Diesen Freitag startet das Festival "Nachts" des Sirene-Operntheaters

Jeden Freitag und Samstag von 22. Mai bis 18. Juli, Ort der Handlung: Expedithalle der Brotfabrik, Wien 10, Puchsbaumgasse 1 (Tor 4): Neun Wiener Komponisten vertonen in neun Episoden Leo Perutz´ Roman “Nachts unter der Steinernen Brücke”. Den Beginn macht Altmeister René Clemencic, der als Komponist erst kürzlich mit einer Aufführung seines “Kablalla”-Oratoriums (1992) aufhorchen ließ und der auch bereits bei den “Operellen” des sireneOperntheater mitkomponierte.  

Löbliches Motiv der Macher, die seit 2002 miteinander arbeiten: “Oper zu machen ist im großen Betrieb der Opernhäuser zu einer schwer beweglichen Immobilie geworden. Wir sehen dagegen die Notwendigkeit, Opern so flexibel und risikofreudig zu erfinden und zu produzieren wie es in den großen Zeiten der Oper gang und gäbe war und wie es in anderen Kunstfeldern heute selbstverständlich scheint.”

Zum  “Nachts”-Projekt: Aus den in Innsbruck und auch in Wien gezeigten 2006 gezeigten “Operellen” (mehrere ca. 15-minütige Mini-Opern an einem Abend) sind nunmehr ca. einstündige Auftragswerke geworden. In jeweils nur einer Woche sollen diese Kammeropern in der großen denkmalgeschützten Halle der Brotfabrik in Szene gesetzt werden. Interpretieren wird sie das aus vorzüglichen Solistinnen  und Solisten zusammengesetzte ensemble_online. Und es gibt in Favoriten dazu auch Ausstellungen und Diskussionen mit den Komponisten. Das Leading Team bilden : Leute um Kristine Tornquist (Libretto und Regie, gemeinsam mit Rainer Vierlinger) und ein Konzept des Komponisten Jury Everhartz .
 
Die Musik der neun Abschnitte, von denen jeweils einer am Freitag und Samstag jeder Woche in dieser Serie gezeigt werden stammt von Oskar Aichinger, Akos Banlaky, René Clemencic, François-Pierre Descamps (er ist auch der Dirigent der Aufführungen), Christof Dienz, Lukas Haselböck, Paul Koutnik, Gernot Schedlberger und Wolfram Wagner.
Über das Projekt ist auf der Website der Kompagnie zu lesen: “Leo Perutz versammelt in seinem Roman Mythen aus der Geschichte seiner Geburtsstadt Prag und eröffnet so einen Gedankenraum zwischen Realität und Fiktion. Seine Erzählungen verzichten darauf, die dokumentierten Wirklichkeiten der Geschichte bei ihren Namen und Zahlen zu nennen, der Autor folgt vielmehr seiner eigenen Mythomanie und hält kollektive Geschichten der Vorstellung und Erinnerung fest, die unzerstörbar sind und unendlich fortgesetzt werden können, über alle harten historischen Fakten hinaus.
 
Kaiser Rudolf II. treibt die Geschichten dieses Romans mit seiner Sammelleidenschaft voran und so wird seine Wunderkammer zu einem wiederkehrenden Bezugspunkt. An jedem Premierenabend dieser “Wunderkammer-Oper” wird daher auch eine “Ausstellung” eröffnet. Gezeigt werden neun verschiedene Sammlungen, die Künstlerinnen, Künstler und, nicht zufällig, auch eine Historikerin angelegt haben und fortführen. Die gesammelten Dinge bilden ein kreatives Archiv, einen Schauplatz der Obsessionen und wollen dabei doch auch historische Ordnungen schaffen. Die ausgestellten Sammlungen geben dabei Weltbilder wieder und eröffnen Einblicke in kreative Prozesse. Sie sind individueller Ausdruck jeder Berührung mit der Gesellschaft, stellen den Anschluß zwischen individueller Projektion, aufgeklärter Welterfassung und modernen Konsumwelten her.


“Nachts unter der Steinernen Brücke”

 Rabbi Löw rettet bei einem Besuch des Kaisers Rudolf II in der Judenstadt von Prag diesem das Leben, indem er einen Stein, der von einem Attentäter auf den Kaiser gestürzt wird, in ein Paar Tauben verwandelt. Damit hat er allerdings in das Gleichgewicht der Welt eingegriffen und die göttlichen Ordnung gestört. Die Folgen wiegen schwer. Denn Rudolf sieht an diesem Tag die schöne Esther und verliebt sich. Nach vergeblicher Suche nach dem Mädchen, erpresst Rudolf den Rabbi Löw: wenn ihm dieses schöne Mädchen nicht auf die Burg gebracht würde, werde er die ganze jüdische Gemeinde verfolgen und vertreiben. Rabbi Löw weigert sich, Esther auszuliefern, denn sie ist die Ehefrau des Kaufmann Mordechai Meisl. Aber um Rudolf zu beschwichtigen, pflanzt der Rabbi einen Rosenstock und einen Rosmarinstrauch unter die Steinerne Brücke, in denen sich die Seelen von Esther und Rudolf Nacht für Nacht vereinen sollten. Damit bringt er die Sünde in die Judenstadt, die mit einer Seuche bestraft wird, an der die Kinder sterben.
 
Als Rabbi Löw das durch die Geister der verstorbenen Kinder erfährt, reißt er schweren Herzens den Rosmarinstrauch aus und wirft ihn in die Moldau. In dieser Nacht endet die Seuche, stirbt die schöne Esther und der Kaiser erwacht mit einem Schrei. Der Engel Asael besucht den Rabbi, spricht mit ihm über die Macht der Worte und die Spuren in der Welt, die sie hinterlassen, und wirft ihm den Eingriff in die göttliche Balance vor. Auf die Frage des Engels, warum sich die Menschen mit der Liebe beschwerten, die doch nur Unglück in die Welt brächte, erinnert Rabbi Löw den Engel an den Beginn der Zeit, als Engel und Menschentöchter einander liebten. Der Engel weint.” (Text: sirene Operntheater). Das mica wird in den Musiknachrichten gerne kontinuierlich über die Serie ausführlich berichten. (hr)
 
Sirene Operntheater

9 Uraufführungen in der Expedithalle der Ankerbrotfabrik Puchsbaumgasse 1 – Tor 4
1100 Wien
U1 Reumannplatz / Strassenbahn 6
Station Absberggasse

Freitag, 22. Mai und Samstag, 23. Mai 2009

20:00 Magic Money, gesammelt von Jonathan Allen
21:00 René Clemencic “Nachts unter der Steinernen Brücke”

Freitag, 22. Mai 20:00 Jonathan Allen diskutiert und zaubert mit Magic Christian
Samstag, 23.Mai 20:00 René Clemencic im Gespräch mit Andreas Dorschel

Dirigent : François-Pierre Descamps
Rabbi Löw : Dimitrij Solowjow
Kaiser Rudolf II : Rupert Bergmann
Mordechai Meisl = Wuk Rosenberg : Johann Leutgeb
Philipp Lang : Petr Strnad
Esther Meisl = Blümchen, Geist e. toten Kindes : Romana Beutel
Asael : Armin Gramer

ensemble_online
Violine. Annelie Gahl
Viola. Andrew Jezek
Violoncello. Maria Frodl
Kontrabass. Tibor Kövesdi
Schlagwerk. Berndt Thurner
Horn. Marcus Schmidinger
Trompete. Alfred Gahl
Posaune. Bernhard Rainer
Tuba. Hannes Haider

Chor im Hemd
Einstudierung : Andreas Salzbrunn
Martina Daxböck. Susanne Kurz. Maria Schweinberger. Barbara Brandl. Katharina Bilak. Cornelia Rupert. Daniel von Chamier. Florian Hartl. Robert Schimkowitsch. Michael Weiland. Konstantin Tarko. Alexander Tarko

Die weiteren Termine:

Fr. 22. Mai und Sa. 23. Mai

20:00 Magic Money, gesammelt von Jonathan Allen
22. Mai 20:00 Der Künstler diskutiert und zaubert mit Magic Christian
21:00 René Clemencic “Nachts unter der Steinernen Brücke”

Fr. 29. Mai und Sa. 30. Mai
20:00 Pilze, gesammelt von Ursula Hübner
29. Mai 20:00 es spricht Karl Bruckschwaiger
21:00 Oskar Aichinger “Der entwendete Taler”

Fr. 5. Juni und Sa. 6. Juni
20:00 Inspiranzien, aus der Sammlung von Raja Schwahn-Reichmann
5. Juni 20:00 es liest Anne Bennent
21:00 François-Pierre Descamps “Der vergessene Alchimist”

Fr. 12. Juni und Sa. 13. Juni
20:00 China Girls – kinematographische Proben, Martin Reinhart + Johann Lurf
12. Juni 20:00 es spricht Philipp Blom
21:00 Wolfram Wagner “Die Sarabande”

Fr. 19. Juni und Sa. 20. Juni
20:00 Erstdrucke, aus der Bibliothek von Loys Egg
19. Juni 20:00 Originalstimmen, bearbeitet von Wolfgang Fadi Dorninger
21:00 Lukas Haselböck “Der Maler Brabanzio”

Fr. 26. Juni und Sa. 27. Juni
20:00 Petit-Point-Objekte, gesammelt von Eva Blimlinger
26. Juni 20:00 es spricht Gerda Buxbaum
21:00 Paul Koutnik “Das verzehrte Lichtlein”

Fr. 3. Juli und Sa. 4. Juli
20:00 Schi, gesammelt von David Moises
3. Juli 20:00 es spricht Ernst Strouhal
21:00 Akos Banlaky “Der Stern des Wallenstein”

Fr. 10. Juli und Sa. 11. Juli
20:00 Sammlung der Möglichkeiten, von Iris Andraschek
10. Juli 20:00 es spricht Herbert Lachmayer
21:00 Gernot Schedlberger “Der Heinrich aus der Hölle”

Fr. 17. Juli und Sa. 18. Juli
20:00 Makrostaub, gesammelt von PRINZGAU/podgorschek
17. Juli 20:00 die Künstler im Gespräch mit Georg Weckwerth
21:00 Christof Dienz “Das Gespräch der Hunde”

Fotos © sireneOperntheater