„Das Wichtigste ist, dass man die richtigen Leute findet – in der Musik und im Leben.“ – Carlos Emilio im Mica-Interview

Mit seinen Songs bewegt sich der 22 Jahre junge Carlos Emilio zwischen persönlicher Reflexion, gesellschaftlichem Bewusstsein und einer spürbaren Liebe zur Live-Musik. Der junge Wiener Musiker mit kubanischen Wurzeln hat sich in kurzer Zeit vom Solo-Projekt zur eingespielten Bandformation entwickelt und zuletzt mit einem überzeugenden Auftritt beim Neubauvision Song Contest auf sich aufmerksam gemacht. Im Gespräch mit Dominik Beyer spricht er über die Bedeutung von Mut und Authentizität, den Umgang mit negativer Energie, seine musikalische Sozialisation in einer Musikerfamilie und darüber, warum Live-Konzerte für ihn das Herzstück seiner künstlerischen Arbeit sind. Außerdem verrät er was in Zukunft von CARLOS EMILIO zu erwarten sein wird.

Herzlichen Glückwunsch zum Sieg des Neubauvision Song Contest. Was hat dieser Erfolg für dich und deine Band mit sich gebracht?

Carlos Emilio: Vielen Dank. Für uns war das eine großartige Erfahrung. Wir haben dabei noch einmal gemerkt, wie viel Freude uns das gemeinsame Live-Spielen macht. Zwar hatten wir davor schon einige Bühnenerfahrung gesammelt, aber der Neubauvision Song Contest war definitiv ein Höhepunkt für uns.

Dominik Beyer: Ihr habt sehr routiniert gewirkt. Wie lange gibt es euch eigentlich schon als Band?

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Carlos Emilio: Das Projekt hat ursprünglich als Soloprojekt begonnen. Anfang 2024 habe ich meine ersten Songs veröffentlicht. Damals bin ich noch allein mit Backingtracks aufgetreten. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass das nicht das ist, was ich langfristig machen möchte. Eine Band macht die Musik lebendig. Deshalb war es mir wichtig, Menschen zu finden, die musikalisch und menschlich zu mir passen. In dieser Form gibt es die Band seit etwa einem Jahr.

Ist die Band auch an den Produktionen beteiligt?

Carlos Emilio: Ja. Mein Produzent Kilian spielt gleichzeitig Klavier in der Band. Auch unser Gitarrist bringt oft tolle Ideen ein. Meist komme ich mit Texten, einer Grundidee und einer groben Struktur. Gemeinsam entwickeln wir daraus den fertigen Song.

Du hast mit unterschiedlichen Produzenten gearbeitet. Wie hat sich das entwickelt?

Carlos Emilio: Die ersten Produktionen mit Flouzy waren etwas elektronischer und stärker vom Hip-Hop beeinflusst. Mit meinem jetzigen Produzenten Kili “Kilian Seibl” hat der Sound mehr Bandcharakter. Zudem verbindet mich mit ihm mittlerweile auch eine enge Freundschaft. Wir haben irgendwann beschlossen, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Das fühlt sich sehr richtig an.

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In deiner Single „Donau“ geht es um den Umgang mit negativer Energie. Was steckt dahinter?

Carlos Emilio: Im Alltag begegnet man vielen Dingen, die man nicht beeinflussen kann. Wenn man offen durchs Leben geht, nimmt man vieles davon auf. Natürlich sollte man sich mit wichtigen Problemen auseinandersetzen. Aber es gibt auch sehr viel unnötige Negativität, die nur daraus entsteht, dass Menschen ihren Frust weitergeben. In „Donau“ geht es darum, sich davon nicht herunterziehen zu lassen und bildlich gesprochen darüber hinwegzufliegen.

Hast du einen praktischen Tipp, wie das gelingen kann?

Carlos Emilio: Ich denke, man verbringt mit niemandem mehr Zeit als mit sich selbst. Deshalb ist wichtig, wie man mit sich spricht. Wenn man ständig negativ denkt, nimmt man auch die Welt negativer wahr. Mir hilft es, im Moment zu bleiben und mich nicht von Ängsten oder Befürchtungen bestimmen zu lassen, die vielleicht gar nicht eintreten. Oft entdeckt man gerade dadurch, was einem wirklich wichtig ist.

Hat es Mut gebraucht, die ersten Songs zu veröffentlichen?

Carlos Emilio: Auf jeden Fall. Die größte Sorge war natürlich, dass die Musik niemanden interessiert. Aber wenn man es nicht versucht, kann es erst recht nicht funktionieren. Man muss sich mental darauf vorbereiten und akzeptieren, dass man mit etwas Persönlichem nach außen geht. Das macht verletzlich. Gleichzeitig habe ich bemerkt, dass die Reaktionen meistens viel positiver ausfallen, als man vorher befürchtet.

Gab es Momente, in denen du an deinem Weg gezweifelt hast?

Carlos Emilio: Der größte Stolperstein ist wahrscheinlich der Vergleich mit anderen. Es gibt immer Menschen, die weiter sind oder größere Zahlen vorweisen können. Davon sollte man sich nicht zu sehr beeinflussen lassen. Wichtig ist, dranzubleiben und sich bewusst zu machen, warum man Musik macht. Für mich ist die Musik trotz aller Herausforderungen immer etwas sehr Erfüllendes geblieben.

Du kommst aus einer Musikerfamilie. Wie sehr hat dich das geprägt?

Carlos Emilio: Sehr stark. Musik war bei uns immer präsent. Wir haben nicht nur an Feiertagen musiziert, sondern eigentlich bei jeder Gelegenheit. Meine Eltern haben mir unglaublich viel mitgegeben, ebenso die Musikschule und verschiedene Lehrerinnen und Lehrer. Dafür bin ich sehr dankbar.

Studiert hast du aber was anderes dann, oder? 

Carlos Emilio: Ja. Ich habe mich zunächst für ein anderes Studium entschieden. Gleichzeitig habe ich meine musikalische Ausbildung nie beendet, nehme bis heute Gesangsunterricht und arbeite kontinuierlich an meiner künstlerischen Entwicklung. Schon als Kind war für mich klar, dass Musik eine zentrale Rolle in meinem Leben spielen wird.

Wie entstehen deine Songs?

Carlos Emilio: Meistens setze ich mich ans Klavier und spiele einfach drauflos. Oft entsteht daraus eine Melodie. Manchmal kommt die Idee aber auch mitten im Alltag – eine Textzeile, ein Gedanke oder ein Gefühl. Dann notiere ich das und entwickle es später weiter. In letzter Zeit schreibe ich auch viele Texte und Gedichte unabhängig von konkreten Songs. Wichtig ist dabei, dass man die ursprüngliche Essenz nicht durch zu viel Überarbeitung verliert.

Denn „perfekt sein ist ein Mythos“, richtig? So singst du in deiner neuen Single „Dreh die Box auf“.

Carlos Emilio: Genau. Irgendwann muss man die Dinge auch loslassen und veröffentlichen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=7–gj0hW9E0

Wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen?

Carlos Emilio: Eine Reichweite aufzubauen, die über das persönliche Umfeld hinausgeht. Mein Ziel ist, Menschen zu erreichen, die mich nicht kennen, sondern meine Musik entdecken. Das ist wahrscheinlich eine Herausforderung für viele Künstlerinnen und Künstler am Anfang.

Liegt dein Fokus dabei eher auf Streaming oder auf Konzerten?

Carlos Emilio: Ganz klar auf Live-Musik. Dort fühle ich mich am wohlsten. Ich glaube auch, dass die meisten Menschen über Konzerte wirklich einen Bezug zu meiner Musik entwickeln. Gleichzeitig braucht man natürlich Sichtbarkeit, damit man überhaupt die Möglichkeit bekommt, live aufzutreten.

Wie seid ihr zu euren ersten Konzerten gekommen?

Carlos Emilio: Teilweise habe ich sie einfach selbst organisiert. Wenn man keine Veranstalter hat, muss man eben selbst aktiv werden. So sind einige unserer ersten Auftritte entstanden. Andere Möglichkeiten ergaben sich über Jam-Sessions oder lokale Kulturinitiativen.

NeubauVision Finale © Pia Fronia
NeubauVision Finale © Pia Fronia

Deine Songs verbinden oft persönliche Themen mit gesellschaftlichen Beobachtungen. Was reizt dich daran?

Carlos Emilio: Ich finde, Musik darf auch Fragen stellen und Dinge ansprechen, die uns alle betreffen. Gleichzeitig soll sie Menschen etwas geben – einen Raum, in dem sie durchatmen können. Diese Balance interessiert mich. Man muss nicht ständig an die Probleme der Welt denken, aber man sollte sie auch nicht komplett ignorieren.

Was dürfen wir in nächster Zeit von dir erwarten?

Carlos Emilio: Wir arbeiten intensiv an neuer Musik und möchten möglichst regelmäßig veröffentlichen. Ein Album ist definitiv ein Ziel, sofern die Finanzierung möglich ist. Außerdem stehen bereits mehrere neue Songs in den Startlöchern. Da wird in den kommenden Monaten einiges passieren.

Und wie viel Zeit verbringst du mit Musik?

Carlos Emilio: Ehrlich gesagt eher zu viel als zu wenig. Ich muss manchmal sogar aufpassen, mich nicht in neuen Ideen zu verlieren. Deshalb sortiere ich viel aus, konzentriere mich auf die stärksten Ideen und entwickle diese gemeinsam mit der Band weiter. Das ist mittlerweile mein kreativer Prozess.

Vielen Dank für das Gespräch.



Dominik Beyer


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Links:
https://www.instagram.com/carlosemilio.official