
Am 31. Mai 2009 jährt sich der Todestag des Komponisten Joseph Haydn zum 200. Mal. So steht Österreich nun nach dem Mozart-Jahr ein Haydn-Jahr ins Haus. Die Aktivitäten zur Würdigung des “Begründers” der Wiener Klassik finden in enger Kooperation zwischen der Stadt Wien und dem Burgenland statt. Geschäftsführer des Haydn-Jahrs ist Franz Patay, der dieselbe Funktion auch schon beim Mozartjahr ausgeübt hat.
Das berühmte Haydn-Zitat “Meine Sprache versteht man durch die ganze Welt” ist für die Veranstaltungen programmatisch zu verstehen: So werden auch Haydn-Städte und Haydn-Gesellschaften weltweit in die Feierlichkeiten einbezogen, etwa bei der international gleichzeitigen Aufführung der Schöpfung an Orten wie Tokyo, Sao Paolo, Paris, und eben Wien und Eisenstadt zu Haydns Todestag am 31. Mai 2009.
Wien
Anders als im Mozartjahr, stellt die Stadt Wien keine Sonderbudget für Veranstaltungen zur Verfügung. Die einzelnen Wiener Veranstalter setzen in über 100 Konzerten, Opern und Ausstellungen koordinierte Haydn-Schwerpunkte. Im Haydn-Haus, vom Komponisten während der letzten zwölf Jahre seines Lebens bewohnt, wird die Schausammlung neu gestaltet. Der Garten wird in einer Rekonstruktion wie zu Zeiten Haydns neu gestaltet. Um den Todestag herum wird es ein dreitätiges Fest für Joseph Haydn geben. Auch das Mozarthaus wird sich Mozarts Vorbild widmen. Unter dem Titel Haydn – Hasse – Mozart, Vorbilder eines Musikgenies, werden in einer Ausstellung die Beziehungen der drei Komponisten zueinander durchleuchtet.
Weitere Ausstellungen im Stadt- und Landesarchiv und im Wiener Musikverein beschäftigen sich mit Aspekten von Haydns Beziehung zu Wien und zu seinen Mäzenen und Auftraggebern.
Höhepunkte im musikalischen Geschehen des Haydn-Jahrs sind die Eröffnung des Osterklang-Festivals mit Haydns Oratorium “Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze”, gespielt von den Wiener Philharmonikern unter Riccardo Muti, und die Inszenierung der Oper “Il Mondo della Luna” im Theater an der Wien, dirigiert von Nikolaus Harnoncourt. Der Musikverein bringt in 37 Konzerten in der ersten Jahreshälfte 2009 Musik von Joseph Haydn, unter anderem gespielt von der Academy of St. Martin in the Fields unter Sir Neville Marriner und dem Concentus Musicus unter Nikolaus Harnoncourt. Das Konzerthaus bietet mehrere Konzertzyklen zur Thematik von Haydns Einfluss auf die klassische Musik. Ein Volksgruppen-Projekt, ein Kinder-Projekt und ein Crossover-Projekt (Haydns Musik trifft auf Jazz und Hardrock) sind ebenfalls in Planung, musikalische Busreisen mit Konzerten an Originalschauplätzen werden unter dem Motto “Le Matin – Le Midi – Le Soir” von Haydns Geburtsort Rohrau in Niederösterreich über Eisenstadt nach Wien führen. Weitere Konzertreihen, Projekte und musiktheatralische Aufführungen bei verschiedenen Wiener Veranstaltern ergänzen das Programm.

Burgenland
Das Burgenland ist ohnehin seit langem in umfangreichen Aktivitäten und auf hohem Niveau in der Haydn-Pflege engagiert, etwa mit den jährlich stattfindenden internationalen Haydntagen und dem Haydn-Zentrum. Das Jahr 2009 stellt natürlich einen Höhepunkt dieser Bemühungen dar. Finanzielle Unterstützung erhält das Burgenland vom Bund, der einen Beitrag zum Ausbau der Stellung des nach Einwohnern kleinsten Bundeslandes als kulturell und touristisch attraktiver Standort in Europa leisten will.
Die Veranstaltungen sind auf Eisenstadt konzentriert und finden unter anderem im akustisch einzigartigen Haydnsaal von Schloss Esterházy statt.
Die Ausstellung “Phänomen Haydn” thematisiert den Beitrag des Komponisten zur musikalischen Weltliteratur an Originalschauplätzen seines Schaffens im Schloss Esterházy, dem Diözesanmuseum und dem Haydn-Haus Eisenstadt, übrigens mit den gleichen Adresskoordinaten “Haydngasse 19” wie sein Wiener Pendant. Begleitend zur Ausstellung finden an vier Wochentagen von April bis Oktober Matineen mit Kammerkonzerten und Orchesterkonzerten statt.
Eröffnet wird “Phänomen Haydn” durch den Concentus Musicus unter Nikolaus Harnoncourt. Der Haydn-Pfad führt Eisenstadt-Besucher auf eine Entdeckungsreise in die Zeit Haydns, vom Haydn-Mausoleum bis zu Aloisia Haydns Kräutergarten. Bezüglich der Aufführungen von Haydns Werken hat man sich hohe Ziele gesteckt, so werden etwa alle 107 Symphonien, zahlreiche kammermusikalische und sakrale Werke und alle zwölf Messen zu hören sein. An die Adresse der im 21.Jahrhundert tätigen Kollegen Haydns ergeht ein weltweiter Kompositionsauftrag zum Haydn-Jahr: “dedicated2haydn”. Die Uraufführung dieser 18 Werke findet im Rahmen der Kammermusikserie TRIOthlon statt. Zu Haydns 200. Todestag wird im akustisch einzigartigen Haydn-Saal von Schloss Esterházy “Die Schöpfung” von der Österreichisch-Ungarischen Haydn Philharmonie unter Adam Fischer zur Aufführung gebracht. (sr)
Bilder: Haydn Festspiele Eisenstadt