
Eines eurer markantesten Merkmale ist wohl, dass Drummer Paul Henzinger gleichzeitig der Leadsänger ist. Wie ist es dazu gekommen?
Paul: Als wir damals diese Band gegründet haben, hat sich das irgendwie logisch ergeben. Da ich bereits in anderen Formationen früher den Hauptgesang bzw. Backgroundgesang übernommen habe, war dies der einfachste Weg, gleichzeitig den gesuchten Posten am Schlagzeug und Gesang auszufüllen.
Hat diese Doppelbelastung Auswirkungen auf dein Drumming?
Paul: Natürlich schränkt dich das Singen ein bisschen ein am Schlagzeug. Es ist aber auch umgekehrt so, dass dich das Drummen ein wenig beim Gesang einschränkt, da es einfach anstrengend ist. Mit sehr viel Übung und Disziplin ist dies aber kein Problem und Live ist eigentlich fast alles umsetzbar, was auch im Studio gemacht wurde.
Die zweite Besonderheit, die ins Auge springt, ist die, dass mit Jeremy und Joshua Lentner zwei Brüder bei Midriff spielen. Welche Auswirkungen hat das auf die bandinternen Dynamiken? Seit ihr eher so eingeschworen wie die Young-Brüder bei AC/DC oder fetzt ihr euch so, wie die Gallaghers bei Oasis?
Jeremy: Natürlich gibt es immer wieder mal kleine Ungereimtheiten, das gehört aber dazu, und das hat nicht nur damit zu tun, dass man als Brüderpaar agiert, sondern vielmehr damit, dass man einfach sehr viel Zeit mit den anderen Jungs verbringt und auch eine Menge Entscheidungen zu treffen sind. Wir sind aber schon ein sehr eingeschworenes Brüdergespann und arbeiten sehr gut zusammen.
Und was bedeutet es für dich Paul, mit zwei Brüdern Musik zu machen?
Joshua: Der wurde eh schon adoptiert!
Paul: Eine tolle und schnelle Arbeitsdynamik innerhalb der Band, da Jeremy und Joshua ja auch zusammen wohnen, macht das vieles einfacher.
Habt ihr, Joshua und Jeremy, immer schon gemeinsam Musik gemacht?
Jeremy: Zwangsläufig! (lacht) Nein, dadurch, dass ich ein bisschen älter bin, hab ich halt mit 15 selber angefangen, mit Schulkollegen Musik zu machen. Es hat aber nicht lange gedauert und Josh war dabei, und wir spielten Clubs, in welche mein Bruder noch nicht hätte gehen dürfen, wenn er nicht die Gitarre umhängen gehabt hätte.
Glaubt ihr, dass euer Zusammenspiel an Bass und Gitarre anders wäre, wenn ihr nicht Brüder wärt?
Joshua: Mit Sicherheit. Wir machen sehr viele Dinge einfach total tight, da wir halt schon seit 15 Jahren zusammen spielen. Jeremy ist ja neben seiner Tätigkeit als Bassist auch noch ein passabler Rhythmusgitarrist und dies ist natürlich auch beim Songwriting eine coole Sache.
Ihr habt letztes Jahr mit Blackout eine Akustik-EP herausgebracht. Wie ist die Idee dazu entstanden?
Paul: Wir spielten eigentlich seit unserer Gründung 2008 immer wieder Unplugged Shows, weil es einfach Spaß macht, das ganze mal etwas ruhiger zu performen. Fans fragten uns dann immer, ob es auch mal ne Unplugged CD geben wird. Die Zeit war also reif, und außerdem machte es verdammt viel Spaß die Platte in unserem Studio live und ohne Klick zusammen aufzunehmen.
War es von Anfang an euer Plan, auch diese akustische Seite der Band zu forcieren, oder wart ihr gezwungen, aus der Not eine Tugend zu machen, um auch in Locations spielen zu können, in denen ihr in eurer normalen Lautstärke nicht auftreten hättet könnn?
Jeremy: Mit Sicherheit beides richtig. Aber bei rund 60 Shows im Jahr ist Unplugged auch mal eine coole Abwechslung und hat ein ganz eigenes Flair. Wir schreiben viele Songs daheim auf der Akustikgitarre, da liegt es nahe, diese Songs mal „back to the roots“ zu performen. Josh und ich hatten schließlich auch eine fundierte Ausbildung auf der klassischen Gitarre, das Unverstärkte ist uns nicht fremd.
Könnt ihr von der Musik leben bzw. einen Teil eures Lebens finanzieren? Oder fließt die gesamte eingenommene Kohle zurück in die Band um die anfallenden Kosten ausgleichen zu können?
Paul: Wir studieren alle drei und können somit einen Teil unseres Lebensunterhaltes mit der Musik finanzieren. Alleine von der Musik wäre es aber leider nicht möglich. Natürlich fließt auch ein Teil wieder in die Band bzw. meine musikalische Hobbies, wie das Klavierspielen oder unser Studio.
Euer Bandname bedeutet „Zwerchfell“. Wie seid ihr auf den Namen Midriff gekommen und welche anderen Namen habt ihr damals in Erwägung gezogen?
Paul: Wir saßen auf den Treppen bei unserem heutigen Studio in der Abendsonne und irgendwann fiel dieses Wort, das Jeremy im Wörterbuch gefunden hat. Das war’s. Der Name ist leicht auszusprechen, nicht allzu lange, bedeutet obendrein noch etwas Sinnvolles und gefiel uns von Anfang an.
Ihr habt ja als Quartett mit zwei Gitarren losgelegt. Warum seid ihr jetzt als Trio unterwegs?
Jeremy: Unser damaliger Bassist ist Ende 2010 aufgrund von Ausbildung etc. ausgestiegen und wir suchten einige Wochen nach Ersatz. Da wir aus einer eher klein strukturierten Region kommen, und sich alle Musiker untereinander kennen, war bald klar, dass wir keinen adäquaten Ersatz finden werden, der auch unser Tourpensum absolvieren möchte und in unseren eingeschworenen Haufen passt. Deshalb bin ich zum Bass gewechselt, habe ein paar Wochen lang wie ein Irrer stundenlang geübt und wir spielten wieder Gigs. Mittlerweile taugt mir mein Job als Bassist extrem gut, und wir wollen gar nicht mehr zurück zur Quartettbesetzung. Wir sind härter und tighter denn je.
Wie seid ihr eigentlich zur Musik gekommen? Fördern euch eure Familien bei dem was ihr macht, oder wünschen sie sich eher, dass ihr einen „richtigen“ Beruf ausüben würdet?
Jeremy: Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir in tollen Familien aufwachsen durften, die Musik immer unterstützt haben und unser Streben und Tun immer noch extrem unterstützen. So ist unser Vater bei jedem Gig als Fahrer und Roadie dabei und unsere Mutter kümmert sich um den Merchandise Versand. That’s Rock’n’Roll!
Paul: Meine Eltern schenkten mir immer wieder ein anderes Instrument als ich klein war, um zu sehen, was mir gefällt. So bin ich beim Schlagzeug hängen geblieben. Wir sind alle froh, dass unsere Familien und Freundinnen so viel Verständnis für unsere Musik haben und uns dabei unterstützen. Ohne diesen Support würde es nur schwer realisierbar sein.
Was war denn der bisherige Höhepunkt in der Midriff-Karriere?
Jeremy: Ach, schwer zu sagen. Die Shows mit Godsized im März 2013 waren schon sehr cool. Auch das ein oder andere Festival oder Clubshow zeigt, was mit dieser Band noch alles möglich wäre. Die Red Bull Brandwagen-Tour vor einigen Tagen war auch eine sehr coole Sache.
Und der Tiefpunkt?
Paul: Ach da gab es auch ein paar …Wenn du hunderte Kilometer fährst, dich auf ’ne coole Clubshow im Rahmen einer Weekendtour freust, und der Promoter kein einziges Plakat aufgehängt hat, und zwei zahlende Gäste vor der Bühne stehen, dann weißt du, wie sich alle großen Künstler mal gefühlt haben.
In den letzten Wochen ist das Thema Förderung der österreichischen Rock- und Popmusik wieder medial aufgeflammt, nachdem der ORF bekannt gegeben hat, die rund 100.000 Euro, die er bisher in die Förderung gesteckt hat, in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stellen wird. Seid ihr jemals in den Genuss von öffentlichen Fördergeldern für eure Alben oder Tourneen gekommen und wird in Österreich tatsächlich zu wenig gemacht?
Jeremy: Wir sind in unserer noch jungen Bandkarriere noch nicht zum Zug gekommen, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wir haben bis jetzt alles selbst finanziert, haben aber auch den ein oder anderen Sponsor bzw. Endorsementdeal, welche uns helfen, unser Tourpensum so durchzuziehen, wie wir es gerade machen. Schade ist es, dass in Österreich bestimmte Rundfunkstationen ein regelrechtes Monopol besitzen und im musikalischen Sinn derartige Gehirnwäsche betreiben, dass viele tolle Acts gar nie die Möglichkeit bekommen, im Radio gespielt zu werden. Das funktioniert in anderen Ländern wesentlich besser.
Tirol ist ja nicht unbedingt als Brutstätte der Rockmusik bekannt, sondern eher für die volkstümlicheren Klänge. Habt ihr es jemals als Nachteil empfunden in Tirol stationiert zu sein?
Jeremy: Tirol mag zwar für Lederhosenmusik und Hansi Hinterseer bekannt sein, aber es gibt einige coole Veranstaltungslocations mit sehenswerten internationalen Acts. Der Vorteil ist mit Sicherheit, dass es in Tirol sehr wenige Locations mit „Pay to play“ gibt, was ja in Wien nicht unüblich ist. Natürlich kommen ostösterreichische Bands viel öfter zum Zug, wenn es um hochkarätige Supportacts geht, weil die Bands im Westen leider oftmals etwas vergessen werden. Wir haben aber in unmittelbarer Reichweite eine Millionenstadt, in der es sehr viele Möglichkeiten für Musiker gibt: München.
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