HIDDEN BY THE GRAPES – „graben“

Das Grazer Trio HIDDEN BY THE GRAPES legt mit „graben“ (Wohnzimmer Records) sein neues Studioalbum vor, und das hat es in sich. Mit einem Augenmerk auf authentisch-organischem Rock-Sound bewegt man sich irgendwo in dessen mannigfaltigen Sphären zwischen Alternative, Shoegaze und Noise. Assoziationen zu Größen wie SONIC YOUTH und SHELLAC werden dabei im Vorbeigehen geweckt. Womöglich ein großes Album der österreichischen Gitarrenmusik.

Der Titel des vierten Albums findet sich, um einen Artikel verstärkt, im Opener wieder. Die beeindruckende Art und Weise, wie eine simple Melodie hier fortlaufend ausgefeilter wird, hätte aber auch so funktioniert. Verstärkt durch Streicher und eine Ziehharmonika wird nämlich zu Beginn gleich einmal Gänsehaut erzeugt. Auf die schwelgerischen Melodien folgt jedoch zugleich das erste Gitarrenriff von „folder nine“ und läutet so den eigentlichen Beginn des Albums und des Sounds der Band ein. Es offenbart sich sofort ein angenehmer Aspekt, der für alle Songs gilt: Hidden By The Grapes legen viel Wert auf organischen und wohlüberlegten Sound, insbesondere in Sachen Gitarren. Hier klingt nichts so, als käme es aus der Büchse, und automatisch hat man vielen gegenwärtigen Bands etwas voraus. Da mit Pete Maher aus London ein Könner seines Faches für das Mastering verantwortlich zeichnet, welcher auch schon mit Legenden wie den Rolling Stones zusammengearbeitet hat, ist es eigentlich kein Wunder. „folder nine“ spiegelt aber nicht nur im Engineering den Rest des Albums wider, sondern auch musikalisch. Die Riffs sind nicht per se kompliziert, aber hinreichend ausgetüftelt und legen umso mehr Augenmerk auf ansprechende Akkordfolgen. Die nötige rhythmische Brisanz steuern Schlagzeug- und Bass-Arrangements bei, wobei auch hier gilt: clever genug, um das Interesse aufrechtzuerhalten, aber nicht übertrieben vertrackt.

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Intensität durch Repetition

Cover “Graben”

Eine weitere Trademark von Hidden By The Grapes findet sich gleich darauf in „out of my hands“, das vermehrt Shoegaze-Assoziationen weckt. Dieses Genre ist an und für sich eine schwierige Disziplin, denn durch die ständige Wiederholung von einzelnen Bausteinen und den dadurch ausufernden Teilen läuft man Gefahr, langweilig zu werden. Außer, wenn die einzelnen Bausteine überzeugend genug sind, um durch die Repetition und Monotonie Intensität zu erzeugen. Hidden By The Grapes sind darin wahre Meister. Ähnlich verhält es sich mit den Lyrics. Während typische Pop-Bands etwa oft gefährdet sind, durch simple Texte zu Aushängeschildern für Plattitüden zu mutieren, werden diese Textzeilen hier durch eine Wiederholung, beinahe wie im Mantra, nur umso eindringlicher. Geschuldet ist es mitunter den sehr stimmungsvollen Ausführungen und Melodien der drei Musiker, die wahrlich immer den richtigen Ton zu treffen scheinen. Den Vergleich mit legendären Acts sollte man ja, wann immer es möglich ist, scheuen – aber Sonic Youth klopfen an. Und zwar laut. Man könnte noch viel über „graben“ schreiben. Deshalb seien als weitere Höhepunkte des Albums lediglich die einprägsamen Melodien der Single „blossom tree“, der wunderbare Jam-Charakter von „new found neurons“ (inklusive destruktiven Gipfel in klugen disharmonischen Akkorden) und das sehr treffgenaue Abbilden von Melancholie in „deviated light“ erwähnt, welche sich wiederum ohnehin wie ein roter Faden durch dieses wunderbare Gesamtwerk zieht. Ein großes Album der österreichischen Gitarrenmusik!

Sebastian J. Götzendorfer

Hidden By The Grapes live:
14. Juli 2017: tba, Ostrava (CZ)
15. Juli 2017: Bajkazyl, Brno (CZ)
19. Juli 2017: Flex, Wien, Open-Air-Album-Release-Show
30. August 2017: Acoustic Summer, Rockhouse, Salzburg

Links:
Hidden By The Grapes
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Wohnzimmer Records