Julia Geiter

Ambiguitätstoleranz ist nichts Kaltes, Rationales – sie ist die Fähigkeit, die Welt nicht erst sortieren zu müssen, um sie spüren zu können. Sie eröffnet Räume, in denen Konflikte ausverhandelt werden können. Wir können nur dann lebendig sein, wenn wir in Resonanz treten. Wenn die Welt uns berührt und wir uns berühren lassen. Doch diese Resonanz findet nicht nur im Glatten, sondern auch im Rauen statt. Sie entsteht dort, wo wir das Unaushaltbare nicht wegschieben, sondern zulassen. Doch wer die Welt auf diese Weise wahrnimmt, wird unweigerlich Momente erleben, in denen Empathie alleine nicht mehr ausreicht und wir gezwungen sind, in Aktion zu treten.

Die Geschichte erzählt uns von unzähligen solchen Momenten: vom beharrlichen Atem des Civil Rights Movement, vom Widerstand gegen den Nationalsozialismus, von indigenen Gemeinschaften, die ihre Territorien gegen Zerstörung verteidigen, sowie in jüngster Vergangenheit von Widerstandschören auf den Straßen von Minneapolis und vom blutigen Aufstand im Iran, der wie ein Herzschlag durch die Länder ruft: Jin, Jiyan, Azadî.

In solidarischen Räumen, migrantischen Selbstorganisationen, queer-feministischen Safe(r) Spaces, Nachbarschaftsküchen und Kulturkollektiven entsteht eine Vielzahl von Bewegungen, die Widerstand durch gelebte Praxis Realität werden lassen. 

Gerade in den aktuellen Zeiten, wo viele Kulturinitiativen mit existenzbedrohenden finanziellen Kürzungen konfrontiert sind, möchten die wellenklænge ein solidarischer Raum sein, an dem Empathie zur politischen Kraft wird. Ein Ort, an dem sich Widerstand künstlerisch äußern darf. Ein Resonanzraum, in dem wir üben, die Widersprüchlichkeit unserer Zeit auszuhalten, und lernen, nicht zu verstummen.
Wir singen, also sind wir.

Herzlich willkommen! Julia Lacherstorfer & Simon Zöchbauer

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