CONSTELLATION PROJECT – „Retrospection”

Der Jazzklang klassischer Prägung in stilübergreifender Weise fulminant neu interpretiert – das CONSTELLATION PROJECT macht auf seinem Debütalbum „Retrospection” (ATS Records) auf eindrucksvolle Art vor, was man noch Packendes aus längst vergangen geglaubten Klängen herausholen kann.

Der Versuch eines musikalischen Brückenschlags zwischen Vergangenem und Modernem. Die fünfköpfige Formation Constellation Project rund um den jungen, aus Kärnten stammenden Gitarristen Raphael Käfer hat es sich auf ihrem Album „Retrospection” zur Aufgabe gemacht, den Jazz alter Tage zu erneuern, ihm durch eine stilistische Erweiterung und eine zeitgenössische Interpretation zu einer neuen Blüte zu verhelfen. Ein Vorhaben, das – lauscht man sich durch die Nummern des Quintetts – vortrefflich geglückt ist. Mehr noch, Raphael Käfer und seinen Mitmusiker Tobias Pustelnik (Saxofon), Urs Hager (Piano), Philipp Zarfl (Bass) und Matheus Jardim (Schlagzeug) ist es gelungen, dem Ganzen etwas Ureigenes zu verpassen, einen Sound, der so richtig lässig daherkommt und vor allem auch wunderbar abwechslungsreich ertönt. So aktuell, so spritzig, so erfrischend anders hat Jazz mit traditioneller Schlagseite schon lange nicht mehr geklungen.

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Die fünf Instrumentalisten legen einen heißen Tanz aufs Parket, einen, der die Zuhörenden mitreißt und zu begeistern vermag. Zu allen Seiten hin offen verbinden sie Verschiedenstes auf unnachahmlich leidenschaftliche Weise, der Fünfer bedient sich aus dem breiten Fundus der Jazzgeschichte, zieht genüsslich Linien hin zu anderen Stilen und lässt auch jeder kunstvollen Improvisation ihren Raum. Der Sound, den Bandleader Raphael Käfer und seine Kollegen erschaffen, ist einer, in dem es vor packenden Melodien, waghalsigen virtuosen Soli, überraschenden Wendungen und Brüchen, eigenwilligen Experimenten und spannungsgeladenen Aufbauten nur so wimmelt, in dem der gediegene smoothe und elegante Klang ebenso dargeboten wird wie auch der hochgradig energiegeladene.

Das Constellation Project zeigt auf „Retrospection”, dass Jazz der klassischen Prägung auch zeitlos erklingen kann und in keiner Weise irgendwie verstaubt klingen muss. Die Nummern des Quintetts haben den Kick, sie atmen etwas unkonventionell Frisches, das wirklich viel Stimmung macht.

Michael Ternai

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Links:
Raphael Käfer
ATS Records