„Domino Days” ist der zweite Langspieler der Indie-Band ENDLESS WELLNESS der am 16.10.2026 auf Buback Tonträger erscheint.
Wer die Musik von Endless Wellness auch nur kurz vernommen hat, wird recht schnell merken, dass der Bandname eine ironisch-sarkastische Anspielung sein muss. Denn Wellness versprüht dieser Sound nicht gerade. Zumindest nicht jene Art von Wellness, die man mit den Massage- und Saunatempeln assoziiert, die derzeit allerorts wie ein Allheilmittel für unsere spannungsgeladene Gegenwart angepriesen werden. Da sich Konflikte und Sorgen aber bekanntlich nicht einfach wegschwitzen oder wegkneten lassen, ist der Begriff ein durchaus probates Aushängeschild für eine Band, die sich alles andere als oberflächlich positioniert.
Wobei Positionierung hier nicht als Marketingstrategie zu verstehen ist. Endless Wellness schwimmen durchaus gegen den Strom. Und das auch nicht nur an der Oberfläche. Denn ihre Texte beschreiben mehr als bloß das subjektive Befinden des lyrischen Ichs, sondern heben diese Empfindungen gleich auf eine gesellschaftliche Metaebene. Nicht in akademisch verschachtelten Sätzen oder pathetisch ins Mikrofon geschmetterten Parolen. Sondern in kunstvoll verdichteten Versen. Kompakt wie ein Schweizer Taschenmesser und nicht selten ebenso scharf. Dichtkunst, die gesellschaftliche Konflikte mit erstaunlich wenigen Worten auf den Punkt bringt.
Schon die Zeile „Ich möchte kein Eisbär sein, ich möchte eine Zukunft“ aus ihrem Debütalbum „Was für ein Glück“ (2024) spielt nicht nur auf den NDW-Hit „Eisbär“ der Schweizer Band Grauzone an, sondern hebt dessen Sehnsuchtsmotiv gleich auf die klimakatastrophale Metaebene. Und weil das mit derart greifbaren Bildern gelingt, darf man hier durchaus von wahrer Dichtkunst sprechen.
Daran knüpft das neue Album „Domino Days“ nahtlos an. „Kontrolle ist Messer“ wäre so ein Beispiel, das im wahrsten Sinne des Wortes den Chorus schärft und mit gerade einmal drei Worten das Zeug zum geflügelten Wort hat. Auch jenseits der Fangemeinde.
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Kontrolle ist schließlich eine ziemlich zentrale Angelegenheit unserer Gegenwart. Denn kaum etwas hält uns unsere eigene Fehlerhaftigkeit – oder sagen wir besser: Menschlichkeit – so gnadenlos vor Augen wie die digitale Welt. Ob Gesundheitsdaten, Bildschirmzeit, Analysetools oder Ratingmaschinen: Die Grenzen zwischen hilfreicher Selbstbeobachtung und zwanghafter Selbstoptimierung sind schnell überschritten. „Den Tag am Abend vorher proben“ bringt diesen Kontrollwahn wiederum mit wenigen Worten auf den Punkt. Als wäre das Leben eine Generalprobe, bei der bloß nichts schiefgehen darf.
Und wenn es dann doch anders kommt als geplant? „Wenn sie nicht gestorben sind, so verirren sie sich noch heute.“ Auch das vertraute Märchenende bekommt bei Endless Wellness einen ziemlich ernüchternden Gegenwartsanstrich. Statt glücklich bis ans Lebensende zu sein, irrt man eben weiter durch die unüberschaubaren Möglichkeiten der modernen Welt. Immer auf der Suche nach dem richtigen Weg. Am besten natürlich mit aktivierter Standortfreigabe.
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„Domino Days“ ist sicher kein Album für audiophile Klangfetischisten. Und auch keines für jene, die nach außergewöhnlichen Stimmen suchen, deren Timbre schon beim ersten Ton unter die Haut geht. Die große Stärke von Endless Wellness liegt vielmehr darin, kritische Gegenwartsbeobachtungen in kompakte Verse und eingängige, angenehm kantige Indie-Rock-Songs zu verpacken. Ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus und einem bemerkenswerten Gespür für Sprache.
Das mag nicht unbedingt entspannend sein. Aber vielleicht ist es ohnehin gesünder, sich mit den Ursachen des Unwohlseins auseinanderzusetzen, als dessen Symptome regelmäßig wegmassieren zu lassen.
Dominik Beyer
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Links:
Endless Wellness (Instagram)
Endles Wellness (Austrian Music Export)
Buback Tonträger
