Hip Hop made in Austria

Wenn schon Nas, einer der ganz großen Rap-Interpreten aus New York- DER Geburtsstätte des Hip Hop schlechthin – in einem Song aus dem Jahre 2006 diesen Satz zum Besten gibt, dann sollte man eigentlich ein bisschen ins Grübeln kommen: „Hip Hop is Dead“. Wenn genau diese Tatsache schon vor 6 Jahren prophezeit wurde, was darf man dann im Jahre 2011 von Hip Hop erwarten und vor allem: Wie sieht es dann erst recht mit dieser Form von Subkultur in Österreich aus? Hat diese Bezeichnung hier überhaupt Bestand? Schließlich kann unser kleines Alpenland nicht mit unbedingt mit einer großen Street-Culture auffahren, versprüht hierzulande ein mit Graffiti vollgesprayter U-Bahn Waggon mehr Exotik als eine lila Milka-Kuh im Fernsehen und statt einem tief gelegten, wippenden Sportflitzer, aus dem einem Subwoofer lautstark dröhnt, begegnet man auf den Straßen wahrscheinlicher einem Traktor-Convoy.

So ist es nicht verwunderlich, dass Österreich in Sachen Rap, Beatboxing, Writing und Djing nicht gerade den Inbegriff einer authentischen Hip Hop-Landschaft darstellt. Es sollte aber gesagt werden, dass wir hier dennoch ein ebensolches subkulturelles Auftreten besitzen, welches zugegebener Weise von der Öffentlichkeit bislang weitgehend ignoriert wurde, jedoch mehr und mehr in den Vordergrund rückt. So ist dieser Tage in den heimischen Kinos der Dokumentarfilm Schwarzkopf von Arman T. Riahi angelaufen, der das Leben migrantischer Jugendlicher in Wien schildert. Im Mittelpunkt des Geschehens steht die Rap-Kultur, allen voran Interpret Nazar, der in seinen Kreisen als Rap-Gott verehrt wird und nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft an seinem neuen Album bastelt. Da gibt es den sogenannten Wiener Moneyboy, dessen Youtube-Video mehr als 10 Millionen mal geklickt wurde und der nun seinem Namen dank Werbeverträge und Auftrittsgagen alle Ehre macht. Eine gewissen Form der Hip Hop Kultur hat in Österreich tatsächlich Existenz und eines steht fest: Auch wenn dieser weltweiten Subkultur schon lange der Weg über den Jordan vorhergesagt wurde, ist Hip Hop nicht totzukriegen.

Street-Credibility ist hierzulande nicht mehr nur ein Fremdwort, dass man aus den Hip Hop Lexikon kennt, die Substanz dieses Terminus kann man in Territorrien wie Ottakring oder Rundolfsheim-Fünfhaus deutlich spüren. Wie auch in anderen Kulturströmungen, lässt sich der Genre-Begriff nicht so einfach definieren. Viel zu viel Geschichte verbirgt sich hinter dieser speziellen Fasson, dessen Ursprung in die 70er Jahre zurückreicht. Unter dem Aspekt, dass dieses postmoderne Phänomen von Migranten geschaffen wurde und später von den „weißen Kids“ übernommen wurde, besteht bis zuletzt eine Diskrepanz, die auch in Österreich eine gewisse Abspaltung erfährt.

Da gibt es einerseits die Einheimischenszene, dessen Vorreiterrolle kein geringerer als Falco eingenommen hat: Sein eigens entwickelter Sprechgesang, macht ihn zum Pionier des „Austro-Raps“. Mundartkünstler wie Texta, Schönheitsfehler oder Fünfhaus-Posse haben sich dieses speziellen Genres in den 90er Jahren angenommen und die neue Hörerschaft musste sich nicht mehr in den dicken Englischwörterbüchern wälzen, um in Ansätzen zu verstehen was Tupac und Public Enemy für eine wichtige „Message“ zu verbreiten hatten. Sprechgesang im Dialekt wird außerdem zum Aushängeschild von „A Geh Wirklich“, „Die Vamummtn“, „Hörspielcrew“ oder den „Markanten Handlungen“ und Skero hat mit „Kabinenpary“ eine österreichische Sommerhymne kreiert, die man auch in einem halben Jahrhundert noch lauthals mitsingen können wird. Als Hip Hop-Hauptquartier etablierte sich von Anfang an die Industriestadt Linz, Wien muss sich jeher trotz größter urbaner Charakteristik mit Platz 2 zufrieden geben. Ab vom transdanubischen Ballungsraum hat sich auch Salzburg in Sachen Hip Hop einen Namen gemacht, wo das Kollektiv Slangsta typische Gangsta-Attitüden mit österreichischem Wortschatz jongliert, oder die SBG Hot boys doch tatsächlich in ihren Raps ihre Heimatstadt so präsentieren, als würde sich die Getreidegasse inmitten der düstersten Bronx befinden.

Hip Hop spielt vor allem bei der Zuwanderergeneration eine bedeutende Rolle. Jugendliche mit osteuropäischen Wurzeln, haben mit einer gewissen Akkulturationsproblematik zu kämpfen: Sie stehen in Konfrontation mit der österreichischen Kultur, sehen sich aber auch in den Traditionen ihrer Vorfahren gefangen. Ein wichtigen Beitrag zur Identitätsfindung liefert die anglo-amerikanisch geprägte Medien-und Massenkultur. Dieses Beispiel an Immigrationskultur fand auf kommerziellen Wege im deutschsprachigen Raum mit „Aggro-Berlin“ seinen Höhepunkt. In Österreich sorgte 2007 die Ottakringer Formation Sua Kaan mit dem Video „Balkanaken“ für Aufregung. Einige Politiker fürchteten einen blutigen Straßenkampf, ausgelöst von Immigrantenkids, stattdessen zeigen Sua Kaan soziales Engagement indem sie sich für Flüchtlinge in Österreich einsetzen und unter anderem den Verein Ute Bock unterstützen.

Eine Organisation, die sich aufrecht mit der Österreichischen Hip Hop Kultur auseinanderzusetzen versucht, ist der Grazer Verein Four Elements. Seit 2006 werden regelmäßig Veranstaltungen abgehalten, welche die Kulturbegriffe Urban Culture, Street Art und Hip Hop-Kultur vereint. Im Vordergrund stehen interdisziplinäre Information, Integration und der Ausbau einer interaktiven Gemeinschaft, welche sich durch diverse Konzerte, Workshops, Filmvorführungen, sowie Vorträgen jeden Sommer in einem Festival gipfelt.

Am 3. Juni 2011 wir der Wiener Prater zum Hip Hop Battlefield. Im Salon der Pratergalerien geht der Beats & Rhymes- Event über die Bühne, bei dem 5 Crews gegeneinander antreten. Untermalt wird das Wortgefecht außerdem von FM4 Tribe Vibes-Plattendreher DJ Phekt. (bw)