mica-Serie: Parlamentarische Enquete Musik die Teilnehmer: EMC – Europäischer Musikrat – European Music Council

Auf Antrag aller im Parlament vertretenden Parteien findet am 3. Juni 2008 im Nationalrats-Sitzungssaal des Parlamentsgebäudes eine parlamentarische Enquete mit dem Thema “ZukunftsMusik. Aktuelle Herausforderungen und musikalische Entwicklungsperspektiven in Österreich” statt. Für die Präsidentenkonferenz, eine auf Initiative von mica-music austria gegründete regelmäßige Zusammenkunft von Organisationen des österreichischen Musiklebens, ist damit ein lange vorbereiteter Wunsch in Erfüllung gegangen. Durch die im Vorfeld von mica – music austria koordinierten Vorbereitungen ist ein historisch einmaliger Themenkatalog im Konsens mit allen am österreichischen Musikleben beteiligten Organisationen von KomponistInnen, MusikerInnen und VertreterInnen der Wirtschaft entstanden. Ein Themenkatalog, der auch über die Enquete hinaus ein Arbeitsprogramm darstellt. mica – music austria präsentiert im Rahmen dieser Artikelserie die teilnehmenden Organisationen.

Europäischer Musikrat – European Music Council (EMC)

Der Europäische Musikrat ist der übergeordnete Dachverband, der die Interessen des europäischen Musiksektors vertritt und sich in erster Line für den Erhalt der musikalischen Vielfalt in Europa einsetzt. Er ist in den 1970er Jahren als Regionalgruppe des Internationalen Musikrates entstanden, der seinerseits 1949 auf Anregung der UNESCO gegründet wurde. Der Europäische Musikrat hat zunehmend an Eigenständigkeit gewonnen, ohne dabei die enge Anbindung an den Internationalen Musikrat aufzugeben. Seit 2003 ist der “European Music Council e.V.” (EMC) ein unabhängiger in Deutschland eingetragener Verein mit Sitz in Bonn. Die 75 Mitglieder aus über 30 europäischen Ländern weisen ihrerseits selbst größtenteils Mitgliedsstrukturen auf und lassen sich in spartenspezifische Organisationen mit nationaler, europäischer oder internationaler Ausrichtung und in nationale Musikräte unterteilen.
Die Tätigkeitsfelder des EMC beruhen im Wesentlichen auf drei Säulen: Netzwerkarbeit und Informationsaustausch, kulturpolitische Aktivitäten sowie Kooperationsprojekte. Der vorliegende Artikel illustriert anhand von Beispielen wie diese Bereiche in die Praxis umgesetzt werden.

1. Informationsaustausch und Netzwerkarbeit
Für die Mitglieder ist das Netzwerk, das der Europäische Musikrat bietet, von entscheidender Bedeutung. Es erlaubt ihnen, mit anderen Verbänden, die ein ähnliches Profil haben, in Kontakt zu treten und sich von verschiedenen Organisationen inspirieren zu lassen. Die Jahreskonferenzen des EMC spielen hierbei eine wichtige Rolle. Als Rahmen für die rechtmäßige Vereinsvollversammlung findet eine Konferenz statt, die sich jedes Jahr einem anderen kultur- und gesellschaftspolitisch relevanten Thema widmet. Diese Konferenzen werden in enger Zusammenarbeit mit einem Mitglied ausgerichtet. In Vorträgen, Diskussionen und Workshops wird erörtert, welchen Beitrag Musik zu gesellschaftlichen Veränderungen leisten kann. Das Magazin des Europäischen Musikrats “Sounds in Europe” ist die wichtigste und umfangreichste Publikation das EMC. Ähnlich wie die Jahreskonferenz dient sie dem Informationsaustausch in zwei Richtungen. Einerseits stellt der EMC teils wissenschaftlich aufbereitete, teils praxisorientierte Informationen über gesellschaftlich relevante Themen zur Verfügung, andererseits bietet das Magazin eine Plattform für die Mitglieder des EMC um ihre eigenen Aktivitäten vorzustellen. Zusätzlich zum Magazin informiert der EMC in verschiedenen Online- und Printmedien regelmäßig und zeitnah über Veränderungen oder anstehende Entscheidungen in der Kulturpolitik auf europäischer Ebene.

 

2. Kulturpolitische Aktivitäten
Das zweite Standbein des EMC sind kulturpolitische Aktivitäten. Diese verfolgen in erster Linie den Schutz der musikalischen Vielfalt in Europa und stehen oft in Zusammenhang mit dem jeweiligen thematischen Schwerpunkt eines Jahres.
Damit europäische Kooperationen im Bereich der Kultur möglich sind, ist eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Förderprogramme notwendig. Daher hat der Europäische Musikrat die Kampagne “70 Cents for Culture” des Europäischen Forums für Kunst und Kulturelles Erbe (European Forum for the Arts and Heritage – EFAH) unterstützt, die eine Erhöhung des EU-Budgets für kulturelle Kooperationsprojekte von 2007 – 2013 auf 70 Cent pro Jahr pro EU Bürger forderte. Darüber hinaus hat der EMC sich dafür eingesetzt, dass das neue Kulturförderprogramm der EU, das im Januar 2007 in Kraft getreten ist, auch kleineren Organisationen eine Chance auf Förderung bietet, da diese oft einen wesentlichen Beitrag zur musikalischen Vielfalt leisten, auch wenn – oder gerade weil – sie nicht die Flaggschiffwirkung von großen Veranstaltern haben, sondern Kulturarbeit an der Basis leisten. Kleinere Projekte sind häufig innovativ und originell und füllen Nischen aus, die für eine reiche und vielseitige Musiklandschaft maßgebend sind, aber von großen Projekten nicht bedient werden können.
Der Europäische Musikrat setzt sich jedoch nicht nur für ein entschlacktes Antragsverfahren und eine bessere finanzielle Ausstattung von Förderprogrammen ein, sondern beobachtet und kommentiert Tendenzen in der Gesetzgebung auf EU-Ebene, die eine Gefahr für die musikalische Vielfalt darstellen könnten, wie bestimmte Vorschläge der EU-Kommission zur Liberalisierung eines globalisierten und durch Online-Nutzung geprägten Marktes für Musikprodukte. Der EMC fordert, dass Musik immer auch als Selbstzweck betrachtet wird und nie als reines Wirtschaftsgut. Der Europäische Musikrat appelliert, bereits existierende zwischenstaatliche Abkommen wie die UNESCO Konvention von 2005 zum Schutz und Erhalt der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen und Artikel 151 des gültigen EU Vertrages umzusetzen und einzuhalten.

 

3. Kooperationsprojekte
Die dritte Säule der Aktivitäten des Europäischen Musikrates als Dachverband für den europäischen Musiksektor sind Kooperationsprojekte. Der EMC selbst koordiniert Projekte, die von der EU gefördert werden und ist an verschiedenen Projekten als Partner beteiligt. Im Jahr 2004 zum Beispiel war der EMC für das Projekt “EFMET – European Forum for Music Education and Training” verantwortlich. Das Projekt hatte zum Ziel, den Austausch zwischen formalisierten Musikprojekten in Schulen oder Musikschulen und Musikprojekten freier Träger zu verbessern. Die von den Kooperationspartnern Europa Cantat (1), EFNYO (2), IYMF (3) und IASJ (4) durchgeführten Veranstaltungen verdeutlichten, wie wichtig und bereichernd die Zusammenarbeit zwischen dem so genannten “formalen” und “nicht-formalen” Bereich in der Musikerziehung ist. Eine vom Kooperationspartner AEC (5) durchgeführte Studie untersuchte unterschiedliche Ausbildungsgänge und Berufsqualifikationen im Bereich Musikerziehung in verschiedenen europäischen Ländern. Außerdem wurden im Rahmen des EFMET Projektes Empfehlungen an die EU-Kommission formuliert, die eine bessere Koordinierung der Förderprogramme für Kultur und Bildung fordern.
Seit Juli 2006 koordiniert der EMC ein mehrjähriges von der EU gefördertes Projekt, das sich verschiedenen Musiktraditionen in Europa widmet. Ziel des Projektes “ExTra! – Exchange Traditions” ist es, den Austausch zwischen verschiedenen in Europa vertretenen Musiktraditionen zu fördern. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die musikalischen Traditionen von Migranten und kulturellen Minderheiten in Europa und deren Wechselwirkungen zu den bereits bestehen Traditionen. Die Partner Cité de la Music (6), ANCT (7), IYMF (8), Donne in Musica (9), En Chordais (10) und mica-music austria übernehmen sehr unterschiedliche Aktivitäten des sehr vielseitigen Projektplans. In vielen Teilen Europas gehört traditionelle Musik zur lebendigen Alltagskultur. Sie stellt einen wichtigen Bestandteil der kulturellen Identität des einzelnen Bürgers dar. Das Projekt “ExTra! – Exchange Traditions” will das Verständnis der Kulturen der jeweiligen Nachbarn erhöhen, einschließlich der Traditionen von Migranten und kulturellen Minderheiten. So wird das Bewusstsein für eine gemeinsame europäische kulturelle Identität gestärkt. Das Projekt will einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Dialog und zur Mobilität von Künstlern und Kulturakteuren leisten, in dem es Musiker und Musikexperten aus ganz Europa und darüber hinaus ermöglicht, Erfahrungen auszutauschen und neue Ideen zu entwickeln.

Als Dachverband für ca. 75 Musikoragnisationen in Europa vertritt der EMC die Interessen seiner Mitglieder auf politischer Ebene und unterstützt die Aktivitäten der Mitglieder. Als Regionalgruppe des Internationalen Musikrates (International Music Council – IMC) tritt er für die vom IMC formulierten musikalischen Rechte ein: . Das Recht aller Menschen auf freien musikalischen Ausdruck
. Das Recht aller Menschen, musikalische Fähigkeiten zu erwerben.
. Das Recht aller Menschen auf Zugang zu musikalischen und kulturellen Aktivitäten durch Teilnehmen, Zuhören, Kreation und Information
. Das Recht für Kulturschaffende auf geeignete Ausstattung um ihre Kunst auszuüben und durch alle medien zu kommunizieren
. Das Recht für Kulturschaffende, gerechte Anerkennung und Bezahlung für ihre Arbeit zu erhalten.

 

 

(1) Europa Cantat – Europäische Föderation Junger Chöre
(2) EFNYO – European Federation of National Youth Orchestras
(3) IYMF – International Yehudi Menuhin Foundation
(4) IASJ – International Association of Schools of Jazz
(5) AEC – Association Européenne des Conservatoires, Académies de Musique et Musikhochschulen
(6) Cité de la Musique, France
(7) ANCT – Association National Cultures et Tradtitions, France
(8) IyMF – International Yehudi Menuhin Foundation (IYMF), Belgien
(9) Fondazionen Adkins Chiti – Donne in Musica, Italien
(10) En Chordais, Griechenland