„Das Album ist für mich wie eine Erinnerung an eine längst vergangene Zeit.“ – ARON TOMPA (ARON & GLOWING EYES) im mica-Interview

Es hätte eigentlich anders kommen sollen. Geplant hatten ARON & GLOWING EYES den Release ihres Debüts „Gestrandet am Ufer der Glückseligkeit“ eigentlich schon viel, viel früher. Doch dann kam Corona. Die Pandemie hat aber nicht nur die Veröffentlichung verzögert, sondern auch Frontmann ARON TOMPA im wahrsten Sinne des Wortes an der Küste Perus stranden lassen. Dort hält er sich bis heute auf. Nichts desto trotz ist es jetzt soweit. Ende April erscheint das Album, das musikalisch mit einem überaus spannenden und extrem tanzbaren Mix aus Live-Drum’n’Bass, Deutschrap, Electronica und einem Schuss Pop aufwartet. ARON TOMPA im Interview mit Michael Ternai über seine Zeit auf der anderen Seite des Globus, seinen neuen Blick auf das neue Album und seine musikalischen Vorstellungen.

Du bist ja gerade in Peru. Wie hat es dich eigentlich dorthin verschlagen?

Aron Tompa: Ich bin im Grunde genommen meiner Freundin, die hier einen Job angenommen hat, gefolgt, wobei anfangs noch nicht wirklich klar war, wie lange der Aufenthalt werden wird. Ich war ja davor auch schon einmal hier und bin dann wieder nach Österreich, um ein paar Sachen, unter anderem mit der Band, zu erledigen. Ende 2019 bin ich dann wieder nach Peru. Der ursprünglich Plan war, für drei Monate zu bleiben und dann gemeinsam auf Reisen zu gehen. Dann ist es mit der Pandemie losgegangen. Und obwohl alle gesagt haben, wir sollten zurückkommen, haben wir uns entschieden, zu bleiben. Einerseits, weil meine Freundin in ihrem Job befördert und mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut worden ist, andererseits, weil wir irgendwie das Gefühl hatten, dass das Leben nicht mehr dasselbe sein wird. Vor allem nicht in einer Großstadt wie Wien. Uns hat es auch nicht wirklich zurückgezogen, weil es uns hier richtig, richtig gut gegangen ist. Daher haben wir erst einmal abgewartet und geschaut, wie sich die Dinge hier entwickeln. Das war es eigentlich. Wir sind hier irgendwie picken geblieben. 

Du bis jetzt also schon länger in Peru. Wann ist dann eigentlich das Album entstanden?

Aron Tompa: Das ist schon richtig lange her. Und irgendwie komme ich mit den Jahren auch schon langsam durcheinander. Ich glaube, mit dem Songschreiben haben wir 2017 begonnen. Bei Patrick Pulsinger im Studio waren wir 2018. Anfang 2019 hat dann Alexander Yannilos noch nicht Skits gemacht. Und gemastered wurde das Album auch noch 2019. Ursprünglich hatten wir ja geplant, dass wir dann eine Single nach der anderen veröffentlichen, um erst zu schauen, wie die Medien drauf reagieren. Das Album sollte erst am Schluss kommen. Nur dann kam die Pandemie dazwischen. Zwar haben wir kurz überlegt, ob wir den Release vorverlegen sollen, aber aufgrund der Situation und dem Umstand, dass ich von hier nur schwer wegkomme und ein Releasekonzert samt Tour ohnehin nicht möglich waren, haben wir uns entschieden, davon Abstand zu nehmen.

„Nichts desto sind die Songs trotzdem ein Bestandteil von mir.“

Wie ist es dann, nach einer so langen Zeit das Album anzuhören?

Aron Tompa: Das ist eine richtig gute Frage. Diese Frage hat mich im Vorfeld dieses Interviews auch beschäftigt, weil im Grunde genommen, ich nicht mehr die Person bin, die auf diesem Album zu hören ist. Das Album ist für mich wie eine Erinnerung an eine längst vergangene Zeit. Es ist für mich spannend, das Album anzuhören, weil ich in gewisser Weise an mein älteres Ich erinnert werde und wie ich damals drauf war. Der Ort in Peru, an dem ich jetzt lebe, ist auch bekannt dafür, ein echtes Paradies für Aussteiger zu sein. Es sind viele Künstlerinnen und Künstler und Leute aus allen Ecken der Welt hier. Und eine Unterhaltung mit denen dreht sich hauptsächlich um die Frage, wie sehr die Zeit hier jemanden verändert hat. Mit diesem Hintergrund ist es dann schon etwas komisch, sich das Album anzuhören. Nichts desto sind die Songs trotzdem ein Bestandteil von mir.

Aber wenn du zurückerinnerst, was war die Intention dieses Album?

Aron Tompa: Das Album war als Konzeptalbum angelegt, weil wir auch große Fans solcher Alben sind. Wir wollten ein Album kreieren, das zusammenfasst, was in unserer Jugend alles Thema war. Der Großstadtdschungel, unterschiedliche Beziehungen, der Druck der Gesellschaft, also all das, was einen beschäftigt. Wir haben versucht, das alles musikalisch und lyrisch auf einem Album zusammenzupacken.

Bild Aron Tompa
Aron Tompa © Thomas Unterberger / www.thomasunterberger.at

Weil du vorher Patrick Pulsinger erwähnt hast. Wie ist es eigentlich zur Zusammenarbeit mit ihm gekommen?

Aron Tompa: Im Endeffekt haben wir nach jemanden gesucht, der auf so etwas steht, auf eine Mischung aus so unterschiedlichen Stilen, wie wir sie in unseren Songs abbilden. Bei uns geht es ja von Drum’n’Bass bis hin zu diversen Formen elektronischer Musik. Wir wollten mit jemanden zusammenarbeiten, der unsere Sprache spricht und auch einen elektronischen Backround hat und auch daran interessiert ist, mit einer Band zu arbeiten. Ja, und ich habe ihn eigentlich nur angeschrieben und es ist relativ easy zustande gekommen.

Musikalisch spielt sich das Album ja zum überwiegenden Teil im eher energiereichen Bereich ab. Die Nummern klingen alle sehr flott und tanzbar, sind aber stilistisch auch sehr vielfältig. Du kommst ja aus dem elektronischen Umfeld, kennst Hip-Hop und bist auch Klavier sehr fix. Wie sehr war es ein Anliegen von dir, auf diesem Album so unterschiedliche Genres in einen Sound zu packen?

Aron Tompa: Schon ein großes. Diese Herausforderung hat mich einfach gereizt. Ich wollte keinen abgedroschenen Hip-Hop machen und auch keine klassisch brave Indieband sein, sondern vielleicht etwas Neues kreieren. Obwohl das natürlich schwer ist, weil es ja fast nichts Neues mehr gibt. Ich glaube, nicht unwichtig war, dass ich den Drummer Milan Cobanovic kennengelernt und ihn spielen gesehen habe. Das muss so 2016 gewesen sein. Ich war von seinen Schlagzeug-Skills sofort megabegeistert. Auf so einem hohen Level mit dem Schlagzeug Drum ‘n’ Bass spielen können in Österreich, glaube ich, nur wenige. Andreas Gattermayer kannte ich auch schon von früher, weil ich mit ihm schon davor in einer Funkband gespielt habe. So gesehen hat sich alles ganz natürlich zusammengefügt. Es lag irgendwie auf der Hand, wo es musikalisch hingehen soll. Wir wollten alle nicht irgendeinen Klischee-Hip-Hop oder Klischee-Drum ‘n’ Bass machen, sondern etwas Progressives und Synergetisches, etwas, dass es in der Form noch nicht gegeben hat.

Es war nicht einfach, alles so unter einen Hut zu bringen, dass es kein intellektuelles Album wird“

Die Lieder kommen alle eigentlich alle sehr optimistisch daher, auch weil verstärkt auch Popelemente durchklingen. Auf der anderen Seite sprichst du in deinen Texten auch ernste Themen an. Ein interessanter Spagat, den ihr da vollzogen habt.

Aron Tompa: Ja, das war echt nicht einfach. Der Faktor Pop diente für uns damals schon auch dazu, uns die Möglichkeit zu eröffnen, eine größere Hörerinnen- und Hörerschaft zu erreichen, damit auch die von all diesen Themen zehren kann. Zudem hat uns die Populärkultur immer auch schon fasziniert und wir wollten dieses Element mit hineinbringen. Es war nicht einfach, alles so unter einen Hut zu bringen, dass es kein intellektuelles Album wird, sondern es auch trotz mancher ernsten Themen konsumiert werden kann.

Und gibt es Pläne für ein Release-Konzert? Vorausgesetzt ein solches ist wieder möglich.

Aron Tompa: Nein, es ist nicht absehbar, wann ein solches stattfinden kann. Wir reden zwar alle paar Wochen darüber und versuchen, etwas zu planen. Aber bisher hat sich einfach nichts ergeben. Aber natürlich wollen wir eines machen, schon alleine deswegen, weil unsere Musik aufgrund ihres tanzbaren Charakters schon sehr an Livekonzerte gekoppelt ist. Aber das ist im Moment einfach nicht möglich.  

Weißt du schon, wie lange ihr noch in Peru bleibt? Und wie verbringst du deine Zeit bis zu deiner Rückkehr nach Österreich?

Aron Tompa: So wie es im Moment aussieht, werden meine Freundin und ich im Sommer wieder nach Österreich zurückkehren. Ich produziere sehr viel und arbeite unter anderem intensiv an einem Soloalbum. Dabei unterstützen mich einige unfassbar talentierte lokale Musikerinnen und Musiker, was wirklich Spaß macht. Auch für die Band – die übrigens gerade an einem Instrumentalalbum arbeitet – habe ich schon einige Songs geschrieben. Die warten eigentlich nur noch darauf, nach meiner Rückkehr eingespielt zu werden. 

Herzlichen Dank für das Gespräch! 

Michael Ternai

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