Hotel Pupik – Interview mit Heimo Wallner

Von 16. bis 18. August geht in der Schwarzenberg’schen Meierei Schrattenberg, gelegen im obersteirischen St. Lorenzen bei Scheifling, die diesjährige Präsentation des Artist-in-Residence-Projekts Hotel Pupik, ausgerichtet vom Verein O.R.F. (Offen.Real.Fundamental) über die Bühne. Im Gespräch mit Alois Sonnleitner spricht der Künstler und Mitveranstalter Heimo Wallner über Vergangenenheit, Gegenwart und Perspektiven der Initiative.

Heimo, magst du uns verraten, was heuer in Schrattenberg am Programm steht?

Ich fange mit der Musik an. Leider nicht kommen Liz Allbee und Al Margolis, sehr schade! Dafür kommen  Clementine Gasser, Good Enough For You, Lukas Kranzelbinder, Ritsche Koch, Mira Lu Kovacs, Tiziana Bertoncini, Phill Niblock, der heuer seinen 80er feiert, das französische Duo Toiture, dann unsere Caput-Combo mit Josef Novotny, Paul Skrepek, Hans W. Koch und mir. Bulbul werkt hier im Moment an der neuen Platte. Dann werden auch Ingrid Schmoliner und Allesandra Eramo hier arbeiten. Ein serbischer Künstler wird mit einer Tanzcompagnie kommen. Außerdem Vladimir Peric, ein ganz wichtiger Schrattenberg-Künstler, mit dem schon eine lange Freundschaft besteht – und der heuer bei der Biennale Venedig den serbischen Pavillon mit einer sehr schönen Arbeit bespielt hat. Zudem gibt es noch eine Vielzahl an bildnerischen Positionen, worüber ich gegenwärtig noch zu wenig sagen kann. Italiener können noch hereinwachsen, der Attila Faravelli oder der Andrea Belfi. Bitte die Website nutzen! – Und am Sonntag spielt Thomas Lehn an der Kirchenorgel.

Was ist der Hintergrund dieser Auswärtskonzerte in der Kapuzinerkirche von Murau?

Grund dafür ist, dass Walter Vonbank-Schedler, der Mann von Uli, die von Beginn an eine Aktivistin im Verein O.R.F. ist, diese Orgel in der Kapuzinerkirche gebaut hat. Und seit zirka acht Jahren wird dieses Instrument von illustren Persönlichkeiten bespielt. Von Wolfgang Mitterer, Josef Novotny, Hans W. Koch und Christoph Herndler. Philipp Quehenberger ist einmal ausgefallen, dafür ist Phill Niblock eingesprungen, das war aber hier im Haus. Und zwei Mal hat Klaus Lang auf der Vonbank-Orgel gespielt, er ist im Vorjahr kurzfristig eingesprungen, nachdem Bischof Kapellari das Konzert von Hermann Nitsch untersagt hatte.

Worum geht’s im Wesentlichen im Projekt Hotel Pupik?

Begonnen hat es damit, dass ich hier in Schrattenberg ein Atelier habe, auch hier wohne und es ein recht großes Gebäude ist. Bald wurde klar, dass ich mir ein Umfeld schaffen muss, wenn ich hier bleiben will. Das hat dann ziemlich bald zur Gründung des Vereins O.R.F. geführt.

Den Verein hast du allein gegründet?

Der ist sukzessive gewachsen. Am Anfang mit dem Martin Dickinger, dem Kriso Leinfellner und dem Martin Zrost, damals noch Wallner. Dann ist die Uli Vonbank-Schedler dazugekommen, und in der Konstellation haben wir von 1991 bis einschließlich 1998 jährlich ein intermediales Symposion veranstaltet. Später kamen unter anderem Hedya Klein und Oliver Brunbauer dazu. Im Wesentlichen haben wir Künstler für einen Monat eingeladen samt anschließender Präsentation. Schon damals war klar, dass es spartenübergreifend funktionieren muss. Nur so ist es uns spannend erschienen, und so hat es auch durch die Zusammensetzung, mit Martin als Musiker, relativ schnell funktioniert.

Das heißt, Musik war von Anfang an als Bestandteil mitgedacht?

Nicht unbedingt, das erste Jahr war als rein visuelles Kunstsymposion angedacht, ist aber unwillkürlich interdisziplinär geworden. Die Band Ohmnibus hat in Schrattenberg gearbeitet, eine Performerin ist aufgetaucht, eine Filmemacherin. Es hat sich bald herauskristallisiert, dass Musik nicht schmückendes Beiwerk der Präsentation sein wird.

Gleichberechtigt habt ihr dann die Künstler_innen ausgesucht?

Ja, wobei das erste Symposion war eigentlich Österreich gegen die Slowakei. Das war, zumindest für uns, ein noch weißer Fleck auf der Landkarte. Ich bin damals mit dem Martin Dickinger nach Bratislava gefahren, um Ateliers zu besuchen und dabei Unmengen von Wodka trinken zu müssen.

Deine eigene Kunst und die vom Martin war auch von Beginn an Teil des Symposions, oder habt ihr alles in die Hände der Gäste gelegt?

Nein, Gastgeber und Gäste haben immer gemeinsam präsentiert. Wir sind halt durch das Organisieren ab und zu weniger zum Arbeiten gekommen, aber es haben sich immer wieder Gelegenheiten für eigenes oder für neue Zusammenarbeiten ergeben. Das war ganz klar die eigennützige Facette, dass man zwar Gastgeber ist, aber deswegen nicht zum Künstlerpfleger wird.

Das habt ihr dann bis 1998 so gehandhabt, und ab dann seid ihr übergegangen zu zwei Präsentationen pro Jahr?

Genau, 1998 fiel uns diese Gedrängtheit von einem Monat auf, in dem ein Haufen passiert ist, und wir gesagt haben, eigentlich geht die Saison von Mai bis September, und eigentlich hätten wir gern diesen Residence-Aspekt stärker betont, sodass Leute längere Zeit hier wohnen und arbeiten können und das auch in verschiedenen Phasen passieren kann. Dann haben wir das Nachbargebäude als Unterkunftsort dazubekommen, alles wurde dadurch großzügiger. Deshalb haben wir dann über einen längeren Zeitraum zwei Präsentationen pro Sommer gemacht, was sehr spannend war, aber eben auch sehr anstrengend, auch weil wir uns hier doch am Ende der Welt befinden und das Publikum fast ausschließlich aus einem urbanen Bereich kommt. Abgesehen von einem fixen lokalen Freundeskreis sind wir hier doch Außenseiter. Das hat dann dazu geführt, dass wir bei gleichbleibender Struktur uns auf eine Präsentation konzentrieren. Was auch damit zu tun hat, dass das Angebot wesentlich größer geworden ist. Kulturelle Veranstaltungen abseits von Bierzelten haben in den letzten Jahren extrem zugenommen. Waren wir ursprünglich mit Stift St. Lambrecht die Einzigen  in diesem Bereich, gibt’s jetzt eine Unzahl an interessanten Veranstaltungsorten, die vielleicht nicht dasselbe wie wir machen, aber doch ein ähnliches Publikum ansprechen.

2010 habt ihr dann das 20-jährige Jubiläum gefeiert und zu dem Anlass einen großen Katalog bzw. eine vor dir gestaltete Katalog-Box produziert?

Zugleich waren das zehn Jahre Hotel Pupik, deswegen gibt’s, nachdem wir alle anderen Jahre in Einzelkatalogen dokumentiert hatten, diesen großen Sammelkatalog von 1999-2009. Den kann man auch noch käuflich erwerben. Im Schuber kostet das Ding 50 Euro und nur die Kataloge 30 Euro.

Hat sich durch deine Übersiedlung in die USA die bis dahin tradierte Geschichte abrupt verändert?

Das wurde erst durch die Geburt von Louis wirklich virulent. Bis 2008 war ich ja zu zwei Dritteln hier, erst danach hat sich das Verhältnis umgedreht zu einem Drittel da und zwei Dritteln in Vermont.

Das hat die Schrattenberg-Organisation verkompliziert?

Na ja, dadurch dass ja Martin und Uli zwar nicht hier wohnen, aber vor Ort sind, ging das Organisatorische relativ problemlos weiter. Sicher ist die Kommunikation manchmal schwierig, wenn man in Amerika sitzt und hier noch oder schon alle schlafen …

 

http://www.hotelpupik.org