Gerard (c) Kidizin Sane

Gerard – „AAA“

Der Wiener Rapper GERARD veröffentlichte am 26. Juni 2017 mit „AAA“ (Futuresfuture) sein sechstes Album – seit seinem Durchbruch mit „Blausicht“ im Jahr 2013 ist er einer der höchstgehandelten Newcomer des deutschen Rap.

Diejenigen, die Gerard noch nicht kennen, werden ihn spätestens nach diesem Album lieben. Stimmlich eine Mischung aus Prinz Pi, Maeckes und Cro, musikalisch sanft-poppiger Hip-Hop und lyrisch ebenso ausgefeilt und tiefsinnig wie Maeckes, mit dem er 2015 bereits den Titel „Gelb“ produziert hat (sehr hörenswert, ganz nebenbei). Gerard bedient eine Ecke des Rap, die fast nur aus Deutschland genährt wird und stürmt seit 2013 die Szene mit seinen absoluten Ohrwurm-Tracks.

„Was ist so eine Stunde Leben wert?“

Cover “Luftlöcher”

Manche finden vielleicht, dass zu viel Pop-Elemente in den Songs des neuen Albums stecken, aber eigentlich machen gerade diese die Tracks so spannend: Die nachdenklichen, manchmal sonnig-fröhlichen, dann wieder melancholisch-depressiven Lyrics gemischt mit poppigem Hip-Hop, der manchmal fast nach Electronica klingt, gibt dem Sound eine frische, lockere Wirkung. Gerard ist sicher nicht der typische Rapper, man wird bei ihm nichts von Drogen oder Prostituierten hören, dafür bekommt man die eine oder andere Lebensweisheit und persönliche Geschichten des Rappers serviert. Die Features auf dem Album, wie etwa Naked Cameo bei „Play/Skip“ und I Salute bei „Frösche“, machen die Tracks hochkarätig und doch hebt das Ganze nicht ab: Unter allen „Realkeepern“ ist er derjenige, der ohne auf „Realness“ zu pochen, tatsächlich „real“ bleibt – dabei scheut er sich nicht, musikalische Grenzen zu überwinden.

Zu den Songs „Moonbotica Moon“ und „Konichiwa“ gibt es bereits Musikvideos – beide Tracks sind nicht wirklich fröhlich, aber haben ein extrem großes Ohrwurmrisiko. So schleicht einem die Line „Ich hab keine Zeit für Konjunktive / eins für den Bass, zwei für die Familie“ aus „Konichiwa“ noch Stunden nach dem Anhören durch den Kopf.  Auch die Hookline „Wir sind doch sonst so klug“ aus „Moonbotica Moon“ setzt sich im Kopf fest und will dauernd gesummt werden. Alles in allem ist das Album vielleicht nicht das, was sich einige Fans erwartet haben – was aber wirklich nicht bedeutet, dass es schlecht ist, ganz im Gegenteil. Mit Gerard hat Österreich einen starken „philosophischen Rapper“ hinzubekommen, der das Potenzial hat, sich ganz oben in der Rap-Szene zu etablieren.

Antonia Seierl

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