Freischwimma – Rostiga Nogl

Nicht selten wird auch heute noch der deutschsprachige Mundartrock in denselben Topf mit dem Austropop geworfen. Dass diese beiden Stile aber nur bedingt miteinander zu tun haben und Bands des modernen Rock in deutscher Sprache längst ihre eigene Identität und entwickelt haben, das unterstreichen unter anderem Formationen wie etwa Freischwimma. „Rostiga Nogl“ (LiMuPic Records), so der Titel des neuen Album der fünfköpfigen Band aus dem Waldviertel, zeigt sich als ein schönes Beispiel dafür, dass deutsche Dialektmusik auch ganz ohne die Bedienung der sonst üblichen Klischees auskommt und seine Qualitäten dann entfaltet, lässt man der Kreativität freien Lauf. Präsentiert wird das neue Album am 16. Mai im Freihaus in Wien.

Nun, den Rock erfinden die Freischwimma nicht neu. Und vermutlich ist das auch nicht ihre Intention. Was die fünf Waldviertler aber sehr wohl tun ist, diesem eine ganz eigene und unverkennbare individuelle Note verpassen, eine, die aufgrund der bewussten Distanz zu allen möglichen Mainstreamformaten, erfrischend authentisch und ungekünstelt erklingt. Florian Kargl (Gesang, Gitarre), Alexander Lausch (Gesang, Gitarre), Alexander Würrer (Gesang, Bass), Marc Bruckner (Schlagzeug) und Stefan Haslinger (Orgel) verzichten auf die großen ausufernden Gesten und den überflüssigen Pathos, der vielen Rockproduktionen heute leider anhängt und welcher sie austauschbar macht.

Es ist aber nicht nur der Umstand, dass hier im Dialekt gesungen wird, der den Unterschied ausmacht. Die fünf Jungs aus Niederösterreich zeigen, dass sie doch weit mehr auf dem Kerbholz haben. Sie wissen, wie man abwechslungs- und variantenreiche Nummern auf den Weg bringt, wie man Melodien in durchdachten und nicht dem Schema F folgenden Arrangements in Szene setzt, sodass sich diese eben nicht schon nach dem ersten Durchhören in belanglosen und oberflächlichen Gefilden verlieren. Irgendwo zwischen Rock, Blues und einzelnen Popverweisen angesiedelt, besitzt Sound der Band einen fast schon zeitlosen Charakter, einen, der alles andere als rein und glattpoliert, erfreulicherweise auch genügend Ecken und Kanten zulässt. Schön ist auch, dass die Freischwimma sich kein Blatt vor den Mund nehmen. Der Fünfer hat Geschichten zu erzählen und tut dies auch, mal eben auf schön bissige Art, mal auf eine eher nachdenkliche.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Truppe aus Niederösterreich mit „Rostiga Nogl“ ein Album gelungen ist, das sich doch auf erfrischende Weise von dem sonst so Praktizierten abhebt. Die Musik der Waldviertler ist ehrlich und direkt, sie kommt auf den Punkt und weiß auch nach mehreren Durchläufen zu gefallen. Auf jeden Fall eine intensive Hörprobe wert. (mt)

Foto Freischwimma: Andreas Jakwerth

http://www.freischwimma.com
http://www.limupic.com/