Ernst Molden führt durch den finsteren Wienerwald

Der Wiener Leonhard Cohen, der schon von Nick Cave literarisch unterrichtet wurde, hat mit dem Soundtrack zu seinem fiktiven Singspiel „Häuserl am Oasch“ die mitunter kleinkarierte Seele der Wiener musikalisch seziert. „Wenn da Papa in Woid geht,  dann hot er an Grund, dann nimmt er sei puffn und schiasst auf an hund“ singt Ernst Molden ebenso sarkastisch wie im Track Döbling „Am Friedhof schläft die Wählerschaft der Volkspartei“. Wie eine Hommage an Nestroy und Raimund mutet der Soundtrack zum Singspiel an, dass noch bis 29. April im Wiener Rabenhof zu sehen ist.

Der Autor und begnadete Musiker, der bereits in vielen Liedern, wie etwa in  „Weiter als Heiligenstadt“ aus seinem Album Bubenlieder oder im Duett mit seinem Freund Willi Resetarits „Hammerschiedgossn“ die Liebe zu seiner Heimatstadt Ausdruck verliehen hat, beweist mit seinem Singspiel sein Gespür die Wiener Seele zur durchleuchten ohne aber seinen gewohnt finsteren Blick  zu verlieren.

Laut Molden handelt es sich um ein „Singstück für den Erdberger Boulvard“. Beim Hören verhärtet sich aber der Eindruck, dass es eine Parodie auf die Döblinger Boheme sein könnte. Musikalisch wird Molden von seiner Band tatkräftig unterstützt: Marlene Lacherstorfer, die auch bei Velojet die Basssaiten zupft, Hannes Wirth, der Gitarrist von A Life, A Song, A Cigarette, Heinz Kittner, der schon seit Jahren für den Ausnahmesänger trommelt und Walther Soyka der mit seiner Knöpferlharmonika neben Moldens manchmal derber Mundart maßgeblich für den Wienerischen Sound der Lieder verantwortlich ist.

„Waun da Wiena in Woed geht, na geds eam ned guad, dann geht’s eam ned guad, dann hod a sei düpische tristheit im bluad“. Die Wiener Tristheit und der Hang zum Vergänglichen wird ebenso thematisiert wie der Hang zum Alkohol: „Dreissig Gschbrizzde in zwa dog, is des wos i drinkn mog“. Aber auch die Kieberer kriegen in der Boilzistennumma ihr „Fett weg“.

Im Rabenhof singen und spielen unter anderem der vom Projekt X bekannte Gerald Votava, Michou Friesz, Heribert Sase, Markus Kofler und Ingrid Lang zur Livemusik von Ernst Molden. Beim Theaterstück fungiert Molden nur als Erzähler auf der CD singt er jedoch alle Nummern. Für ihn so eine Art Themenalbum. Aber man sollte sich das großartige Singspiel„Das Häuserl am Oasch“ weder auf gar keinen Fall, weder auf CD noch im live im Wiener Rabenhof  entgehen lassen! (me)

Fotokredits: Cover: Erika Molden, Fotokredit: Andy Urban

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