Bild Soulitaire
Soulitaire (c) Christoph Haiderer

“Ich brauche keine Band oder andere Instrumente zur Umsetzung”- MARTIN ROTHENEDER (SOULITAIRE) im mica-Interview

Hinter dem Namen SOULITAIRE verbirgt sich der Musiker MARTIN ROTHENEDER, der sich in der Vergangenheit vor allem mit seinem Projekte BEN MARTIN österreichweit einen Namen machen konnte. Mit SOULITAIRE beschreitet der Niederösterreicher nun erstmals Solopfade. Im Interview mit Ada Karlbauer spricht MARTIN ROTHENEDER über sein Solodebüt „I believe in Rainbows“, die Entdeckung einer neuen musikalischen Spielwiese und die klangliche Reduktion auf das Wesentlichste.

Wie kam es zu Ihrem Soloprojekt Soulitaire?

Martin Rotheneder: Ich saß Anfang März 2015 abends einmal in einem Backstageraum und hatte etwas zu viel Zeit. Um diese zu überbrücken, schnappte ich mir eine alte, mattschwarz lackierte Akustikgitarre, die neben mir lehnte, und begann zu spielen. Was gar nicht so einfach war, da ein Bund kaputt war und die Gitarre nur vier Saiten hatte. Ich stimmte die Gitarre in open tuning und versuchte, ihr mit einer Batterie als Slide etwas Sinnvolles zu entlocken. Etwa 30 Minuten später war dann der Song „In Between This Noise“ fertig. Mir wurde später auf dem Nachhauseweg instinktiv klar, dass das der Startpunkt für ein neues Kapitel sein würde. Auf dem Album hört man übrigens immer noch die Gitarrenaufnahme von diesem Abend und auch ein wenig Stimmengewirr im Ausklingen am Schluss!

Inwieweit unterscheidet Soulitaire von Ihren anderen musikalischen Projekten wie etwa Ben Martin oder I am Cereals?

Martin Rotheneder: Soulitaire ist durch und durch Solo. Die Songs sind so konzipiert, dass ich sie alleine auf einer Gitarre spielen und dazu singen kann. Ich brauche keine Band oder andere Instrumente zur Umsetzung. Soulitaire ist für mich das Ergebnis einer längeren Entwicklungsphase, persönlich wie auch als Musiker. Es tut gut, eine frische Spielwiese gefunden zu haben, die zwar auf dem Alten aufbaut, aber zugleich frei von Erwartungen ist – vor allem frei von meinen eigenen!

Als Songwriter ist die Text- bzw. Gesangebene genauso wichtig wie der Rest. Welche Einflüsse gibt es und welche Themen verarbeiten Sie?

Bild Soulitaire
Soulitaire (c) Christoph Haiderer

Martin Rotheneder: Mein Haupteinfluss ist eigentlich die englischsprachige Popkultur im Allgemeinen. Und diese klingt auch in einigen Songs da und dort in Anspielungen und Referenzen durch. Ansonsten aber koche ich seit jeher eigentlich eher mein eigenes Süppchen. Ich habe bei anderen nie so wirklich auf die Texte gehört. Es ging mir eigentlich immer in erster Linie um die Musik. Thematisch geht es in meinen Songs um Mut, Hoffnung, Liebe und ums Verzeihen. Und natürlich finden auch gesellschaftspolitische Themen Eingang in meine Texte, eben diese Themen. die uns in den letzten eineinhalb Jahren so auf Trab gehalten haben.

Welche Rolle spielen dabei subjektive Erfahrungen? Wie persönlich ist das Projekt?

Martin Rotheneder: Die Texte wurzeln natürlich in persönlichen Erfahrungen und Gefühlen. Nur war es mir dieses Mal besonders wichtig, das Ganze auf eine universelle Ebene zu heben, es in einen größeren Kontext zu stellen, um letztlich etwas daraus lernen zu können. Das ist für mich im Bezug auf die Texte der größte Unterschied zu Ben Martin. Dort ging’s mir vor allem darum, meine Gefühle auszudrücken und zu äußern.

Rein technisch gesehen sind die musikalischen Ausdrucksmittel auf ihrem neuen Album auf das wesentliche reduziert: „Stimme. Gitarre. Aus.“ Welche Möglichkeiten eröffnen sich durch diesen bewussten Verzicht auf den große Band-Gestus?

Martin Rotheneder: Ich kann die Songs immer und überall spielen, solange ich irgendeine Gitarre zu Verfügung habe. Und sie werden sich für mich zu 90 Prozent genauso anfühlen, wie auf Platte. Wenn es dann noch eine Tonanlage, ein Mikro und einen Gitarrenverstärker gibt, sind es sogar 100 Prozent. Es stellt für mich einen enormen Luxus dar, nicht immer auf andere Menschen oder Dinge angewiesen zu sein. Ich kann frei wählen, ob ich jemanden als Gastmusiker einlade oder wo ich die Songs performen will. Ich habe jetzt die Möglichkeit, mit den Songs zu reisen, ohne dabei horrende Kosten zu verursachen. Das ist schön!

„Für mich sind sind die neuen Songs eine Mischung aus meinem Lieblingssound und dem Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit.“

Sie haben sich auch bewusst gegen elektronische Klangerzeugung, sowie den Einsatz von Loops entschieden. Das klingt erstmal nach klanglicher Nostalgie. Welche Haltung soll damit transportiert werden?

Martin Rotheneder: Ich liebe den natürlichen Sound einer Westerngitarre und ich stehe sehr auf Verzerrung und Hall. Mit Soulitaire ist es mir erstmals gelungen, diese Vorlieben unter einen Hut zu bringen. Gleichzeitig bin ich es auch schon Leid geworden, in der Umsetzung immer auf technische Geräte angewiesen zu sein. Wenn der Strom ausfällt, kann ich immer noch performen, und es geht nicht auch die Welt unter, wenn mal ein Kabel daheim bleibt. Bei meiner Band The Black Riders, deren Songs zu 80 Prozent von live eingespielten Loops gelebt haben, hätten wir ohne Looper schlicht nicht spielen können. Für mich sind die neuen Songs eine Mischung aus meinem Lieblingssound und dem Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit.

Ihre Bühnen-Performance ist so konzipiert, dass jeglicher instrumentaler, oder auditiver Output live und in einem Take spielbar ist.

Cover "I Believe In Rainbows"
Cover “I Believe In Rainbows”

Martin Rotheneder: Ich war eigentlich immer ein „analoger“ Musiker. Selbst eine elektronische klingende Band wie I Am Cereals waren in Wahrheit immer sechs Typen, die eigentlich alles  live gespielt haben. In mir gibt es eine natürliche Sperre gegen programmierte Sachen auf der Bühne. Solche hemmen für mich die Spontanität, sie schaffen Abhängigkeiten und langweilen mich am Ende meist. Auch als Zuhörer bei anderen. Ich mag es, auf Situationen spontan reagieren zu können. Letztlich geht’s ja um den Moment.

„I believe in rainbows“ lautet der Titel Ihres in Kürze erscheinenden Albums. Was kann man erwarten?

Martin Rotheneder: Ein atmosphärisches Stück Musik mit optimistischem Grundton.

Selbst beschreiben Sie den Sound von Soulitaire unter anderem als „ganz einfach. Und einfach schön.“ Kann man diese Reduktion als eine Art ästhetischen Eskapismus begreifen, in einer Zeit der stetig wachsenden musikalischen, sowie politischen Überflutung?

Martin Rotheneder: Ich sehe es mehr als eine Besinnung auf das Wesentliche, mehr als eine Art Essenz denn als einen Eskapismus. Der Eskapismus passiert bei mir dann meist abseits der Arbeit, am Handy oder vorm Fernseher. Viele der Songs sind aus Momenten der gedanklichen Überflutung förmlich herausgeplatzt und haben dann einen Ort der Stille hinterlassen, in dem ich die Songs schreiben konnte. „Let Loose“ ist so ein Beispiel. In dem Song geht es  um die Freiheit im Kopf und das damit verbundene, unglaubliche Glücksgefühl. Ich bin ein „das Glas ist halb voll“-Typ. Demnach gehe ich davon aus, dass nach einer schwierigen Phase eine leichte kommt. Man weiß halt nie, wann die eine endet und die andere anfängt.Aber der feste Glaube daran, dass es irgendwann leichter wird und dass der Weg nicht ohne Schmerzen sein wird, hilft mir dabei, gelassener durch die schweren Zeiten zu gehen. Das ist dann auch irgendwie die Grundstimmung der Songs, die Freude auf die Leichtigkeit, auf die Einfachheit, die Reduktion auf die wichtigste Sache der Welt: Liebe.

Vielen Dank für das Gespräch.

Ada Karlbauer

 

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