Mit ihrem vierten Album „(Smells Like) Wien Spirit“ (VÖ: 02.05.25, Preiser Records) versucht die Band DIE FAULEN KOMPROMISSE, die Essenz der österreichischen Landeshauptstadt einzufangen. Gleichzeitig bewegt sich die Band über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus, sogar hinauf bis zum Mars. Klanglich bleibt sie sich mit ihrem 50er-Rock’n’Roll und Indie-Punk-Rock sehr treu, es schwingen aber auch immer wieder neue musikalische Inspirationen mit.
Die Faulen Kompromisse vereinen in ihrer Musik Elemente des Blues, des Rock’n’Roll und des Funk. Gleichzeitig lässt sich die Band von modernen Einflüssen aus Rap und Trap bereichern. Eingängige Melodien, die im Ohr bleiben, verbinden sich mit groovigen Basslines und knackigen Drumfills, ebenso wie mit interessant platzierten Synthesizer-Klängen. Eine Ode an die Musiktheorie wird mit dem „Phrygischen Blues“ geschaffen. Hier folgt das Gitarrenspiel dem phrygischen Modus. Generell spielt die Kunst des Gitarrensolos eine bedeutende Rolle auf dem Album. Immer wieder kommen Gitarrensoli zum Einsatz und verleihen dem Album einen starken Bezug zur Rock- und Punk-Musik.

© Die Faulen Kompromisse
Das Album beschäftigt sich thematisch mit mehreren Schwerpunkten . Zum einen spielt die Stadt Wien eine wichtige Rolle, wie es der Albumtitel und das gleichnamige erste Lied „Smells Like Wien Spirit“ erahnen lässt. Die Stadt wird durch ihre multikulturellen Einflüsse und daraus resultierenden Gerüche definiert, die Wiens reicher Geschichte geschuldet sind. Musikalisch kommt man nicht umher Parallelen zu einem der einflussreichsten Künstler der Stadt zu ziehen – Falco. Die Bassline und das Gitarrenspiel erinnern ebenso an die Anfänge von Falco, wie auch der Mix von deutscher und englischer Sprache. Zudem sind Die Faulen Kompromisse von Rap beeinflusst, eine Musikrichtung, der sich auch Falco bedient hat. Neben Wien ist aber auch das Reisen eine Thematik, die sich in den Texten und Lieder immer wieder findet. In „Kein Schlaf bis Bregenz“ geht es um eine Autofahrt ins westlichste Bundesland, ohne Schlaf, dafür mit Zwischenstopp in der Dorfdisco. Nach Ungarn geht es im Lied „Budapest Express“. Darin wird die Zugreise von Wien nach Budapest thematisiert, aber auch Bezug auf das vorhergehende Album und auf die Single „Nachtbus nach Triest“ mit dem lyrischen Einwurf „[…] und auch kein Nachtbus nach Triest.“ genommen.
Hinweis: Mit dem Abspielen des Videos laden sich sämtliche Cookies von YouTube.
Im „Donau Delta Blues“ schwimmt die Band die Donau entlang bis zum Donaudelta, das zwischen Rumänien und der Ukraine liegt. Textlich spielt neben der Reise auch die aktuelle politische Lage in den beiden Ländern eine Rolle, allen voran die dahinterstehende Machtgier. Politisch sind auch die Texte von „Donnerbüchsen“ und „6 aus 45“. Es geht um Faschismus, Flucht und darum, dass im Leben oft Glück eine entscheidende Rolle spielt. In eine ähnliche Richtung geht auch die letzte Nummer des Albums. „Mars Bar“ spielt nicht mehr auf der Erde, sondern auf dem Mars. Das Lied erzählt von einer dystopischen Zukunft, in der reiche Menschen mit der Seilbahn auf den Mars fahren, während die Erde in ihrer jetzigen Form nicht mehr existiert. Einzig erfreulich – Die Faulen Kompromisse treten immer noch auf, wenn auch am Mars.
In „(Smells Like) Wien Spirit“ werden unterschiedliche thematische und musikalische Einflüsse miteinander verwoben und kombiniert. Dabei schafft es die Band ein in sich geschlossenes Album zu präsentieren, das eine Geschichte erzählt, ohne sich je zu wiederholen oder langweilig zu werden. Die Faulen Kompromisse zeigen sich von einer frischen, auch deutlich politischeren Seite, ohne dabei etwas von ihrem musikalischen Charme der letzten Werke zu verlieren.
Ylva Hintersteiner
++++
Links
Die Faulen Kompromisse Instagram
Die Faulen Kompromisse Facebook
Die Faulen Kompromisse Spotify
