Finale beim Akkordeonfestival

Finale beim Akkordeonfestival. Einen Monat lang ist das Akkordeon auf diversen Wiener Bühnen im Rampenlicht gestanden und hat einmal mehr seine Vielseitig- und Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Nun geht das 8. Internationale Akkordeonfestival in die letzte Runde und lässt die vergangenen Wochen am 24. und 25. März in einem Grande-Finale im Theater Akzent und Metropol Revue passieren.

Den ersten Finaltag bestreitet Richard Galliano mit dem Tangaria Quartett. Für die Akkordeonmusik ist Richard Galliano sozusagen eine Leitfigur, gilt er doch als einer der Entdecker dieses Instruments für den Jazz. Der in Cannes geborene Musiker und Komponist modernisierte den französischen Musette-Walzer, Jazzsolisten wie Bill Evans, Keith Jarrett, Charlie Parker und John Coltrane stets im Blickwinkel habend. Er selbst beschreibt sich als süchtig nach schönen Melodien und Musik, als “Melomanen”, wie ein Pyromane nach dem Feuer.

 

Die Grundlagen seines Instrumentes lernte Galliano von seinem Vater, der ebenfalls Akkordeonist war. Um nicht instrument-typische Berufslaufbahnen, wie Akkordeonlehrer oder Tanzmusiker einschlagen zu müssen, arbeitete er zunächst in Paris mit Künstlern wie Juliette Gréco, Yves Montand oder Georges Moustaki zusammen und spielte auch Soundtracks mit Serge Gainsbourg und Michel Legrand ein.

 

Am nachhaltigsten prägte Galliano jedoch Astor Piazzollas Tango Nuevo, den zu kopieren er jedoch bewusst vermied und sich stattdessen französischen Urbantraditionen zuwandte – und einen Stil schuf, der später als “New Musette” weltberühmt werden sollte.

 

Yasuhiro Kobayashi, Akkordeonist von Björk, sieht ihn sogar als musikhistorischen Fixpunkt. “Richard Galliano changed the history of the accordion – today we can speak of ,before’ and ,after’ Galliano”.

 

Tags darauf setzt schließlich das Orchester mit und um Martin Lubenov im Metropol den würdigen Schlusspunkt dieses achten Akkordeonfestivals. Martin Lubenov hat im Laufe seines Künstlerdaseins seinen eigenen, ganz speziellen, Stil geschaffen. Ein Stil, bei dem der, bei Akkordeonisten beliebte, Pathos bulgarischer Roma-Tradition, gewitzten Jazz-Improvisationen und optimistischer Leichtigkeit weichen muss. Mit der Auswahl Wiens als seinen Lebens- und Wirkensmittelpunkt belebte er mit vielen Impulsen die dortige Musiklandschaft und tut das noch immer.

 

Mit dem Martin Lubenov Orchester, das den traditionsgebundenen Teil seiner beiden Haus- und Hofkapellen einnimmt, präsentiert Lubenov ein veredeltes Bild aktueller bulgarischer Romamusik – heiße latin-beeinflusste Brassgrooves mit türkischen Echos und zeitgenössische Songs mit gelegentlicher Schlagseite zum Schlager, die durch Soul und Stimmgewalt des Sängers Neno Iliev zu einem, unter die Haut gehenden, Hörerlebnis werden. Die Stücke wurden allesamt von Martin Lubenov verfasst, der Ende des vergangenen Jahres in Paris auch mit dem renommierten Prix Gus Viseur ausgezeichnet wurde.

 

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