Bild M185
M185 (c) Julia Huerner

„Das ist eine Welt, die niemanden interessiert” – M185 im mica-Interview

Was macht man, wenn man das Gefühl hat, in einem Genre sei alles gesagt? Ganz einfach:  Man schaltet die Instrumente aus, um neuen Ideen neuen Raum zu geben. Genau das taten M185, die oft als Indie-Band wahrgenommen wurden, das aber eigentlich nie so richtig sein wollten. HEINZ WOLF und WOLFRAM LEITNER verrieten Markus Deisenberger, warum laute Handys während eines Konzertes manchmal unerlässlich sind und weshalb sie mehr Lust haben, neue Songs zu schreiben, als alte zu spielen.

Fangen wir mit dem Cover-Konzept an: Das neue Album erscheint in Kleinauflage. Jedes Stück allerdings ist ein Unikat, und das funktioniert so: Eine Low-Budget-Wühltisch-Platte eines fremden Artists bekommt ein teilweise durchsichtiges, teilweise mit Stickern gebrandetes Kunst-Cover verpasst, in das zusätzlich eure Platte gesteckt wird. Das heißt, alle, die sich zum Kauf eurer Platte entschließen, bekommen neben eurer auch eine andere Platte. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Heinz Wolf: Es war klar, dass es eine Kleinauflage sein wird. Und das ist dann mit den Covers immer so eine Sache, weil die in höheren Auflagen gedruckt werden. Wir aber wollten dieses Mal nur 185 Stück machen. Aber eigentlich muss man da weiter ausholen: Es war ein langer Prozess, die Platte fertigzustellen. Wir haben über viele Dinge nachgedacht und über uns selbst reflektiert. Das Musikbusiness läuft im Wesentlichen so: Man muss sich anpassen. Man macht etwas, findet das toll. Dann trifft man sich mit einem Label, einem Vertrieb und einer Booking-Agentur. Das war nie unsere Komfortzone.

Wolfram Leitner: Immer, wenn es ans Produkt ging – und selbst, wenn du es gar nicht willst, bist du letztlich eines –, haben wir uns schwergetan. Musik machen fiel uns leicht, sie zu verkaufen war eine andere Schiene. Da kamen wir auf die Idee, genau das zu thematisieren.

Heinz Wolf: Wir machten immer, was wir machten. Das war das eine. Aber: Die Welt, die wir zeigen wollten, findet sich nur schwer oder gar nicht in einer Single-Auskopplung. Das war das andere. Viele kamen im Laufe unserer Bandgeschichte auf uns zu und sagten: „He, ihr braucht einmal einen ordentlichen Produzenten, der euch erklärt, wie man einen Song schreibt!”

Im Ernst?

Heinz Wolf: Ja. Du machst etwas, was dir Spaß macht und was offenbar auch anderen Leuten Spaß macht, sonst kämen sie nicht zahlreich zum Konzert. Aber dann kommt der Punkt, an dem es unweigerlich heißt: „Jetzt musst du dich mit jemanden zusammentun, der wirklich eine Ahnung hat.“

Einen Amadeus Austrian Music Award bekommt man ja auch nicht, wenn man nichts draufhat …

Heinz Wolf: Einerseits, ja. Andererseits: Im Vorfeld dieser Platte sprachen wir mit einem Booker, der die Frage stellte: „Wer soll sich sowas eigentlich anhören?“

Wolfram Leitner: Es gibt da die Idee, wie ein Produkt in unserem Bereich ausschaut, und dann stellt sich die Frage, wie weit man sich dem anpassen will.

Heinz Wolf: Nachdem wir beschlossen hatten, eine Platte rauszubringen, wollten wir den Entstehungsprozess der Musik extrem vom Produkt trennen und das Produkt dadurch infrage zu stellen. Ein anderes Produkt, welches auch immer, zu nehmen, es mit drei Stickern zu branden und dadurch zu sagen: „Das ist jetzt mein Produkt.“ Dadurch die Frage aufzuwerfen, was überhaupt ein Produkt ist, was es ausmacht, das war für uns sehr spannend. Die zweite Komponente ist: Als Band landest du sehr schnell in der Ein-Euro-Wühlkiste. Diesen Dingen neues Leben einzuhauchen, sie aus der Wühlkiste rauszuholen, ist schon super. So passiert eine Aufladung.

Erstaunlich, was man für einen Euro alles bekommt: Grace Jones, die Supremes, Mikis Theodorakis …

Heinz Wolf: Von Grace Jones haben wir sogar zwei Maxis. Viele der Bands aber kenne ich nicht. Ich würde sie auflegen und das erste Mal hören.

Wolfram Leitner: Der life cycle eines Produkts. Die Überreste zu nehmen und diese zu neuem Leben zu erwecken, fanden wir schön. Aber wir maßen uns da nichts an. Die 185 Stück, die wir verkaufen, führen zu keiner wirklichen exposure.

Heinz Wolf: Heute ist es eher so, dass du auf irgendeiner Streamingplattform landest und dort stirbst. Wir dachten uns: „Wenn ein Produkt, dann so. Ein Produkt mit Message.“

Wolfram Leitner: Und wir machen es komplett selber. Auf dem eigenen Label. Wir lassen uns von niemandem mehr reinreden. Kleine Auflage, damit wir nicht wieder auf irgendwelchen Platten sitzen bleiben.

„Es selber zu machen und zu sehen, dass es funktioniert, ist toll.“

Heinz Wolf: Cut out the middleman. Man kann die Platte nirgends kaufen außer auf BandcampDiscogs und ein paar kleinen Plattenläden. Überall dort, wo wir die Platte direkt vertreiben können, wird es sie geben. Es selber zu machen und zu sehen, dass es funktioniert, ist toll. Was tue ich mit fünfhundert Platten. Deshalb gibt es dieses Mal 185 Einzelstücke.

Wolfram Leitner: Wir haben zweihundert gemacht. Fünfzehn sind für Freundinnen und Freunde sowie supporter. Der Rest ist für den Verkauf.

Gehen wir zum Album: Die nächstliegende Frage ist eigentlich schon beantwortet, die nämlich, warum es seit der letzten Platte so lange gedauert hat. „Sorry, waren auf Tour, wurden von Aliens entführt, irgendwo zwischen Köln und Prag“, heißt es dazu im Pressetext. Wie war‘s? Lustig oder mühsam? Habt ihr‘s genossen?

Wolfram Leitner [lacht]: Die Aliens, die uns entführt haben, sind die Kinder, die wir alle bekommen haben.

Das heißt, die Pause war der Familiengründung geschuldet?

Heinz Wolf: Auch, aber es war schon mehr. Zum Geburtstermin meines Kindes wäre ich in Deutschland gewesen und nicht mehr rechtzeitig zurückgekommen. Das Kind war dann zwei Wochen überfällig.

Wolfram Leitner: Während des Konzertes am Donauinselfest lag sein Handy hinter dem Verstärker auf laut geschaltet.

Heinz Wolf: Es hat irgendwann einfach jedem von uns gereicht: Was erwartet wird, was man machen sollte. Der Drang, dass wir wieder schnell eine Platte rausbringen, alles so machen wie bisher und uns in eine ähnliche Situation manövrieren, war nicht besonders groß.

Wir hatten einfach keine Lust, wieder eine Platte mit zwei Gitarren zu machen und Riffs zu schreiben.”

Das heißt, ihr seid vor dem aktuellen Album in euch gegangen und habt überlegt, unter welchen Voraussetzungen es überhaupt Sinn macht, weiter gemeinsam Musik zu machen?

Wolfram Leitner: Ja, wir haben überlegt und es war dann, als wir uns zusammengesetzt haben, klar, dass es anders sein muss. Wir fanden die letzte Platte zwar gut, waren zufrieden. Aber wir hatten einfach keine Lust, wieder eine Platte mit zwei Gitarren zu machen und Riffs zu schreiben.

Heinz Wolf: Du bist ja einer von zwei Leuten, die unsere erste Platte gekauft und uns daraufhin kontaktiert haben. Der mittlerweile leider verstorbene Thomas Reitmayer war der zweite. Das war damals ein Meilenstein, weil wir dadurch zur Band wurden. Im Film „High Rise”, der sich um ein Hochhaus dreht und gesellschaftlich relevante Themen behandelt, gibt es irgendwann den Satz: „Nicht wir schreiben die Geschichte, sondern das Haus.“ So ist es. Und unser Haus war eines, das in eine Indie-Rock-Richtung ging. Aber wir waren eigentlich nie eine Indie-Rock-Band, wollten das auch nie sein.

Bild M185
M185 (c) Martin Stöbich

Indie-Rock-Band wider Willen?

Heinz Wolf [lacht]: Klingt auch blöd. Es passierte ja etwas, und das war und ist auch gut so.

Wolfram Leitner: Vielleicht unterscheidet sich auch unsere Eigen- von der Außenwahrnehmung, aber wir haben viel mehr in unseren Platten gesehen als nur Indie-Rock. Nur meistens gab es dann eben zwei Singles, die gepusht wurden und die alle in eine ähnliche Richtung gingen.

Wie entstand das aktuelle Album?

Heinz Wolf: Angefangen haben wir mit Gitarren-Songs. Zwei, drei sind auch Gitarren-Songs geblieben, der Rest nicht. Es war uns wichtiger, andere Ausdrucksformen zu finden und mit Dingen rumzuspielen, als schnell eine Platte zu machen und wieder auf Tour zu gehen. Es war mehr: „Kaufen wir uns doch einen Synthesizer und schauen wir, wie Sequenzer funktionieren.” Ich spiele Gitarre und habe fünfzehn Effektgeräte auf der Bühne herumstehen, damit die Gitarre nicht mehr klingt wie eine. Da stellt sich doch irgendwann die Frage: Warum mache ich das überhaupt? Vielleicht sollte ich ja einfach ein anderes Instrument spielen, das gleich so klingt, wie mir das vorschwebt, und das deshalb keine fünfzehn Effektkästchen braucht.

Ich habe euch vor ewigen Zeiten – zwischen dem ersten, noch rein instrumentalen, und dem zweiten, recht rockigen Album – interviewt. Da meintet ihr, in der Live-Umsetzung sei man zur Band geworden. Zitat: „Einfach, weil das Song-Format spannender war. Kein Rumbasteln und Loopen mehr. Kraft und Dynamik.“ Immer mehr Elektronik fiel raus, zusätzliche Bandmitglieder und ein Sänger gesellten sich dazu. Viel wurde umgekrempelt, verworfen, verändert im Laufe der Entstehungsgeschichte dieses Albums. „Transformers“ habe man als Titel gewählt, um genau diesen Prozess zu beschreiben. Das finde ich sehr interessant, denn das, was ihr mir bisher erzählt habt, klingt fast wie die genaue Gegenbewegung zum damaligen Schritt

Heinz Wolf: Spannend. Ja. irgendwie schon.

Wolfram Leitner: Aber ein Unterschied ist: Es waren beim aktuellen Album Songs, die wir alle im Rockgewand langweilig fanden und so lange rumprobiert haben, bis sie uns gefielen.

„Irgendwann aber ist alles gesagt und es wird zum sich ewig wiederholenden Loop.“

Heinz Wolf: Bei der Single „Not in Love” war es so, dass wir erst am letzten Abend alle Gitarren wegschalteten. Aber das, was du im alten Interview beschrieben hast: Wenn sich fünf Leute in einer Band finden, dann macht das schon Spaß, erzeugt eine unwahrscheinliche Dynamik. Das trägt eine Weile. Irgendwann ist es aber auch so viel, und du kapierst, wie schwer es ist, einer Idee Raum zu geben, was wegzulassen. Bei „Let the light in” merkten wir, dass es schon sehr kracht, wenn wir zu fünft live spielen. Das taugt den Leuten und es gibt einem Kraft. Irgendwann aber ist alles gesagt und es wird zum sich ewig wiederholenden Loop. Dem wollten wir entgegenwirken, indem wir es wie die Kinks machen, d. h., wir machen einen Song und hauen ihn gleich als Single raus. Aber schon nach dem zweiten hieß es: „Ja, eh nett, dass ihr zwei Songs draußen habt, aber um sie zu spielen, brauchen wir ein Album. Wir wollen, wir können euch nicht buchen. Wir brauchen ein Album.” Ohne Album brauchst du keinen Booker fragen, weil er nichts hat, was er promoten kann. Im Ergebnis heißt das: Alles funktioniert immer noch so wie vor zehn, zwanzig Jahren, obwohl sich alles andere komplett verändert hat.

Wolfram Leitner: Und wir sind nicht die Kinks. Die Kinks haben halt auch Nummer-1-Songs rausgehauen, wir einen California-Gitarren-Hippie-Song mit Hip-Hop-Beats.

Heinz Wolf: Kim Gordon meinte in ihrer Biografie, dass „Sonic Nurse“ niemanden mehr interessiert habe, weil Vampire Weekend plötzlich als das neue, edgy Ding galten und nicht Sonic Youth. Das kann man verallgemeinern: Du wirst nicht für das bewertet, was du tust, sondern aus dem Kontext des generellen Schaffens heraus und dem, was du vorher gemacht hast.

Was unfair ist.

Heinz Wolf: Aber auch logisch. Also haben wir doch ein Produkt gemacht. Zuerst haben wir in einem Hotel in der Steiermark die ersten vier Songs aufgenommen, dann in der Zirkusgasse in einem Klassik-Studio einige Nummern und in einer dritten Session im Proberaum den Rest.

Wolfram Leitner: Dazwischen klang es uns aber schon wieder zu bandmäßig.

Heinz Wolf: Es war aber tonnenweise Material da und wir saßen dann zweieinhalb Jahre lang und versuchten, aus den Ideen und Jams etwas zu formen, etwas rauszuziehen.

Wolfram Leitner: Wenn du den nächsten Schritt nicht spannend findest, sondern das Rumexperimentieren interessanter findest, dann dauert es halt. Und es hat lang gebraucht, bis wir zufrieden waren.

Würdet ihr zustimmen, wenn ich sage, die Platte ist weniger Sonic Youth, sondern mehr Krautrock, weniger Indie-Noise-Rock, sondern mehr Groove, weniger klassischer Gitarre-Bass-Schlagzeug-Sound, sondern mehr Mut zum Experiment?

Heinz Wolf: Auf jeden Fall.

War es eine bewusste Entscheidung, dass die Musik mehr Groove bekommen soll?

Heinz Wolf: Nicht wirklich. Alle, die etwas eingebracht haben, waren an unterschiedlichen musikalischen Orten. Jeder hat versucht, seine Sache einzubringen.

Stand auch im Raum, überhaupt nicht mehr weiterzumachen, die Band aufzulösen?

Heinz Wolf: Nein, es gab ja viel cooles Zeug. Aber die Überlegung war, ob wir das als Band rausbringen. Jedes Genre ist reaktionär. Wenn du irgendwo mehr Zeit verbringst, dann fällt es dir halt mehr auf. Und Indie-Rock, das sind weiße, Bier trinkende Typen. Beim letzten Built-to-Spill-Konzert fiel mir das so extrem auf. Das war für mich mal Gitarrenmusik, anders gedacht. Dann ist man dort im WUK und alles, was man sieht, sind Männer Mitte dreißig bis Mitte vierzig, die nichts anderes zu tun haben, als dem Gitarristen und dem Bassisten auf die Finger zu schauen, ob das jetzt eh gut ist, was sie spielen. Keine Party, kein Moment, der Freude macht. Das ist eine Welt, die niemanden interessiert. Wir hatten als Band immer die Vision, dass da Leute unterschiedlichen Überbaus, unterschiedlicher Interessen zusammenkommen, um etwas gemeinsam zu machen und so einen dichten Moment zu erzeugen.

Empfindet ihr das Album eher als Rückzug oder als Aufbruch? Und werdet ihr es live umsetzen?

Heinz Wolf: Aufbruch. Aber der Drang, es live zu spielen, ist nicht groß. Obwohl: Live zu spielen geht jetzt eh nicht.

Wolfram Leitner: Weil wir alle Kinder bekamen, war auch schnell klar, dass das nicht mehr in der bisherigen Intensität und Häufigkeit stattfinden wird können.

Albumcover Product
Albumcover “Product”

Heinz Wolf: Die Platte ist seit über einem Jahr fertig. Wir hatten keine Eile, sondern nahmen uns Zeit, über alles nachzudenken. Wir kamen zu dem Punkt, dass wir unsere Platte geil fanden, aber es überhaupt nicht dringlich fanden, die Platte in einem Live-Format auf die Bühne zu bringen. Jeder will lieber andere, neue Musik machen, weiter Musik machen, anderes machen.

Was macht ihr im Herbst?

Heinz Wolf: Ich bringe eine EP raus.

Wolfram Leitner: Ich fange wieder zum Studieren an.

Heinz Wolf: Vielleicht macht es uns wieder mal Spaß, live zu spielen. Momentan sehen wir das halt nicht. Das Nachspielen eines Albums ein Jahr später macht für uns wenig Sinn.

Aber ihr wart schon immer eine Live-Band …

Wolfram Leitner: Ja, aber jetzt geht es gerade nicht.

Heinz Wolf: Wir sind alle in einem ähnlichen Alter. Wenn du mit der Band rausgehst, machst du neben der Familie nichts anderes mehr. Jeder von uns hat noch andere Dinge am Laufen, die er ins Werk setzen will. Jeder von uns hat Dinge, die ihm wichtiger sind, als fünf Jahre alte Nummern live zu spielen.

Wolfram Leitner: Und die Frage wäre dann auch, wie wir die alten Nummern, die vor diesem Album entstanden, spielen, damit wir sie nicht wieder gleich umsetzen wie vorher.

Heinz Wolf: Es ist fast unmöglich, jemanden davon zu überzeugen, dass das mit M185 jetzt etwas völlig anderes ist.

Aber die Leute zu überraschen oder sogar vor den Kopf zu stoßen ist doch eine der schönsten Angelegenheiten überhaupt in der Musik, oder nicht?

Heinz Wolf: Klar. Aber man müsste Lust haben, das durchzurocken. Dann könnte man mit den Erwartungshaltungen oder den vermuteten Erwartungshaltungen spielen.

Ihr habt in der Vergangenheit viel live gespielt, auch in Deutschland. Wie leicht oder schwer war es, Publikum zu gewinnen?

Heinz Wolf: Die erste Tour in Deutschland war während der Fußballweltmeisterschaft. Entweder war es richtig cool oder total scheiße. Dazwischen gab es nichts. Interessant war, dass wir die gleiche Runde noch mal spielten, und beim zweiten Mal war es viel, viel besser. Wie Tag und Nacht.

Wolfram Leitner: Aber beim ersten Mal hast du dir schon einige Fragen gestellt. Zum Beispiel: „Wieso bin ich in Gießen?“

Heinz Wolf [lacht]: Ja, definitiv. Wir haben in Gießen nicht zur Location hingefunden. Das Navi hat nicht funktioniert. Plötzlich sahen wir ein Pärchen, das so aussah, als könnte es irgendetwas mit alternativer Kultur zu tun haben. Wir fragten die beiden nach dem Weg. Die setzten sich zu uns ins Auto, weil es zu kompliziert war, den Weg zu erklären. Dafür versprachen wir, sie auf die Gästeliste zu setzen.

Wolfram Leitner: Sie hatten eh nichts vor.

Heinz Wolf: Das war der erste oder zweite Tour-Stopp und wir wussten nicht, was passieren wird.  Wir kamen also zu einer riesigen Veranstaltungs-Location, saßen oben im Backstage-Raum herum. Plötzlich kommen Securitys, riesige Schlangen bilden sich.

Wolfram Leitner: Wir wussten nicht, ob die für uns kommen.

Und? Kamen sie wegen euch?

Heinz Wolf: Nein. Die gingen alle zur Nebenveranstaltung, einem Techno-Fest. Wir spielten für die beiden, die wir mitgenommen hatten.

Wolfram Leitner: Wir haben ihnen eine Couch hingestellt und ihnen Drinks spendiert.

Wann war das?

Heinz Wolf: 2014 im Sommer. Oder: Du bist du in eine große Halle gebucht und am gleichen Tag spielt Deutschland gegen Brasilien. Kaum warst du fast fertig mit dem Set, kamen auf einmal Leute. Dann haben wir halt noch mal angefangen, mitunter zweimal gespielt. Das war schon lustig, wenigstens die vierzig zu erobern und so einen Moment zu erzeugen.

Wolfram Leitner: Die zweite Tour war gut besucht. Aber es stellt sich halt die Frage, was man will. Wieder die gleichen zwölf Orte abfahren?

Heinz Wolf: Wir brachten in der Früh auf einmal unsere eigenen Kinder in den Kindergarten und es war viel geiler, als in einem Tour-Bus zu sitzen.

Markus Deisenberger

Links:
M185