Foto Pfeffer & Konsorten
Pfeffer & Konsorten (c) Pressefoto

„Dem traditionellen Wienerlied stehe ich eigentlich recht skeptisch gegenüber.“ – PFEFFER & KONSORTEN im mica-Interview

Seit 2014 besteht die Gruppe PFEFFER & KONSORTEN, auf ihrer nun vorliegenden Debüt-CD „olle san glaech“ (non food factory) stellt die Band um den umtriebigen Musiker THOMAS PFEFFER ihre ganz eigene Interpretation des Wienerliedes vor. Jürgen Plank sprach mit dem Musiker über gelben Wein und die ungewöhnliche Besetzung mit Gitarre und zwei Blasinstrumenten.

Wie hat es begonnen, dass Sie nun Ihre eigene Version des Wienerliedes spielen?

Thomas Pfeffer: Eigentlich kommt das von den Texten her. Es waren einige Texte da, die ich im Dialekt verfasst habe, und es ging dann darum, diese zu vertonen. Da die Texte eher Wienerisch waren, lag es nahe, das Wienerlied als Ausgangspunkt zu verwenden. Wir machen ja keine Kopie des Wienerliedes. Ich wollte nicht unbedingt ein anderes Genre nehmen, sondern beim Dialektlied bleiben, das es in Wien schon gibt.

Hat Sie das Genre Wienerlied ohnehin interessiert?

Thomas Pfeffer: Das schon. Aber ich muss sagen, dass ich dem traditionellen Wienerlied eigentlich recht skeptisch gegenüberstehe. Es hat doch Teilaspekte, die mir gar nicht so gut gefallen.

Nämlich?

Thomas Pfeffer: Dieses Süßliche. Es gibt einen süßlichen, vereinnahmenden Gesang, der mir gar nicht gefällt, und manchmal ist es mir zu schunkelig. Auch wenn man sagt, es wäre trübsinnig. Damit habe ich weniger ein Problem, aber mit den anderen Teilen schon, und die habe ich versucht zu vermeiden. Und auch textlich gibt es doch noch einiges zu holen, obwohl es einige sehr schöne Wienerlieder gibt. Sobald wir uns dazu entschlossen haben, dieses Genre zu verwenden, habe ich mir einige Wienerlieder angehört, um zu sehen, wie sie musikalisch funktionieren.

Stichwort neues Wienerlied: Inwiefern haben Akteure wie Die Strottern oder Roland Neuwirth Ihr Projekt beeinflusst?

Thomas Pfeffer: Als Einfluss sind die genannten Musiker nicht wichtig gewesen. Dass es da schon einen seit längerer Zeit andauernden Boom gibt, hilft aber bei der Verbreitung.

„Wir gehen von Themen aus, die schon im Wienerlied vorkommen, wie Tod, Alkohol, Exzess, Rausch. Sehr wenig Liebe.“

Welche Themen haben denn die Lieder auf der neuen CD?

Thomas Pfeffer:
Bei den Texten ist es ähnlich wie bei der Musik: Wir gehen von Themen aus, die schon im Wienerlied vorkommen, wie Tod, Alkohol, Exzess, Rausch. Sehr wenig Liebe. Aber das sind nur Ausgangspunkte, um zu Themen zu kommen, die normalerweise nicht besungen werden, und das finde ich spannend.

Worüber singen Sie dann? Was wäre so ein ungewöhnliches Lied, „schwoatsa poasche“ vielleicht?

Thomas Pfeffer:
Ja, das ist ein ganz gutes Beispiel. Dieser schwarze Porsche ist einerseits eine Todesfigur, andererseits geht es auch ums Überfahrenwerden. In jeder Hinsicht, auch metaphorisch gesehen, geht es auch um Benachteiligung. Das Lied hat einen sozialkritischen Unterton, verknüpft aber auch die Angst mit dem Tod.

Was wäre noch ein eher ungewöhnliches Liedthema?

Thomas Pfeffer: Es gibt ein Lied, das heißt „in da frua geeta wegga”, das ist sehr untypisch, weil es ein simples Sprachspiel ist und es um eine sprachliche Eigenheit des Wienerischen geht: Denn „wegga“ heißt auf Wienerisch auch „weggehen“.

Foto Pfeffer & Konsorten
Pfeffer & Konsorten (c) Jürgen Plank

Und es geht in einem Ihrer Lieder auch ums Trinken.

Thomas Pfeffer: Das war überhaupt eines unserer ersten Lieder. Es geht um eine ironische Auseinandersetzung damit, dass im Wienerlied eigentlich immer der Wein besungen wird, aber doch viele Menschen in Wien Bier trinken. Wir halten uns an die Regeln des Wienerliedes und besingen den Wein, meinen eigentlich aber das Bier. So ist „gööba waen“ entstanden.

In die Produktion war mit Walther Soyka ein intimer Kenner der Szene eingebunden. Wie war diese Zusammenarbeit?

Thomas Pfeffer: Sehr gut. Wir kennen einander schon länger. Als es mein Projekt Sergej Mohntau noch gab, haben wir die CD „Palindromsong“ bei Walther Soyka aufgenommen. Es war hervorragend, mit ihm aufzunehmen. Er ist ein Kenner der Szene und weiß sehr gut Bescheid. Darüber hinaus ist er sehr engagiert und ein Fanatiker der Musik – und es ist immer sehr angenehm, wenn man mit so jemandem zusammenarbeiten kann.

Hat Walther Soyka auch auf der aktuellen CD mitgespielt? Was waren seine Aufgaben im Rahmen der aktuellen Produktion?

Thomas Pfeffer: Er hat vor allem die Aufnahme und den Mix gemacht, mitgespielt hat er nicht.

„Die Besetzung mit den Bläsern ist eher ungewöhnlich.“

Damit sind wir bei Ihrer Besetzung: Wie kam es dazu, dass Sie mit einer Gitarre und zwei Bläsern spielen?

Thomas Pfeffer: Es war relativ klar, dass ich Gitarre spiele, aber es stimmt schon: Die Besetzung mit den Bläsern ist eher ungewöhnlich. Sie sollte uns davon abhalten, zu nahe am klassischen Wienerlied anzustreifen. Es gab zwar schon Ideen, eine Ziehharmonika oder einen Bass oder Streicher zu nehmen, aber wir haben uns dagegen entschieden, um ganz pur und räudig zu klingen. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Stimmen, wir singen oft dreistimmig und dadurch kommt hoffentlich der Text noch besser durch.

Florian Wisser spielt Trompete, Martina Zinner spielt mit dem Kornett ein Instrument, das eher ungewöhnlich ist. Wie kam es dazu?

Thomas Pfeffer: Sie hat erst zwei Jahre vor der Gründung von Pfeffer & Konsorten begonnen, Kornett zu lernen. Wie oft bei solchen Projekten, hat alles als Spaß begonnen, Florian Wisser spielt schon lange Trompete und durch die Freude am Spielen hat sich die Band formiert.

Foto Pfeffer & Konsorten
Pfeffer & Konsorten (c) Jürgen Plank

Ich erinnere mich an eines Ihrer früheren Projekte namens Roy Blast, vielleicht wegen der auch damals lustigen Texte. Damals ging es um das Chanson bzw. den Schlager als Überbau. Jetzt ist der Überbau das Wienerlied, das auch wieder aus einer Stadt kommt. Hat das System? Gibt es da eine Linie zwischen Roy Blast und Pfeffer & Konsorten?

Thomas Pfeffer: Eigentlich nicht wirklich, aber jetzt, wo Sie es sagen, fällt es mir auch auf. Bei Roy Blast bin ich noch ironischer vorgegangen, aber die Folie damals war eben der Schlager. Direkte Verbindung gibt es da keine, außer dieser einen Gemeinsamkeit, die Sie genannt haben. Es ging schon auch darum, den Schlager zu erweitern und es war ein Lo-Fi-Projekt.

Mit einer Kassette als Tonträger.

Thomas Pfeffer: Damals mit Kassette, Vierspuraufnahmen waren das.

Sie haben beim Wienerlied-Festival Mund.Art.Wien 2015 im Wiener Porgy & Bess gespielt. Wie waren die Reaktionen?

Thomas Pfeffer: Gut. Die Umsetzung hat live – erstmals auf einer größeren Bühne – gut funktioniert. Ich sehe uns überhaupt eher als Liveband. Das Bannen der Lieder auf CD war gar nicht so leicht, live in der Kommunikation mit dem Publikum funktioniert unsere Musik einfacher.

Wurde Spur für Spur aufgenommen oder in einem Take, quasi live?

Thomas Pfeffer: Alles auf einmal. Das war auch wirklich eine gute Idee, damit ein bisschen Liveatmosphäre erzeugt wird. Die Lieder sind so auf der CD, wie wir sie wirklich eingespielt haben.

Wo stehen Pfeffer & Konsorten in fünf Jahren?

Thomas Pfeffer: Hoffentlich auf größeren Bühnen [lacht]. Wobei die kleineren Konzerte auch sehr nett sind. Aber wie das so ist, wenn man so eine Band hat: Wir machen einfach weiter. Uns macht es Spaß und es gibt auch schon einige neue Lieder.

Warum heißt Ihre aktuelle CD „olle san glaech“?

Thomas Pfeffer: Das gleichnamige Lied beinhaltet eine ironische Brechung. Das Lied ist eigentlich eine Beschimpfung anderer und wird zu einer Aussage über einen selbst: Man selbst ist der Einzige, der speziell ist. Diese Drehung gefällt mir ganz gut. Das Lied beginnt mit einer Anspielung auf das Lied „Bei mir sads alle im Orsch daham“ [von André Heller und Helmut Qualtinger; Anm.] und dreht sich in der Folge. Wir haben gemeint, dass das ein guter Titel für eine erste CD ist.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Jürgen Plank

Link:
Pfeffer & Konsorten