Helene Glüxam – „Nachtvogel”

Auf „Nachtvogel“ (Unit Records) lotet Helene Glüxam die klanglichen und musikalischen Möglichkeiten des Kontrabasses weit über dessen klassische Rolle als Begleitinstrument hinaus aus. Gemeinsam mit ihrer hellen Stimme formt sie aus dem Kontrast von Tiefe und Höhe eine unverwechselbare Klangwelt, in der sich Experiment, Improvisation und Song gleichermaßen begegnen.

Helene Glüxam, die 2025 mit dem Österreichischen Jazzpreis in der Kategorie “Best Newcomer” ausgezeichnet wurde, verzichtet auf jedes glitzernde Schau-Spiel und jede überflüssige Geste. Stattdessen konzentriert sie sich auf das Wesentliche: auf ihr außergewöhnlich vielseitiges Bassspiel, den unverwechselbaren Klang ihrer Stimme und die Fähigkeit, jedem einzelnen Ton Leben und Emotion einzuhauchen. Gerade diese Reduktion erweist sich als große Stärke. Mit erweiterten Spieltechniken, minimalistischen Arrangements und einer bemerkenswerten klanglichen Fantasie erschafft sie Musik, die sich zwischen Jazz, Improvisation, Anleihen aus dem Rock und experimentellen Songformen bewegt, ohne sich jemals einer stilistischen Schublade zu unterwerfen.

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Das Geschehen pendelt zwischen offenen Improvisationen, beinahe galoppierenden Passagen, komplexen rhythmischen Mustern und weit ausgreifenden atmosphärischen Klangflächen, die immer wieder von eingängigen melodischen Hooks aufgefangen werden. Verdichtungen, Steigerungen und Momente des Loslassens wechseln einander organisch ab und verleihen den Stücken eine geheimnisvolle Schwingung. Die Musik von Helene Glüxam entwickelt sich in die Tiefe – jede Klangidee scheint aus der vorangegangenen hervorzuwachsen und neue emotionale Räume zu öffnen. Die Stücke führen durch unterschiedlichste emotionale Zustände und entfalten dabei eine dichte Atmosphäre, die lange nachhallt.

Der Wiener Musikerin gelingt mit „Nachvogel“ ein Debüt, das nicht durch Virtuosität um ihrer selbst willen beeindruckt, sondern durch Ausdruck, Konsequenz und eine unverwechselbare musikalische Handschrift. Ein wirklich beeindruckendes erstes musikalisches Statement.

Michael Ternai

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Unit Records