„Wir machen eine Musik, die vielen nicht taugt, aber für das taugt sie ganz schön vielen” – FRANZ FUEXE im mica-Interview

Lächerlich einfach. Kompromisslos. Destilliert. FRANZ FUEXE machen Crossover in Mundart. Die Attitude ist Punk. Wer sie nicht kennt, holt das besser nach. Ihr Anfang 2017 erschienenes Album „Die Neue Unordnung“ (Rough Trade), das sie mit dem BILDERBUCH-Produzenten ZEBO ADAM aufgenommen haben, brüllt und fetzt sich ins Ohr und bleibt dort. CHRIS PRUCKNER, MATTHIAS LEICHTFRIED, LUCA MAYR und JÜRGEN SCHALLAUER heißen die aus dem Mostviertel stammenden Musiker. Susanne Preissl sprach mit den beiden Letzteren über ihr neuestes Album, über Live-Acts und darüber, warum sie ihre Songs nicht überproben.

Warum machen Sie Musik?

Jürgen Schallauer: Weil ich es kann. Und weil ich sonst nicht so viel kann [lacht]. Und weil es mir etwas gibt und anderen Menschen auch. Das ist ein guter Grund, um etwas zu machen. Mir taugt es, wenn es wem taugt. Wir machen Musik, die vielen nicht taugt, aber dafür taugt sie schon ganz schön vielen. Obwohl es so ein Nischending ist. Und da freue ich mich schon, da müsste ich lügen, wenn ich sagte, dass ich das nur für mich selbst mache, weil es mir so taugt. So wie manche Musikerinnen und Musiker, die das behaupten. Da würde ich dann lieber arbeiten gehen, das wäre viel weniger anstrengend. Dann hätte ich auch Geld.

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„Es ist viel mehr Blödsinn drinnen als beim ersten Album, wirkt aber trotzdem professioneller.“

Ihr zweites Album ist im Jänner herausgekommen. Was hat sich im Vergleich zum ersten Album verändert?

Luca Mayr: Die Lieder selbst sind ausgereifter als beim ersten Album. Sie sind nicht komplizierter oder weniger hart, sie sind genauso auf die Fresse, aber zugänglicher.

Jürgen Schallauer: Das letzte Album haben wir in der FH St. Pölten aufgenommen – um 100 Euro. Irgendwie aufgenommen in einem winzigen Raum. Wir haben es Zebo Adam, der Bilderbuch produziert, zum Mischen geben. Der ist uns trotz seiner Karriere treu geblieben und so haben wir das zweite Album dann richtig gescheit bei ihm im Studio aufgenommen. Das war ein großer Schritt. Und es hat jetzt einen dementsprechend fetten Sound. Wir haben uns mehr erlaubt, viel Schnickschnack und Spielereien. Ein kaputtes Flügelhorn ist zum Beispiel im Studio herumgelegen, das haben wir gleich eingebaut. Und eine Blockflöte kommt vor. Bei einem Lied haben wir vier Leute, die zufällig im Studio waren und nicht Gitarre spielen konnten, ein Gitarrensolo spielen lassen und dann haben wir das Ganze zusammengeschnitten. Ich habe immer so spontane Ideen. Ich mache so etwas gerne beim Produzieren. Ich nehme das, was sich gerade ergibt. Das neue Album erlaubt sich mehr Freiheit. Es ist viel mehr Blödsinn drinnen als beim ersten Album, wirkt aber trotzdem professioneller.

„Es gibt Leute, die kommen zu jedem Konzert, obwohl sie so eine Musik eigentlich gar nicht hören.“

Wo würden Sie gerne mit Ihrer Musik hin?

Luca Mayr: Eine Mischung aus Guns N’ Roses und Nirvana [lacht].

Jürgen Schallauer: Aber ich bin nicht Kurt Cobain! Nein, wenn es so ist wie jetzt, ist es schon ziemlich leiwand. Damit haben wir nicht gerechnet. Ich habe schon in vielen Bands gespielt, die auch einen gewissen Status hatten, aber bei den Fuexen ist es anders. Vom ersten Gig an haben wir gespürt, dass wir so viel Feedback bekommen, so viele Leute kommen. Da habe ich schon gemerkt, dass mehr geht, als ich gedacht hatte. Mit so einer Art von Musik geht in Österreich wahrscheinlich sowieso nicht mehr. Größere Konzerte wünsche ich mir schon. Das Livespielen bringt uns am allermeisten. Bei anderen Bands ist das öfter zwar nett, aber bei uns ist das immer extrem. Die Leute merken sich, ob es ihnen jetzt extrem getaugt hat oder ob sie absolut gar nichts mit unserer Musik anfangen konnten. Die Shows sind immer over the top. Es gibt Leute, die kommen zu jedem Konzert, obwohl sie so eine Musik eigentlich gar nicht hören. Leute, die Hip-Hopper sind und mittlerweile viele aus der Elektroszene.

Luca Mayr: Der Altersdurchschnitt, den wir bei Konzerten haben, ist oft auch hoch. Menschen Mitte vierzig kommen, die Punk oder härtere Musik in ihrer Jugend gehört haben, aber dann lange nicht mehr. Wenn es Leuten taugt, dann taugt es ihnen voll. Und davon gibt es viele. Egal wo wir spielen, es gibt immer wieder solche Leute. Die Mund-zu-Mund-Propaganda wirkt auch. Wir brauchen keine Werbung schalten, die wir uns sowieso nicht leisten können. Die machen voll viel für uns.

„Wir können keinen Durchbruch haben, denn so einen Hit wird es von uns nicht geben.“

Jürgen Schallauer: Die Leute in der Szene tauschen sich aus. Auch zum Beispiel Nick Wukovits vom Nova Rock. Der hat gesagt, als er uns gehört habe, habe er sich extrem gefreut, weil es dringend notwendig gewesen sei, dass so etwas daherkommt. Und jetzt druckt er es jedem aufs Auge – und der kennt Gott und die Welt. Das bringt uns schon wieder etwas. Nick Wukovits hat auch Bilderbuch und Wanda von den kleinen Konzerten geholt. Und er hat gesagt, für ihn seien wir die nächste Entdeckung in die Richtung [lacht]. Natürlich habe ich gesagt, dass wir eine Band sind, die nicht groß werden kann. Daraufhin hat er gemeint, darum gehe es nicht, für ihn sei es einfach wichtig, dass er etwas entdeckt hat.

Luca Mayr: Der deutsche Musikmarkt ist natürlich groß. In Österreich ist es schwieriger, da ist der Markt klein und die Möglichkeiten sind begrenzt. Trotzdem gibt es noch größere Veranstaltungen, die wir noch spielen könnten. Da haben wir Luft nach oben.

Jürgen Schallauer: Wir könnten schon sehr viele Gigs spielen, aber ich habe keine Lust, einen Gig vor zwanzig Leuten zu spielen, bei dem es kaum Geld gibt. So etwas mache ich nicht mehr. Wir sind studierte Musiker, spielen in anderen Bands und müssen von etwas leben. Aus Prinzip und Solidarität mache ich so etwas nicht mehr. Wir schreiben auch niemanden an. Wir spielen fast ausschließlich auf Anfrage. Und es kommen vergleichsweise viele. Glück ist natürlich auch dabei. Größere Shows zu spielen, den Underground-Status auszubauen wäre schon gut. Aber wir können keinen Durchbruch haben, denn so einen Hit wird es von uns nicht geben.

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Warum singen Sie im Dialekt?

Luca Mayr: Es kann mir niemand erzählen, dass sie bzw. er als dialektsprachige Österreicherin bzw. dialektsprachiger Österreicher bessere, tiefsinnigere und originellere Texte auf Englisch schreiben kann. In der Sprache, in der man aufgewachsen ist, die man jeden Tag spricht, kann man sich einfach besser ausdrücken. Da hat man das größte Repertoire. Also warum anders singen? Unseren Dialekt sprechen nur ein paar Leute, aber verstehen tun ihn alle.

„Wir überproben die Sachen nicht.“

Woher holen Sie Ihre Inspiration?

Luca Mayr: Ich brauche ein Thema, über das ich schreiben möchte, Sachen, die mich beschäftigen. Meist sind es Dinge, die mich sehr stören. Aber vielleicht kommt noch ein Liebeslied, wer weiß [lacht]. Jürgen hat eine andere Herangehensweise, er hat ein rhythmisches Konzept.

Jürgen Schallauer: Manchmal gehe ich von Texten oder Reimen aus. Aber immer extrem komprimiert. Niemals ist ein Satz oder Wort überflüssig. Da drehe ich so lange herum, bis es passt, sodass es leicht von der Zunge geht und man nie eine Silbe langziehen muss. Da bin ich genau. Der Titel des Lieds „He, wia geht’s da – Danke, oasch“ ist gleichzeitig der ganze Text. Da habe ich keine Silbe zu viel verbraucht. Und es bleibt im Kopf. Unser Arbeitsprozess läuft so: Wir überproben die Sachen nicht [lacht]. Auch im Studio: Wenn der erste Take passt, nehmen wir ihn. Wir haben das ganze Album in vier Tagen gemacht.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Susanne Preissl

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Franz Fuexe (Artikel Der Standard)