Das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti ist mit drei Konzerten in der Remise in Bludenz (11.6.), im Porgy & Bess in Wien (12.6.) und im Treibhaus in Innsbruck (13.6.) zu erleben.
Die Konzertreihe „klang-sprachen“ verbindet Lyrik und Musik in einer länderübergreifenden Kooperation. Seit 10 Jahren wirken das Tiroler Lyrikfestival „W:ORTE“ und das Kammerorchester InnStrumenti sehr erfolgreich zusammen und daraus weiter entwickelte sich daraus die Zusammenarbeit mit dem Bludenzer Verein allerArt und der Vorarlberger Landesbibliothek. Bereits zum dritten Mal gastiert das Kammerorchester unter der Leitung von Gerhard Sammer in der Bludenzer Remise.
Das Besondere an dieser Konzertreihe ist der geistreiche Dialog zwischen Lyrik und zeitgenössischer Musik. Alljährlich werden international erfolgreiche Lyriker:innen eingeladen und Konzertaufträge vergeben, in denen neue Musik mit ausgewählten Gedichten in Beziehung gesetzt wird.
Sprachlich sensibel die Sinne schärfen
In diesem Jahr steht der Autor, Lyriker, Übersetzer und Kulturvermittler José Oliver im Mittelpunkt der Konzertlesung. Seine andalusischen Wurzeln spiegeln sich im Schaffen des Künstlers wider. Bereits im Jahr 2019 war der viel beachtete Autor beim Festival „W:ORTE“ zu Gast. Er kreierte auch den schönen Titel für das Innsbrucker Festival. Damals schrieb der Autor Ilija Trojanow im „Kulturkurier“ über José Olivers sensible Sprache: „Manchmal beflüstert er ein Unterwort. Und schärft mit dem sprachlich Unkonventionellen unsere Sinne. Wäre ich ein Wort, ein Halbsatz, ein Satz, ein Absatz, und würde ich kränkeln, sagen wir an der Grippe der Sprache, der gemeinen Abgegriffenheit, ich würde mich von José Oliver behandeln lassen, so behutsam, zart und präzise geht er um mit jeder Silbe.“
Maßgeschneiderte Kompositionen

Alle Kompositionen, die bei den „klang_sprachen 2026“ erklingen, sind speziell auf die Lyrik von José Oliver abgestimmt. Vorher ausgewählte Gedichte und Texte bilden die Inspirationsquelle für die neuen Werke. Besonders spannend sei dabei die Vielfalt der Zugangsweisen, betont der musikalische Leiter, Gerhard Sammer. Texte könnten musikalisch umrahmt, illustriert, ausgedeutet und vielfach unterschiedlich klanglich kontextualisiert werden. Der Lyriker wird bei der Aufführung ein inspirierender Teil des Kammerorchesters. „Es entsteht dabei eine ganz besondere Energie, die vom Urheber der Texte mitgetragen wird und sich so auf das Publikum übertragen kann.“
Von Beginn an war der Tiroler Komponist Klex Wolf für die „klang_sprachen“ aktiv und hat dieses Konzertformat maßgeblich geprägt. Im Jahr 2024 starb Klex Wolf im Alter von 56 Jahren. Er interessierte sich speziell für die Schnittstellen zwischen Literatur und Musik und setzte sich mit viel Humor komponierend und als Improvisationskünstler mit den Genregrenzen auseinander. Ihm zu Ehren erklingen zwei seiner Kompositionen, die er eigens für die „klang_sprachen“ geschrieben hat. Es sind Variationen über Variationen nach „Les Folies d’Espagne“ von Carl Philipp Emanuel Bach und „Variationen über Variationen von S. Rachmaninov, die er wiederum auf ein Thema von Corelli variierte.
Aus „kl:eine Auferstehung“ wird „Kauferstehung“
Auch zwei aus Vorarlberg stammende Komponisten, die seit Jahren in Tirol und Wien leben, wurden mit neuen Werken beauftragt. Thomas Desi, geboren in Bludenz, hat sich vor allem im Bereich des Musiktheaters einen Namen gemacht. Er gründete die Musiktheatertage Wien und ist dort als künstlerischer Leiter tätig. 2024 wurde seine Oper „The Butterfly Equation“ in Siena mit großem Erfolg uraufgeführt. Im August präsentiert er im Rahmen des Festivals „Accademia Chigiana“ in Siena die darauf basierende Suite „The Silence oft the Butterfly“ für sechs Klaviere.
Auch das Werk, das Thomas Desi für die „klang_sprachen“ komponiert hat, besitzt trotz seiner rein instrumentalen Anlage eine szenische Komponente. Dem Werk zugrunde liegt das Gedicht „kl:eine auferstehung“ von José Oliver. Das Gedicht habe ihn aus zwei Gründen angesprochen und Assoziationen zur Natur geweckt, erzählt der Komponist: „Zum einen geht es darin – in meiner Lesart – um das Auftauchen von etwas, das zuvor nicht da war, etwas, das ganz am Ende erst aufscheint. Diese Dramaturgie interessierte mich, wie etwas, das zuvor gewissermaßen den Boden bereitet, schließlich etwas hervorbringt, das wir nicht wirklich antizipieren können.“
Den Originaltitel „kl:eine auferstehung“ verballhornte Thomas Desi in „kauferstehung“. Wie die Transformation der Wörter in ein Instrumentalensemble eine Verwandlung des Klangs und auch des Sinnes mit sich bringe, sei dies im Titel angedeutet. Bei diesem können nun auch Aspekte von Kaufen, sich etwas erstehen, Konsum, und letztlich also auch „Kapitalismus“ herausgelesen werden, so er Komponist.
Jedes einzelne Wort des kurzen Gedichtes bildet einen kleinen Abschnitt, der sich mit der Struktur der Formanten des Wortes und seiner Konsonantengeräusche beschäftigt. „Jeder Abschnitt also, getrennt durch instrumentale Inaktivität vom vorigen, ist das Klangbild eines der Wörter des Gedichts.“
Leere ist nicht das Gegenteil von Fülle
Auch der Gitarrist und Komponist Gunter Schneider stammt aus Bludenz. Seinen Lebensmittelpunkt hat er seit vielen Jahren in Tirol. In Vorarlberg ist er vor allem in Verbindung mit Gerold Amann bekannt, von dem er einige, speziell für ihn zugeschnittene Werke zur Uraufführung brachte. Zusammen mit seiner Frau Barbara Romen, die verschiedene Hackbretter spielt, entwickelte Gunter Schneider zahlreiche Projekte, unter anderem mit Alexandra und Christoph Dienz, Burkard Stangl oder Angélica Castelló.
Für die „klang_sprachen“ komponierte er das Werk „vom klang der leere“ für Sprecher und Kammerorchester, nach dem gleichnamigen Gedicht von José Oliver. „In unserer von Reizen überfluteten Welt ist die Leere nicht das Gegenteil von Fülle, vielmehr bietet sie die Möglichkeit zum achtsamen Wahrnehmen dessen, was sonst unbemerkt, unbedacht, überhört bleibt“, notiert der Komponist. „So stellt sich die Leere als ein Potenzial dar, das es zu erforschen, zu entdecken gilt. Die Musik tut dies aus mehreren Richtungen, in verschiedenen Perspektiven, unterschiedlichen Einstellungen. Von fern, ganz nah, an den äußersten Rändern und ganz in der Mitte, leise, laut, ruhig, bewegt, wobei das Laute das Leise nur unterbricht, um dieses deutlicher werden zu lassen. Der Text wird dabei nicht vertont, auch nicht interpretiert oder kommentiert, eher gehen Text und Musik in eine ähnliche Richtung, nähern sich dem gleichen Phänomen mit ihren je eigenen Mitteln.“
Silvia Thurner
Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft im Mai 2026 erschienen.
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Termine:
Donnerstag, 11. Juni 2026, 20 Uhr
klang_sprachen: Remise Bludenz
Programm: José F.A. Oliver liest aus eigenen Texten; Kompositionen von Klex Wolf, Thomas Cornelius Desi, Gunter Schneider; Anto Sophia Manhartsberger und Nava Hemyari
Weitere Termine:
Freitag, 12. Juni 2026, 20.30 Uhr, Wien, Porgy & Bess
Samstag, 13. Juni 2026, 20.00 Uhr, Innsbruck, Treibhaus
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