
Inwieweit ist seit dem Bestehen der Europäischen Union ein länderübergreifender Popmusikmarkt entstanden? Antwort auf diese Frage gibt eine Studie die das European Music Office (EMO) in Kooperation mit Eurosonic/Noordeslag in Auftrag gegeben hat und diesen Jänner auf dem Eurosonic Festival präsentiert wurde. Inwieweit werden KünstlerInnen auch außerhalb ihres eigenen Heimatlandes wahrgenommen und können sich erfolgreich etablieren? Die Studie zeichnet ein eher ernüchterndes Bild. Zwar wird innerhalb der Europäischen Union überwiegend europäisches Repertoire von Radiostationen gespielt und von Konsumenten auch downgeloadet, der Sprung eines Acts über die Grenzen in ein anderes Mitgliedsland findet aber nicht wirklich statt. Man tut sich aus verschiedenen Gründen schwer, Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit außerhalb des eigenen Heimmarktes zu erreichen.
So hat es etwa nur 1 Song aus Österreich in einem anderen EU Land (Deutschland) während der Studie in die Top 200 Airplay oder Downloadcharts geschafft (im Gegensatz dazu 86 aus Großbritannien) 14 EU Länder haben keinen einzigen Titel der das Heimatland verläßt.
Der 120-seitige Bericht basiert auf Radio-Sendezeiten und digitalen Daten, die von dem globalen Forschungsunternehmen Nielsen Soundscan geliefert wurden. Der Bericht analysiert die Präsenz von den Top 200 meist-gespielten Songs und meist-heruntergeladenen Titel in Frankreich, Deutschland, Niederlande, Polen, Spanien und Schweden, und auf der pan-europäischen Ebene.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Das europäische Repertoire schneidet mit lokalen Repertoires recht gut auf nationaler Ebene ab, aber die Zahl der europäischen KünstlerInnen, die fähig sind den lokalen Erfolg in einen grenzübergreifenden Erfolg umzuwandeln, ist recht begrenzt.
- Die einzige Musik, die ohne Einschränkungen Grenzen überschreitet, ist Repertoire aus den USA.
- Auch das Repertoire aus Großbritannien hat Schwierigkeiten Grenzen zu überschreiten, nur wenige britische KünstlerInnen haben pan-europäische Erfolge (im Besonderen Adele).
- Für Länder aus Süd-und Osteuropa ist es weniger wahrscheinlich grenzübergreifende Erfolge zu feiern als für Länder aus Nordeuropa. Einzige Ausnahme ist Rumänien, das mit einigen “Eurodance” Produktionen grenzübergreifende Hits landen konnte.
- In jedem europäischen Land dominiert das englischsprachige Repertoire den Äther und die digitalen Downloads. Prozentuell variieren die Anteile von lokalsprachiger Musik je nach Land, überschreiten aber nie mehr als 25%.
- Europäische Musik-Genres, die Grenzen überschreiten, liegen in der Regel im Dance- und Pop-Bereich. US-Formationen, die auch auf der pan-europäischer Ebene erfolgreich sind, stammen aus dem R&B, Hip-Hop, Dance und Pop-Bereich.
- Rock, als Musik-Genre, ist in den europäischen Top 200 Auflistungen fast nicht existent.
Der Report wurde durch die Unterstützung folgender Institutionen ermöglicht:
Bureau Export (France), Fimic (Finland), Initiative Musik (Deutschland), mica – music austria (Österreich), Music Export Norway (Norwegen), Muziekcentrum Vlaanderen (Belgien), Sabam (Belgien), Wallonie Bruxelles Musiques (Belgien)
Die Autoren der Studio beobachten und analysieren die grenzüberschreitenden Repertoirebewegungen innerhalb der EU im Jahr 2011, um entsprechende Muster zu erkennen und Maßnahmen vorzuschlagen, die auf die Mängel auf dem Musik-Markt hinweisen.
Die gesamte Studie im Anhang.
http://www.emo.org