Bild Pale Male
Pale Male (c) Pressefoto

„Facettenreichtum feiern und nicht als fehlende Linie interpretieren“ – PALE MALE im mica-interview

PALE MALE ist das Musikprojekt rund um den Wiener Jazzgitarristen PAUL MALE, der in den vergangen 10 Jahren vor allem als Musiker in der Soul-Band SOIA, der Elektro-Pop Formation JAMES HERSEY oder der Wienerlied Combo BELLE FINE aufhören lies. Mit PALE MALE wagt er nun eine Verschmelzung von Pop, Jazz und Hip Hop und hat sich an seine Seite JULIAN BERANN an die Drums (ALICE PHOEBE LOU), FLORIAN FALTNER an den Bass (SOIA), SEBASTIAN ANTOSCH an die Gitarre (MASHIKO) und OLINCLUSIVE an die Decks (SCOOBY DUO) geholt. Im Interview mit Julia Philomena spricht der Musiker von dem Wunsch nach Offenheit, Authentizität und den mittlerweile sehnlichst erwarteten Festival Gigs im Sommer.  

Du bist schon lange Musiker und warst bei vielen Bandformationen dabei – was hat dich zu deinem Soloprojekt geführt?  

Paul Male: Ja das stimmt, aber es ist eigentlich kein Soloprojekt im herkömmlichen Sinne, sondern mehr ein Bandprojekt mit Musik aus meiner Feder. Abgesehen davon war für mich schon immer klar, dass ich auch Musik nach meinen eigenen Maßstäben machen will. Ich bin gerne als Gitarrist unterwegs, aber die Arbeit „hinter den Kulissen“ hat mich immer schon fast ein bisschen mehr gereizt und es hat, glaube ich, einfach ein bisschen Zeit und Muße gebraucht, bis meine Handschrift und meine Infrastruktur ready waren, um dieses Projekt zu starten und auch zu realisieren.

„Ich will hinter jedem Song zu 100 Prozent stehen […]

Was hatte bei deinem eigenen Projekt Priorität?   

Paul Male: Mir war sehr wichtig, dass die Musik so pur und ehrlich wie möglich bleibt. Sprich ein Debüt ohne Kompromisse. Ich will hinter jedem Song zu 100 Prozent stehen und auch mal einen Genreübergriff wagen. Ich will Facettenreichtum feiern und nicht als fehlende Linie interpretieren. Warum sich nicht einfach trauen. Ich habe mir gedacht, ich habe schon so viel gehört und gespielt und wenn ich es schaffe, diese Erfahrungen in Musik zu verwandeln, die eben auch Welten verbindet, die sonst nicht unbedingt mit einander in Berührung kommen, dann ist das schon mal was. So bin ich in etwa an die Sache heran gegangen. 

Du arbeitest momentan an deinem Debütalbum – wie kann man sich die Arbeitsweise vorstellen? 

Paul Male: Ja, das ist richtig. Wenn alles nach Plan läuft, wird das voraussichtlich im Frühjahr erscheinen. Die Arbeitsweise kann man sich in etwa so vorstellen: ich bastle an Produktionen, die ich dann mit der Band teile. Zusammen entscheiden wir dann, ob es einem Track guttun würde, den Bandsound als organisches Element hinzuzufügen oder ob die Nummer einen Productionvibe beibehält. Dann gibt es eine Art Feedbackrunde, in der nochmal Ideen, Kritikpunkte und Anregungen ausgetauscht werden. Danach gehts wieder an die Arbeit, das heißt, entweder ins Studio mit ganzer Band oder für mich zurück alleine in die Höhle. Wenn wir mit Band aufnehmen, kommen oft Ideen dazu und ich produziere oft die Tage nach den Studiosessions nochmal drüber, um den Sound der Nummer tatsächlich zu finden. Ich würde sagen, man könnte es ein bisschen als einen Stufenprozess bezeichnen. Eins nach dem Anderen, mit Zeit und Geduld, bisschen so, wie einen Eintopf kochen.

Wie bist du musikalisch sozialisiert worden? Gibt es Musik- und Kunstschaffende, die dich stark geprägt und beeinflusst haben?

Paul Male: Ich komme aus dem Hip-Hop, bin mit Cypress Hill und OutKast aufgewachsen und erst mit 15 zur Gitarre gekommen. Da haben sich dann auch die Ohren für Rockmusik geöffnet, so klassische Bands wie Rage Against The Machine bis zu den Red Hot Chili Peppers. Mit 18 habe ich dann den Neo Soul für mich entdeckt und mir die ganzen Erykah Badu und D´Angelo Sachen aufgesogen. Von dort aus dann zum Jazz, der sich dann natürlich durch mein Jazzgitarren-Studium sehr breit gemacht hat. Dadurch gab es dann auch ein bisschen einen Fokus auf Gitarre per se. Pat Metheny oder George Benson standen hoch im Kurs aber immer auch Schlagzeuger und Bassisten. Ich habe zum Beispiel sehr viel Victor Bailey oder Stanley Clark gehört oder dann modernere Sachen wie Chris Dave und Robert Glasper. Und so bin ich dann eigentlich wieder zurück zum Hip-Hop gekommen. Geprägt haben mich davon mit Sicherheit alle. Das war aber auch immer ein Ziel von mir, soviel wie möglich an Einfluss zuzulassen und trotzdem eine eigene Handschrift zu entwickeln.

„Ich wollte Musik besser verstehen und lernen, gewisse Vorstellungen umzusetzen.“

Hat das Jazzstudium bei der Entwicklung deiner Handschrift geholfen?  

Paul Male: Auf jeden Fall. Ich glaube, es gibt so viele Wege, mit einem Musikstudium umzugehen. Ich wollte Musik besser verstehen und lernen, gewisse Vorstellungen umzusetzen. Durch das Studium war ich dann gezwungen, mich mit Sachen auseinander zu setzen, die ich sonst nie am Schirm gehabt hätte. Ich habe gelernt, mich durch scheinbare Umwege weiter zu entwickeln und dass mein persönlicher Geschmack zwar immer präsent sein wird, aber niemals Maßstab für Qualität ist. Natürlich gehört auch immer Handwerk zur künstlerischen Arbeit. Und dafür ist ein Jazzstudium halt auch da, um eben das Handwerk zu erlernen.

Würdest du dich momentan mit deiner Musik in einem Genre verorten (wollen)?  

Paul Male: Das ist immer so eine Frage. Ich glaube, es gibt Projekte, bei denen das einfacher geht als bei anderen. In unserem Fall ist es sicherlich nicht so leicht. Trotzdem habe ich mir abgewöhnt, 100 Genres aneinanderzureihen und würde uns mal als organic Hip-Hop bezeichnen. 

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Pale Male (c) Pressefoto

Die Nummer „This Autumn“ hat ja beispielsweise recht viele Einflüsse, reicht vom Jazz bis zum Hip-Hop. Worauf liegt dein Augenmerk?  

Paul Male: Die Nummern entstehen meistens ohne Rücksicht auf Genres. Was uns gefällt, wird verarbeitet. Dass sich die Musik dann im Endeffekt in einem Genre wiederfindet, liegt, glaube ich, an der Art der Produktion. Und die geht bei mir dann doch stark vom Hip-Hop aus. Gerade zwischen Jazz und Hip-Hop ziehe ich persönlich auch nicht so eine Trennlinie, da gibt es für mich einen sehr fließenden Übergang.

Hast du das Gefühl, dass die österreichische Musiklandschaft bunt oder doch eher homogen ist und du mit Pale Male aufmischt?  

Paul Male: Ich denke, an und für sich hat die österreichische Musiklandschaft sehr viel Farbe zu bieten. Leider ist das Land ein bisschen zu klein, um sich in seiner Vielfalt wirklich auszuleben. Wie ich zum Beispiel in Amerika auf Tour war, habe ich gesehen, dass es dort für jede kleine Subkultur eine quasi bundesweite Szene gibt. In Österreich gibt es halt nur 8 Millionen Einwohner und für Musikerinnen und Musiker zwei relevante Radiosender, die ihr Programm haben. Da geht sicher einiges unter, was spannend wäre. Aber fairerweise muss man sagen, dass dafür eben auch auf die Szene fehlt. Ich glaube, verglichen zum Großteil der Musiklandschaft mischen wir wahrscheinlich eher auf, wenn man uns die Chance dazu gibt.

[…] alles, was mich umgibt und beeinflusst, beeinflusst natürlich auch die Musik.“

Gibt es inhaltlich spezielle Themen, die dich beschäftigen und in deiner Musik mitschwingen?  

Paul Male: Klar gibt es die. Ich versuche es, aber zu vermeiden, diese direkt zu verorten. Das nimmt für mich oft etwas vom Zauber. Aber alles, was mich umgibt und beeinflusst, beeinflusst natürlich auch die Musik. Manchmal hört man das mehr manchmal weniger. Das darf dann aber auch jede und jeder für sich entscheiden.

Was kann man sich von Pale Male in den kommenden Monaten erwarten?  

Paul Male: Ende November kommt die nächste Single. Danach wird es eine kleine Weihnachtspause geben. Wir sind noch nicht soweit, eine Coverversion von Last Christmas zu veröffentlichen. Im Frühjahr gehts dann weiter mit neuen Releases mit sehr feinen Features. Soia wird zu hören sein und auch der Rapper Patch Edison. Im März/April sollte dann eh schon das Album draußen sein. Ich hoffe sehr, dass Gigs bis dahin auch wieder spruchreif sind. Es juckt uns schon allen in den Fingern!

Abschließend: was wünscht ihr euch für das Debütalbum, für eure Musik generell und für kommendes Jahr?  

Paul Male: Den großen Durchbruch natürlich! Man wünscht sich wahrscheinlich immer, dass seine Musik gehört und geliebt wird, da werde ich nicht um den heißen Brei reden. Generell würde ich gerne so weiter machen können, mit viel Platz nach oben. Schöne Festival Gigs im Sommer wären super und sofern möglich, eine Clubtour im Herbst. Das sind auf jeden Fall greifbare Ziele, glaube ich, die uns schon mal sehr glücklich machen würden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Julia Philomena

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