
Ganze zwei Jahre lang haben die beiden zu allen Seiten hin offenen und experimentierfreudigen Musiker David Helbock (Klavier, Perkussion, Electronics) und Simon Frick (Violine, Electronics) an der Realisierung ihrer eigenen musikalischen Vision gebastelt. Eine Schaffensphase, die, hört man sich durch die CD „Diagonal“ durch, sich mehr als ausgezahlt hat. Man merkt bei jedem Ton, dass hier zwei Instrumentalisten am Werken sind, die ihr Handwerk verstehen und sich zu keinem Zeitpunkt irgendwelchen einschränkenden Begrifflichkeiten unterwerfen. Was hier regiert, ist das Spiel mit den Möglichkeiten, der Wille, Wege zu beschreiten, die traditionellen Vorstellungen, wie denn Jazz nun zu erklingen hat, auf erfrischende Art widerlaufen. Für David Helbock ist es vor allem dieser „Drang, immer wieder neue Herausforderungen zu suchen, immer wieder den Versuch zu unternehmen, die Grenzen zu verschieben“, der ihn in seinen Schaffen antreibt. Zentral für die beiden Musiker ist auch das Experiment, durch welches „sich natürlich der eigene Horizont erweitert und somit auch die Möglichkeiten“, so sein Kollege Simon Frick weiter.
David Hellbock/Simon Frick – Tibetian Prayers by mica

Für die beiden Instrumentalisten, die sich schon seit der Schulzeit am Musikgymnasium in Feldkirch kennen, sind es aber nicht nur alleine die rein musikalischen Aspekte, welche die Klangsprache ihrer Musik bedingen. David Helbock zieht seine Inspiration vor allem aus den Dingen, die um ihn und die Menschen herum passieren. Überhaupt bedingen diese die Musik in hohem Maße. „Letztlich geht es darum, wie leben die Leute in Brasilien, wie leben die Leute in Afrika, und warum spielen sie gerade diese Musik? Eben weil sie so leben. Es geht nicht um die Noten oder den Rhythmus, sondern um das darüber“, so der Pianist. Dem stimmt auch der Geiger zu: „Was ich ganz besonders spannend finde ist, wie sich vom Ort oder Breitengrad her die Musik verändert. So hört man in den nordischen Sachen dann doch irgendwie die Dunkelheit und die Kälte, welcher die Leute dort im Winter lange ausgesetzt sind, durch. In der brasilianischen Musik ist es die Sonne und die immer milden Temperaturen. Ein Ort übt also stets einen bestimmten Einfluss aus.“ Und so verhält es sich klarerweise auch bei der eigenen.
„Diagonal“ ist schlicht ein ungemein berührendes und vielschichtiges Musikerlebnis, welchem man auf jeden Fall Gehör schenken sollte. Eines ist nämlich sicher: von diesem außergewöhnlichen Duo wird man in Zukunft nach einiges zu hören bekommen.
Michael Ternai