„Ich habe mich bei Berklee beworben, ohne meinen Eltern etwas davon zu sagen“ – Elena Plank im mica-Interview

Dominik Beyer im Gespräch mit Elena Plank über ihr Studium am Berklee College of Music, die Musikszene in den USA, Songwriting zwischen Struktur und Chaos und ihren Neustart in Österreich.

Du hast dich heimlich für Berklee beworben?

Elena Plank: Ja. Ich war damals am VMI und habe mich währenddessen bei Berklee beworben, ohne meinen Eltern etwas zu sagen. Ich habe das alles nebenbei selbst organisiert und bezahlt. Irgendwann konnte ich dann sagen: „Ich habe ein Stipendium bekommen. Jetzt können wir darüber reden.“

Wie lief Aufnahmeprüfung ab?

Elena Plank: Das war 2021, also während Covid. Deshalb fand die Aufnahmeprüfung über Zoom statt und ich musste gar nicht in die USA fliegen. Ich habe sie einfach im Keller gemacht. Ich musste eigene Lieder singen, es gab Gehörbildung, ein Aufnahmegespräch und Rhythmusübungen. Außerdem ging es um meinen bisherigen Werdegang und meine Motivation.

Ich hatte mich sehr gezielt darauf vorbereitet. Damals fand ich „Vienna“ von Billy Joel so toll, und das war dann auch eines meiner Stücke für die Aufnahmeprüfung. Wir haben es so modifiziert, dass es individueller wurde. Dazu kam ein eigener Song.

Dann wurde ich aufgenommen. Meine Eltern haben zuerst gesagt: „Wir lassen dich nicht gehen.“ Drei Monate später war ich trotzdem dort und habe angefangen zu studieren.

Wenn wir noch einmal zurückgehen: Wie bist du überhaupt zur Musik gekommen?

Elena Plank: Als ich ganz klein war, bin ich viel bei meinen Großeltern gewesen. Die haben oft die Kelly Family geschaut, und die Videos habe ich stundenlang mit meinem Opa angesehen. Irgendwann habe ich gesagt, dass ich Geige spielen möchte. Bis heute weiß niemand so genau, woher das kam.

Meine Handgelenke haben aber nicht mitgemacht. Also habe ich mit Gitarre angefangen und mich dann durch die Musikschule probiert: Kontrabass, Hackbrett und vieles mehr. Am Ende habe ich vor allem Gitarre, Geige und Gesang gemacht und mir selbst Klavier beigebracht.

So bin ich zum Songwriting gekommen. Später war ich ein Jahr als Highschool-Austauschschülerin in Amerika und habe dort extrem viele Texte geschrieben. Danach wusste ich: Das möchte ich studieren.

“Die Kommunikation mit den Produzent:Innen war […] oft mühsam “

Ah, ich dachte, du hast Musikproduktion studiert?

Elena Plank: Zuerst Songwriting. Aber irgendwann war mir das nicht genug. Im Studio habe ich gemerkt, dass mir das Fachvokabular fehlt. Die Kommunikation mit den Produzent:Innen war dadurch oft mühsam. Du versuchst mit Händen und Füßen zu erklären, welchen Sound du an welcher Stelle haben möchtest.

Deshalb habe ich zusätzlich Independent Recording and Production studiert. Da ging es um Recording Techniques, Reverbs, Delays, Song-Arrangement, Synths und Instrumentierung. Eigentlich hätte das Studium länger dauern können, aber ich wollte fertig werden und habe es in vier Jahren durchgezogen.

Was hat dich dort am meisten weitergebracht – die Ausbildung oder die Community?

Elena Plank: Die Professor:innen auf jeden Fall – aber auch die Community ist extrem stark. Berklee ist wie ein eigener Organismus. Jeder hilft irgendwie jedem, und man feuert sich gegenseitig an.

Viele Professor arbeiten selbst in der Musikindustrie und haben teilweise mit Weltstars gearbeitet. Natürlich geben sie dir nicht einfach ihre Kontakte. Du musst dir ihr Vertrauen verdienen. Wenn das da ist, stellen sie dich irgendwann Leuten aus ihrem Netzwerk vor.

So habe ich zum Beispiel die Managerin, für die ich arbeite, kennengelernt. Das basierte komplett auf Vertrauen.

Mit einigen meiner Professor:innen bin ich bis heute in Kontakt. Wenn ich Fragen zur Musikbranche habe, steht ihre Tür weiterhin offen. So ein Netzwerk ist unglaublich wertvoll.

Elena Marisa by Sean Douglas
Elena Marisa © Sean Douglas

Was hat dich an der amerikanischen Arbeitsweise besonders beeindruckt?

Elena Plank: Dieser positive Vibe. Natürlich kann das manchmal ins toxisch Positive übergehen, aber gerade bei der Arbeit habe ich es als sehr angenehm erlebt.

Bei den Leuten, mit denen ich gearbeitet habe, war es immer: „Das wird schon. Das machen wir. Wie willst du es haben? Dann verändern wir es eben noch einmal.“
Ich bin jemand, der sich Dinge auch noch einmal anders überlegt, obwohl eigentlich schon entschieden war, dass etwas fertig ist. Dann ändern wir es zum hunderttausendsten Mal. Das ist allen egal – Hauptsache, das Produkt ist am Ende gut.

Dieses ständige „Ja, machen wir!“ hat mich sehr geprägt.

Wieder zurück in Österreich

Mittlerweile bist du wieder in Österreich. Warum?

Elena Plank: Die Visabestimmungen in den USA sind sehr streng, und ein laufender Prozess hat sich für mich zeitlich und inhaltlich nicht mehr sinnvoll angefühlt. Ich habe mich deshalb entschieden, vorerst nach Österreich zurückzugehen und mir von hier aus etwas aufzubauen. Die Tür in die USA möchte ich mir aber offenhalten.

Du bist eigentlich mitten in der Albumproduktion deines eigenen Projektes “Ella Marisa”. Wie arbeitest du daran jetzt?

Elena Plank: Ich habe ein Core-Team aus drei Produzent:innen, die gleichzeitig Songwriter sind. Mit ihnen arbeite ich an meinem Album.

Das hat eigentlich eher aus Spaß angefangen. Meine erste EP war fertig und ich wusste nicht genau, wie es weitergehen sollte. Gleichzeitig hatte ich ständig verrückte Textideen, bei denen ich selbst noch nicht wusste, worum es eigentlich geht. Die habe ich in Sessions mitgebracht und gesagt: „Können wir bitte das Verrückteste daraus machen? Mach irgendetwas, das du noch nie gemacht hast.“

Wir haben Synths verzerrt, Sounds verändert und viel experimentiert. Ich wollte Sachen hören, die mich selbst überraschen und bei denen man denkt: Ich will wissen, wie es weitergeht.

Früher war ich sehr Type A. Alles musste genau einer bestimmten Struktur folgen. Bei diesem Album ist es komplett frei. Oft hatte ich zuerst Textideen, die letztendlich in Verse 2 gelandet sind. Daraus hat sich dann der ganze Song entwickelt. Der Chorus war manchmal das Letzte, was wir geschrieben haben. Ich hatte bis fast zum Schluss keine Ahnung, worum es eigentlich geht. Ich habe bei diesem Album ständig das Pferd von hinten aufgezäumt.

Wenn ich dagegen für andere Künstlerinnen und Künstler schreibe, bin ich viel strukturierter. Dann frage ich: Was beschäftigt dich? Wo wollen wir hin? Was hörst du gerne?

Da orientiere ich mich sehr an der jeweiligen Person. Nur in meinem eigenen Chaos bin ich chaotisch.

Ein Album über Zoom

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Dein Team ist weiterhin in den USA. Funktioniert das auf Distanz?

Elena Plank: Ja. Natürlich ist es mühsamer, aber wir haben damit Erfahrung. Meine erste EP haben wir komplett über Zoom geschrieben. Wir waren beim Schreiben nie gemeinsam in einem Raum.

Ich habe etwas aufgenommen und geschickt, jemand anderes hat daran weitergearbeitet und es zurückgeschickt. Vocals habe ich selbst aufgenommen, produziert und bearbeitet.

Natürlich ist es einfacher, gemeinsam in einem Raum zu sitzen. Aber es funktioniert. Und ich finde es schön, dass mein Team weiterhin sagt: Wir wollen mit dir arbeiten.

Musik ist mehr als der Song

Ist Musikbusiness ein großer Teil des Studiums bei Berklee?

Elena Plank: Nicht wirklich. Ich hatte aber großes Glück mit einer Professorin, die mittlerweile auch eine gute Freundin ist. Sie hat unglaublich viel eigene Zeit investiert, um uns zu zeigen, was Marketing eigentlich bedeutet.

Wir haben uns zum Beispiel Künstlerinnen wie Katy Perry angesehen: Was ist das Marketingkonzept? Was sagt die Künstlerin durch Musik, Mode und visuelle Sprache aus? Wie entsteht daraus eine Brand?

Das ist mir sehr hängen geblieben. Für mich ist Musik nicht nur Musik. Du erschaffst damit eine ganze Welt.

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Geht es dabei mehr um Selbstfindung oder um Marktanalyse?

Elena Plank: Um beides. Du musst herausfinden, wer du bist. Aber wenn du bestimmte Ziele hast, musst du auch analytisch denken.

Was machen andere, was ich nicht mache? Was mache ich, was andere nicht machen? Wo möchte ich überhaupt hin?

Wenn ich Musik nur für mich mache, muss ich mir keine Gedanken über Markenfarben, Fotoshootings oder Marketing machen. Wenn ich aber sage, dass ich in die Charts oder ins Radio möchte, muss ich mich auch damit beschäftigen, wie dieser Markt funktioniert.

Natürlich haben wir nicht das Marketingbudget riesiger Artists. Aber man kann klein anfangen. Social Media ist heute ein großer Teil davon – und Marketing kann auch wahnsinnig viel Spaß machen.

Neustart und Vernetzung in Österreich

Was suchst du jetzt in Österreich?

Elena Plank: Vor allem Leute. Ich würde gerne Künstler:innen kennenlernen, für die ich Songs schreiben oder die ich vielleicht auch beim Marketing unterstützen kann.

In Amerika habe ich mit Freunden Veranstaltungen gemacht, bei denen Independent Artists sich und ihre Projekte vorgestellt haben. Danach saßen Produzenten, Grafiker und andere Leute aus unserem Umfeld zusammen und haben gemeinsam analysiert: Was funktioniert? Wie könnte sich dieser Artist positionieren?

Das hat mir extrem viel Spaß gemacht.

Songs schreiben, Marketing machen und andere Künstlerinnen und Künstler unterstützen – das wäre eigentlich mein Traum.

Momentan ist es in Österreich noch ein bisschen overwhelming. Ich bin erst seit kurzer Zeit wieder hier und frage mich: Wo muss ich hin? Wo fange ich an? Mit wem vernetze ich mich?

Spannend wären für mich neue Leute, Kollaborationen und Songwriting-Camps.

„Eigentlich brauchst du nur einen Laptop“

Was braucht ein/e Musikproduzent:in 2026 an Equipment?

Elena Plank: Einen Computer, der funktioniert und nicht ständig abstürzt. [lacht]

Im Ernst: Mittlerweile kannst du wahnsinnig viel „in the box“ machen. Ich habe ein Mikrofon, einen vernünftigen Filter und Ableton.

Während der Uni habe ich viel Geld ausgegeben, weil es ständig hieß: Du brauchst dieses Plug-in und jenes Plug-in. Mittlerweile denke ich: Du brauchst keine hunderttausend Plug-ins.

Es gibt so viele gute kostenlose Sachen. Man muss experimentieren und verstehen, was man damit macht. Splice kann natürlich ebenfalls super für Inspiration sein.

Aber grundsätzlich glaube ich: Wenn du weißt, was du tust, brauchst du eigentlich nur einen Laptop.

Vielen Dank für das Gespräch.

Dominik Beyer



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