Bild Pia Basey
Pia Basey (c) Liz Visual

„Das Album ist auf jeden Fall sehr freakig“ – PIA BASEY im mica-Interview

Sie war in der Vergangenheit musikalisch mit ihren Bandprojekten vor allem im Rock unterwegs. Das ändert sich jetzt. Die aus Tirol stammende Musikerin PIA BASEY geht mit ihrem Debüt „FREEX“ (Panta R&E /VÖ:19.7.) nun als Solokünstlerin an den Start. Und als solche zeigt sie, dass sie musikalisch doch viel mehr zu bieten hat, als nur laute Gitarren. Pop trifft auf Rock und Elektronik, dazu eine starke Stimme und fette Beats – so in etwa lassen sich ihre gemeinsam mit YVES KRISMER (MOTHER’S CAKE) produzierten Nummern wohl am treffendsten beschreiben. PIA BASEY im Interview mit Michael Ternai über die Entwicklung des eigenen Sounds, den Willen etwas Neues zu schaffen und die Acts, die Einfluss auf ihre Musik genommen haben.

Was können sich die Leute, die dich noch nicht kennen, von deinem Album erwarten?

Pia Basey: Generell kann man sagen, dass das Album musikalisch sehr vielfältig ist. Ein Grund, warum es so geworden ist, ist sicher, dass Yves und ich wirklich lange daran gearbeitet haben. Wir haben mit dem Schreiben der Songs vor etwa zwei Jahren begonnen. Und anfangs waren die Nummern noch sehr Drum’n’Bass-lastig. Das hat sich mit der Zeit aber mehr und mehr verändert. Die ganze Sache hat sich irgendwann in eine ganz eigene Richtung entwickelt, hin zu einem musikalisch doch breiteren Sound. Das Album ist auf jeden Fall sehr freakig und vor allem auch sehr beatlastig, weil ich Beats einfach sehr mag.

„Ich bin eine sehr intuitive Songwriterin, die schnell drauflosschreibt und erst in Nachhinein Songs ausarbeitet.“

Hattet ihr eigentlich schon zu Beginn eine klare Soundvorstellung im Kopf. 

Pia Basey: Nein, überhaupt nicht. Es war eher so, dass wir einfach losgelegt und geschaut haben, was passiert. Irgendwelche Vorgaben haben wir uns dabei keine gestellt. Wir sind sehr zwanglos an die Sache herangegangen. Ich bin eine sehr intuitive Songwriterin, die schnell drauflosschreibt und erst in Nachhinein Songs ausarbeitet. Und so war es auch bei diesem Album. Es sind in der Zeit an die hundert Songs entstanden, aus denen wir die besten herausgepickt und fertig produziert haben. 

Musikalisch betrittst du für dich mit dem Album doch in gewisser Weise Neuland, warst du doch bislang eher im rockigen Bereich unterwegs.

Bild Pia Basey
Pia Basey (c) Liz Visual

Pia Basey: Ich wollte auf dem Album musikalisch etwas für mich ganz Neues machen. Sprich, ich wollte einfach einmal etwas weg vom Rock und schauen, was für mich noch möglich ist. Ich habe mir dafür auch ein ganz altes Piano gekauft und versucht, die Songs auf diesem zu schreiben, was sehr gut geklappt hat. Andere Songs sind auf der Gitarre entstanden. Wichtig war mir, dass die Songs, die jetzt elektronischer geworden sind, auch akustisch funktionieren, dass man sie nicht nur in einem Club spielen kann, sondern auch in einem akustischen Rahmen. 

Die Songs des Albums durchzieht eine gewisse dunkle Note. Ein Ausdruck deiner Persönlichkeit? 

Pia Basey: Ich stehe einfach auf einen dunklen Sound, wobei ich meine Sachen eigentlich gar nicht so dunkel empfinde. Aber ich mag diese Stimmung einfach gerne. Ich selber habe sicher auch meine dunklen und düsteren Seiten, gleichzeitig bin ich aber auch ein sehr lebensfroher Mensch. Das Lustige ist, dass diese dunkle Note bei mir oft im Sound und in der Musik rauskommt.

„Ich mag den musikalischen Mischmasch ja sehr gerne.“

Musikalisch geht es auf „FREEX“ ja sehr abwechslungsreich zu. Vor allem stilistisch. Was beeinflusst dich eigentlich musikalisch? 

Pia Basey: Ich mag den musikalischen Mischmasch ja sehr gerne. Ich mag es, wenn zum Beispiel Rock auf Elektronik trifft usw. Da bin ich, glaube ich, stark vom Sound der 1990er und frühen 2000er Jahre geprägt, Von Bands wie Rage Against The Machine und Limp Bizkit. Aber auch die Musik von Die Antwoord und M.I.A. haben Einfluss auf mich und mein Songwriting ausgeübt. Ich liebe einfach die Aufbruchstimmung, die deren Musik vermittelt, diesen Sound, der einfach nur Abschalten oder Abtanzen lässt.

Was die Songs zusammenhält, ist vor allem auch deine rauchige Stimme. Wann hast du die entdeckt?

Albumcover Freex
Albumcover “Freex”

Pia Basey: Meine Stimme hat sich mit der Zeit einfach entwickelt. Wir haben bei den Aufnahmen mit der Stimme sehr viel experimentiert und zum Teil ist es dabei auch richtig abgefreakt zugegangen. Die rauchige Stimme habe ich schon als Kind gehabt. Die begleitet mich eigentlich schon mein ganzes Leben lang.

Wie haben sich Yves und du kennengelernt? Wie ist es zur Zusammenarbeit gekommen? 

Pia Basey: Ich kenne Yves eigentlich schon länger. Wir sind uns früher mit unseren Bands öfters beim Jammen und zusammen Spielen über den Weg gelaufen. Erstmals richtig ins Reden gekommen sind wir bei einem Konzert von Mother`s Cake, bei dem ich mit meiner Band als Vorgruppe gespielt habe. Von da an führte dann eines zum anderen. Mittlerweile wohnen wir zusammen und sind in einer Beziehung. Auch musikalisch kommen wir extrem gut miteinander aus, was die Entscheidung, gemeinsam am Album zu arbeiten, natürlich erleichterte. Hinzu kommt, dass sich Yves als Producer weiterentwickeln wollte und er mir auch aus diesem Grund angeboten hat, mich bei meinem Soloprojekt zu unterstützen. 

Sind es spezielle Themen, über die du in deinen Songs singst?  

Pia Basey: Ich muss sagen, dass ich, weil ich so intuitiv bin, oft gar nicht weiß, was in meinem Unterbewusstsein schlummert. Ich denke, dass die Songs schon auch viel mit meinem Leben zu tun haben. Aber nicht nur. Ich erzähle auch Märchen, wie zum Beispiel im Song „Mirror, mirror“, in dem es um Schneewittchen geht. In „Guilty“ dagegen geht es um den Underground, in dem ich mit meiner Band lange unterwegs war. Die Themen sind sehr unterschiedlich, auch weil die Songs zu unterschiedlichen Zeiten, in denen mich immer etwas anderes beschäftigt hat, geschrieben worden sind. Aber ich denke, das passt schon alles gut zusammen.

Kann man sagen, dass Pia Basey jetzt dein Hauptprojekt ist?

Pia Basey: Ja, auf jeden Fall. Es ist schon mein Plan, mich in Zukunft auf dieses Projekt zu fokussieren. Ich bin zwar schon gerne auch gefordert und ich mag es, viele Projekte am Laufen zu haben – ich habe ja nach wie vor auch eine andere Band-, aber Pia Basey ist im Moment definitiv das Projekt, auf das ich meine ganze Energie aufwende.

Das Album erscheint jetzt nicht gerade zu allerbesten Zeit. Speziell, was die Live-Präsentation betrifft. Hast du überlegt den Release zu verschieben?

Pia Basey: Wir haben natürlich kurz gezweifelt, ob der Zeitpunkt wirklich der ideale ist, das Album zu veröffentlichen. Aber ich wollte meinen Plan doch weiterverfolgen und habe mir gedacht, dass wir jetzt im Juni mit dem Album rausgehen, ganz einfach damit für Leute schon einmal etwas in die Hände bekommen, das sie sich anhören können. Außerdem haben Yves und ich uns jetzt auch einen Bus gekauft, mit dem wir in Europa herumfahren werden, um das Album zu promoten. Das Alles hat uns dazu bewogen, das Album dann doch jetzt zu veröffentlichen.

Herzlichen Dank für das Interview.

Michael Ternai

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