„Die Lebensfreude ist wieder da.“ – MAX BORCHARDT (STEAMING SATELLITES) im mica-Interview

Zwanzig Jahre Steaming Satellites: Was 2006 mit dem Debütalbum „Neurotic Handshake at the Local Clown Party“ begann, hat die Salzburger Band weit über die heimische Musiklandschaft hinausgeführt. Tourneen durch Europa und die USA, Auftritte an der Seite von Acts wie Portugal. The Man oder Alt-J und nicht zuletzt ein unverwechselbarer Sound zwischen Indie, Alternative und Space Rock haben ihren Weg geprägt. Nun, zum runden Jubiläum, schlagen die Steaming Satellites ein überraschend leichtfüßiges neues Kapitel auf. „The Great Lime Paradigm” (Instrument Village/VÖ: 25.09.2026) verabschiedet sich von der Schwere der vergangenen Veröffentlichung  und sucht stattdessen die unmittelbare Energie früher Tage: rau, kantig, verspielt und bewusst frei von überflüssigem Ballast. Es geht um um die Freude am Musikmachen und auch die bewusste Abkehr von allzu glattpolierten Vorstellungen von Pop. Im Interview mit Michael Ternai spricht Max Borchhardt die Rückkehr zu den Anfängen, warum diese notwendig war, und den Kurswechsel im Denken

Ich kann mich erinnern, dass wir uns zum letzten Album das letzte Mal gesprochen haben. Es ist damals nicht unter den besten Voraussetzungen entstanden. Du hattest gerade eine persönliche Krise und eine Burnout-Phase hinter dir, und die Arbeit am Album war sehr kräftezehrend. Das hat sich natürlich auch in den Songs widergespiegelt – es war ein deutlich dunkleres Album. Das neue hingegen kommt teilweise fast schon sommerlich daher. „Pharaoh“ etwa geht als echter Sommertrack durch. Wie ist dieser Kontrast zum letzten Album zu verstehen? Dass das neue Album plötzlich wieder auf die positive Schiene führt.

Max: Der Grundgedanke war, alles wieder etwas leichter zu nehmen. Das Album sollte frischer, unbeschwerter wirken. Weniger Melancholie und mehr Lebensfreude ausstrahlen.

Ich wollte nicht im Selbstmitleid versinken und ein klares Zeichen für das „Ja zum Leben“ setzen.

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Es kommt mir auch so vor, dass Steaming Satellites heuer, Zufall oder nicht Zufall, das 20-jährige Bandjubiläum feiert und ihr diesen Umstand dafür genutzt habt, ein wenig wieder zurück zu den Anfängen zu gehen. Das Album ist im Vergleich zu den letzten Alben sehr gitarrenlastig. Vom Sound her ist es roher. Ist das mit dem Gedanken an die 20 Jahre einhergegangen oder ist das ganz einfach so passiert?

Max: Wir wollten wieder etwas zurück zu unseren Anfängen. Was hat uns damals bewegt Musik zu machen?  Musik war für uns immer ein Ventil um etwas Dampf abzulassen. Nach 20 Jahren Bandgeschichte verliert man sich oft in Details und vergisst auf das Wesentliche. Das Streben nach Perfektionismus kann einen oft in die Irre führen und man verliert das Feuer und die Leidenschaft zur Kunst. Manchmal verschlimmbessert man die Sachen indem man zu lange daran herumschraubt. Wir wollten wieder etwas mehr Ecken und Kanten zeigen, nicht alles glattbügeln und ja die Gitarren sind wieder etwas lauter geworden.

War es tatsächlich so, dass dieses Feuer weg war?

Max: Für mich hat sich das schon so angefühlt. Bei mir war das Feuer kurz mal weg.

Noch dazu ging es mir gesundheitlich nicht allzu gut. Das Album „Andromeda“ hat viel von mir verlangt und ich habe, ehrlich gesagt, mit dem Gedanken gespielt das Projekt Steaming Satellites auf Eis zu legen. Nach der Album Tour kam noch ein schwerer Snowboardunfall mit einer Verletzung des Rückenmarks hinzu. Ich konnte längere Zeit keine Instrumente spielen. Mittlerweile bin ich wieder fit und dankbar, dass ich diese Zeit überwunden habe.

Aber wie herausfordernd, schwer oder beziehungsweise leicht ist es dir gelungen, diesen Schritt zurückzumachen? Ich stelle mir vor, dass es trotzdem ein innerer Kampf ist, den Perfektionismus einmal beiseitezulassen und sich ganz einfach wieder auf die Ursprünge zu konzentrieren.

Max: Ich habe lange überlegt und viel reflektiert, bevor ich mich an die Arbeit für das neue Album gesetzt habe. Das Streben nach Perfektionismus wurde schon im Vorhinein abgelegt.  Das Album sollte eben nicht zu glatt wirken. Wir wollten etwas mehr Lo-fi reinbringen um das Ganze wieder Organischer wirken zu lassen. Die Songs an sich sollten funktionieren. Egal in welches Gewand man sie auch steckt. Diese Herangehensweise und den kreativen Prozess empfand ich diesmal als sehr befreiend und unkompliziert.

Auf jeden Fall klingt das Album sehr frisch. Musikalisch irgendwo zwischen Alternative-Rock und Indie, transportiert die Musik etwas Unbeschwertes. Spiegelt der Sound auch irgendwie den Entstehungsprozess wider? Sind die Riffs einfach nur aus dir herausgesprudelt?

Max: Die Songs zu schreiben empfand ich diesmal als relativ einfach.  Ich hatte eine klare Vorstellung wohin das Album gehen soll. Bis auf wenige Songs war ich die meiste Zeit alleine im Studio und konnte daher einfach drauf losarbeiten. Das Aufwendigste war, die Sachen zu mischen. Es war nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen, da die Songs teilweise wirklich sehr unterschiedlich geklungen haben. Von der Rohfassung bis zum fertigen Stück war es schwierig, alles auf einen Nenner zu bringen. Das war eigentlich die große Herausforderung bei dem Album.

Max: Die Songs zu schreiben empfand ich diesmal als relativ einfach.  Ich hatte eine klare Vorstellung wohin das Album gehen soll. Bis auf wenige Songs war ich die meiste Zeit alleine im Studio und konnte daher einfach drauf losarbeiten. Das Aufwendigste war, die Sachen zu mischen. Es war nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen, da die Songs teilweise wirklich sehr unterschiedlich geklungen haben. Von der Rohfassung bis zum fertigen Stück war es schwierig, alles auf einen Nenner zu bringen. Das war eigentlich die große Herausforderung bei dem Album.

Und wie war es inhaltlich? Das letzte Album war ja eher von schweren Themen geprägt.

Ist diese Dunkelheit, wie auch in der Musik, aus den Texten gewichen?

Max: Ja, die Dunkelheit ist auch aus den Texten gewichen. Die Lebensfreude ist wieder da.

Man darf sich von der Schwere der Welt nicht erdrücken lassen und man muss aktiv dagegen ankämpfen. Der Titel „The Great Lime Paradigm“ sollte das zum Ausdruck bringen. Die Limette als frische Symbol und ein Kurswechsel im Denken. Natürlich habe ich auch meine Zweifel. Die weltpolitische Lage macht mir große Sorgen, aber man sollte vor Angst auch nicht erstarren.

Vielleicht hilft das Album etwas aus dem Zweifel auszubrechen

Steaming Satellites hat ja eine nicht gerade kleine Fanbase. Wie geht ihr mit der Erwartungshaltung um? Verspürt ihr Druck?

Max: Ja, auf jeden Fall. Doch mit dem Album streben wir an, weniger Druck zu verspüren. Musik sollte Freude bereiten und nicht belasten. Nach 20 Jahren wird man das Rad der Musik nicht neu erfinden. Man möchte sich jedoch auch nicht ständig wiederholen. Daher greift man auf das zurück, was man aus seinen Fehlern gelernt hat, und versucht, das Beste daraus zu machen.

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Wenn du jetzt tatsächlich auf diese 20 Jahre zurückblickst, auf die Anfangstage: Wie sehr haben dich diese 20 Jahre geprägt? Wahrscheinlich habt ihr euch am Anfang nicht vorstellen können, dass ihr nach 20 Jahren immer noch in diesem Treiben steckt. Was haben diese 20 Jahre mit dir gemacht?

Max: Gute Frage. Steaming Satellites haben definitiv mein Leben geprägt. 20 Jahre sind kein Pappenstiel und meistens stand die Band im Lebensmittelpunkt. Die Leute, die mir nahestehen, wissen wie mich das Projekt manchmal vereinnahmt hat. Zu unseren Anfangszeiten habe ich mir keine großen Gedanken über die Zukunft gemacht. Das war eigentlich immer sehr befreiend und man hatte keine Zweifel an dem was man macht. Wir waren im Hier und Jetzt.

Mittlerweile denkt man natürlich etwas reflektierter über das Künstlerdasein nach und man sieht auch die Schattenseiten. Ich habe mir über die Jahre eine etwas dickere Haut zugelegt. Ich versuche das Musikbusiness nicht allzu ernst zu nehmen. Es fällt mir zwar nach wie vor nicht ganz leicht, aber der Spaß sollte immer an erster Stelle stehen.

Und musikalisch? Gibt es einen Song oder ein Album, auf das du ganz besonders stolz bist, das am nächsten an das herangekommen ist, was deine Vorstellung war?

Max: Ich bin da generell immer sehr selbstkritisch und natürlich alles andere als objektiv, aber wenn ich es auf zwei Alben reduzieren müsste, dann würde ich mich für „The Mustache Mozart Affaire“ und „The Great Lime Paradigm“ entscheiden.

Und was waren so die ganz besonderen Erlebnisse, die du in diesen 20 Jahren unbedingt noch einmal erleben willst, was Konzerte betrifft?

Max: Es wäre mal wieder interessant, eine US-Westküstentour zu machen, aber davor müsste sich die politische Lage in den USA wieder etwas beruhigen. Die Kosten sind momentan einfach zu hoch und dieser narzisstische Gockel im Weißen Haus macht vieles kaputt. Ich freue mich aber auch schon sehr auf die kommende Tour im Herbst und bin sehr dankbar für die Unterstützung unseres Publikums. Das treibt uns an, weiterzumachen.

Vielen Dank für das Interview.

Michael Ternai

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Steaming Satellites live
21.10.26 AT-Vienna, WUK

22.10.26 AT-Graz PPC
23.10.23 AT-Linz, Posthof
28.10.26 DE-Nürnberg, MUZclub
29.10.26 DE-Berlin, Privat Club
30.10.26 DE-Hamburg Betty
31.10.26 DE-Erfurt, Franz Mehlhose
01.11.26 DE-Dresden Beatpol
11.11.26 AT-Dornbirn, Spielboden
12.11.26 AT-Innsbruck, Treibhaus
13.11.26 AT-Salzburg, Rockhouse
14.11.26 DE-München, Strom

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