Manche Releases lassen sich schnell einordnen: Genre, Zielgruppe, Hypefaktor. Andere entziehen sich dieser Logik und erzählen stattdessen eine Geschichte. „Zwischen Wien und Daham“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Die neue EP von FEX & ALLIGATORMAN ist das Ergebnis eines zufälligen Zusammentreffens zweier Biografien und eines gemeinsamen Moments, der festgehalten werden wollte.
Der Alligator Wien’s und der FEX vom Dorf
Was ist eigentlich eine EP? Laut Wikipedia ein Tonträger zwischen Single und Album. In diesem Fall ist es aber mehr. Es ist das Zusammenkommen zweier Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten und sich doch im richtigen Moment gefunden haben. Auf der einen Seite steht Alligatorman: eine Konstante in den Sümpfen des österreichischen Hip-Hops, seit über zehn Jahren aktiv, kompromisslos in seiner Arbeitsweise und mit einer Verbissenheit, die man sonst eher Hollywood-Producer:innen zuschreibt. Er ist jemand, der Musik nicht nur produziert, sondern lebt – und der genau weiß, wann Ideen noch Zeit brauchen und wann sie festgehalten werden müssen. Auf der anderen Seite steht Fex, der Narr aus dem Dorf. Einer, der nicht ahnte, was passieren würde, als er dem Alligatorman im Grazer Backstage seine SoundCloud-Tracks zeigte. Keine Studioerfahrung, keine Szene-Kenntnis, keine Ahnung von Wien – dafür aber etwas, das man nicht lernen kann: Ein Gespür für Klänge und Sprache. Fex wusste lange nicht, wohin mit seiner Musik. Jetzt ist sie angekommen. „Zwischen Wien und Daham“ bewegt sich zwischen österreichischem Hip-Hop, Indie und Alternative Pop. Die EP vereint die Hip-Hop-Ästhetik von Alligatorman mit persönlichen Texten und Gesang, ergänzt durch Sprechgesang und Dialekteinflüsse.
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Daham feat. Wien
Produziert von Alligatorman und eingesungen von Fex entsteht auf „Zwischen Wien und Daham“ eine Welt zwischen Stadt und Herkunft und zwischen Ankommen und Weiterziehen. Der Titel der EP ist dabei Programm: Er beschreibt nicht nur geografische Orte, sondern auch Fexes innere Zustände. Es geht um Abschiede und Neuanfänge, um das Dazwischen, das oft unbequemer, aber wegweisender sein kann. Fex, geboren 2000 in Oberösterreich, wuchs zwischen Mopeds, schlechtem Gras und einer Bauerndisco irgendwo bei Linz auf. Musik war immer da. Sie zog ihn früh in urbane Räume, zu schrägen Partys und Figuren der lokalen Kulturszene. Während der Lockdowns maturierte er, brachte sich selbst Gitarre bei und gründete im Zivildienst das Kulturmagazin MUPAK. 2022 folgte der Schritt nach Wien, wo im WG-Wohnzimmer aus Gedanken und Gefühlen schließlich Songs wurden.
Romy-Christin Theune
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Links:
„Zwischen Wien und Daham“ – Spotify
FEX – Instagram
Alligatorman – Instagram
